Man muss sich das mal vor Augen führen: 17:1. Und das nicht in einem Freundschaftsspiel und auch nicht in einem Cupspiel. Sondern in der 2. Liga interregional, immerhin die fünfthöchste Liga des Landes. Als Sieger zog Chur von dannen, der in der vergangenen Saison lange in den Abstiegskampf involviert war. Verlierer war der FC United Zürich, vorletzte Saison noch in der dritthöchsten Liga des Landes engagiert. Da United am kommenden Samstag auf der Rüti in Henau Gegner des FC Uzwil ist und später in der Saison auch auf den FC Bazenheid und die U20 des FC Wil treffen wird, fragt man sich auch in der Region Wil: Wie bitte?

Sokol Maliqi, Trainer des FC Uzwil, hat am Samstag die ersten 42 Minuten des Spiels auf der Sportanlage Buchlern in Zürich mitverfolgt. «Erst» 4:0 für die Churer stand es zum Zeitpunkt, als er ging. Aber das Zwischenresultat war ein Hohn. «Die Churer haben sich bis zur 20. Minute dumm angestellt. Sie standen vier- bis fünfmal allein vor dem Goalie und haben entweder diesen angeschossen oder das Tor verfehlt.» Maliqi, der den Zürcher Fussball gut kennt, sagt: «Diese United-Mannschaft hat nicht einmal 4.-Liga-Niveau. Zwei, drei Spieler können zwar gut kicken. Es hatte aber auch vier oder fünf Spieler dabei, die mit Fussball nichts am Hut haben. Die sind nicht einmal gerannt. Es war unwürdig, sich so abschlachten zu lassen.» Überrascht war Maliqi einzig, dass die Zürcher in der zweiten Halbzeit noch ein Tor erzielt haben.

2018 wollten sie Schweizer Meister werden

Etwas diplomatischer formuliert es Chur-Trainer Max Knuth. Er sagt gegenüber hallowil.ch: «United ist mit einer gemischten Truppe aufgelaufen und wurde von uns einfach überrannt. Das Resultat hätte höher ausfallen können oder müssen.»

Der FC United Zürich hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Der Verein wurde Mitte der 1980er-Jahre von Türken als FC Fenerbahce Zürich gegründet und spielte in den tiefsten Ligen. Im Jahr 2010 wurde, um die Öffnung der Nationalitäten zu demonstrieren, der Verein in FC United Zürich umbenannt. Gekickt wurde in der 3. Liga, geträumt von viel mehr. Mit einem doppelseitigen Zeitungsinserat verkündete der Verein, er wolle dem FC Zürich, den Grasshoppers, den Young Boys, dem FC Basel, dem FC Luzern und dem FC St. Gallen Feuer unter dem Hintern machen – und im Jahr 2018 Schweizer Meister werden. Unter Massimo Rizzo, einst Spieler beim FC Wil, begann der Aufstieg. Als Höhepunkt gelang im Sommer 2016 die Promotion für die Promotion League, dritthöchste Spielklasse des Landes.

Arbeitslose Profis stoppen Talfahrt nicht

Ende 2016 wurde Piero Bauert, der auch beim Zürcher Ligakonkurrent YF Juventus Zürich verantwortlich war, Präsident von United. Zwar gab es viele Wechsel im Team und United stieg sportlich ab, hielt sich aber am grünen Tisch in der Liga. Bauert trat als Präsident zurück und die Spielergewerkschaft SAFP, welche arbeitslosen Profi-Fussballern eine Trainingsmöglichkeit bietet, übernahm. Doch es folgten zwei Abstiege hintereinander, so dass der Klub nun in der 2. Liga interregional spielt, in der Gruppe mit dem FC Uzwil, dem FC Bazenheid und dem FC Wil U20.

Vieles scheint derzeit unklar. Dem Vernehmen nach sollen die Dzaferi-Brüder den Verein übernommen haben. Drei spielten am Samstag beim 1:17 mit. Indrit Dzaferi war Captain, Kustrim Dzaferi gab den Spielertrainer. Laut Maliqi seien alle Spieler des letztjährigen 1.-Liga-Kaders abgesprungen und das Team wurde aufgefüllt mit A-Junioren und Akteuren der zweiten Mannschaft, die es nicht mehr gibt. «United wird sich womöglich noch steigern im Verlauf der Saison. Aber das wird nie und nimmer reichen, um die Liga zu halten», sagt Maliqi.

Es geht noch höher

Ein Rekord-Resultat ist dieses 17:1 übrigens nicht in der 2. Liga interregional. Erst im Juni hatte der SV Muttenz mit einem 26:0-Erfolg gegen AS Timau Basel den Aufstieg in die 1. Liga sichergestellt.

So ist der Saisonstart den Klubs der Region Wil geglückt.