Die alle drei Jahre stattfindende Operette Sirnach gehört nicht nur zu den grössten Kulturveranstaltungen in der Region Wil, sondern auch im ganzen Kanton Thurgau. 12'000 Zuschauer werden in den 25 Vorstellungen bis zum 6. April im Dreitannen-Saal erwartet. Zur Verfügung steht ein Budget von rund einer Million Franken.

Die Premiere ist längst zu einem Stelldichein für wichtigen Personen der näheren und weiter Umgebung geworden. So haben sich für Samstagabend mehrere Regierungsräte der Kantone St. Gallen und Thurgau angesagt – aber auch Winterthurs Stadtpräsident Michael Künzle. Und wie läuft der Vorverkauf? «Wir sind weiter als bei der letzten Aufführung vor drei Jahren. Das erstaunt, da alles immer kurzfristiger wird. Es zeigt uns, dass wir mit diesem Stück Erfolg haben», sagt Otto Noger, Präsident der Operette Sirnach.

Mit den Waffen der Frau

Am Montagabend fand eine der letzten Proben vor der Premiere statt, kostümiert und an einem Stück gespielt. Dass es mit Liebesschwüren so eine Sache ist, zeigen unzählige Romane, Dramen – und Operetten. Auch in der diesjährigen Produktion der Operette Sirnach hält man es damit nicht allzu genau. Zumindest wird die Treue des Partners allzu schnell in Zweifel gezogen. Nach der Hochzeitsreise wird der frischgebackene Ehemann Aristide von einer ehemaligen Geliebten aufgefordert, ein Versprechen einzulösen: Ein Souper noch in derselben Nacht im Hotel Savoy. Unterstützung erhält er dabei von einem Freund. Seine Frau Madeleine will diesen Plan durchkreuzen, erscheint verkleidet im Hotel – und wird prompt vom eigenen Ehemann umworben. Selbstverständlich greift sie zu eigenen Waffen. Turbulent geht es zu und her, darüber hinaus verspricht das Ambiente eines Grand Hotels zusammen mit der Musik Paul Abrahams einen vergnüglichen Theaterabend.

 
Operetten-Präsident Otto Noger äussert sich im hallowil.ch-Interview dazu, wie mit dem Thema Nationalsozialismus umgegangen wird.

Bei dieser Montagsprobe, der hallowil.ch beiwohnte, war festzustellen: Die Verantwortlichen sind bereit. Es gilt nur noch einige Details beim Licht, an der Textsicherheit und beim Ensemble zu bereinigen. Man ist aber auf einem so guten Weg, dass die Probe von Mittwochabend weggelassen wird. «Wie beim Fussball geht es darum, die Leute nicht überzutrainieren, damit sie dann bei der Premiere spritzig sind», sagt Regisseur Leopold Huber.

Stück war in Deutschland verboten

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt wird in Sirnach eine Operette des Ungaren Paul Abraham gespielt. Dies nicht ganz zufällig. Man hat sich bei den Organisatoren zuletzt auf die Fahne geschrieben, spätere, moderne Operetten zu präsentieren, bei welchen die Einflüsse des Musicals schon deutlich spürbar sind. Damit soll auch ein jüngeres Publikum angesprochen werden.

Bei «Ball im Savoy» ist speziell, dass das Stück bei der Uraufführung im Jahr 1932 zwar Erfolg hatte. Kurze Zeit später kamen jedoch die Nationalsozialisten an die Macht und verboten die Operette. Der Jude Abraham musste nach Amerika fliehen. Also galt es für die Verantwortlichen in Sirnach, auch das Thema Nationalsozialismus ins Stück zu integrieren. «Wir haben den braunen Hauch aufgenommen. Im Grundsatz ist es aber einen Sonnenschein-Operette, die zeigen soll, wie das Leben so spielt. Das Thema Nationalsozialismus soll vorkommen, aber nicht tragend wirken», sagt Noger.

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Leopold Huber führt erneut Regie bei der Operette Sirnach. (Bild: Franco Baumgartner)