Er wollte fast gar nichts sagen vor dem Kreisgericht Wil in Flawil. Ausser dies: Äusserst kurz angebunden forderte er betreffend angeklagte Veruntreuung einen Freispruch. Doch es kam anders. Der Richter sprach den 38-jährigen Chefmonteur der mehrfachen Veruntreuung schuldig. Was war passiert? Für eine Wiler Firma hatte er als Chefmonteur auch den Auftrag, Material zu bestellen. Das tat er reichlich. Jedoch kaufte er bei weitem nicht nur, was auf den Baustellen dann auch verbaut wurde. Während mehr als zwei Jahren soll es Material von 150 Bestellungen gewesen sein, das er dann entweder weiterverkaufte oder für sich behielt.

Der Schwindel flog auf, als der Chefmonteur mehrere Kilometer eines schwarzen Kabels gekauft hatte, das nur ganz selten gebraucht wird. Die Konsequenzen waren einschneidend: fristlose Kündigung und ein Gerichtsverfahren, das ihm am Dienstag eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung bei einer Probezeit von zwei Jahren einbrachte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Angeklagte wird auch freigesprochen

Doch warum tat er es? Eine Frage, die unbeantwortet blieb, da der Angeklagte schwieg. Fakt ist, dass ihn diverse Arbeitskollegen als guten Mitarbeiter bezeichneten. Auch sein Vorgesetzter kannte ihn zuvor schon mehrere Jahre lang und stellte ihn schliesslich ein, um eine neue Niederlassung in Burgdorf zu eröffnen. Der Staatsanwalt stellte in den Raum, der Mann habe mit dem Geld seine Spielschulden begleichen wollen. Auch dazu gab es keine Antwort – dafür eine Empfehlung des Richters, sich professionelle Hilfe zu holen.

Der Tag vor Schranken brachte für den Angeklagten aber auch einen Freispruch. Denn er war noch wegen eines anderen Punktes angeklagt. Sein Lohn sollte gepfändet werden. Doch das Schreiben an die Firma fing er laut Anklageschrift gleich selbst ab, so dass im Unternehmen lange niemand von dieser Lohnpfändung wusste. Dies hatte zur Konsequenz, dass ihn weiterhin der gesamte Lohn ausbezahlt wurde. Doch auch dies flog auf. Einen Freispruch gab es, weil der Mann aufgrund seiner Position innerhalb der Firma nicht für diesen Zwischenfall verantwortlich gemacht werden konnte. Was aber nicht heisst, dass er die Tat nicht begangen hat.

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So hat hallowil.ch im Vorfeld berichtet:

Der Angeklagte begann am 1. Januar 2016 bei der Wiler Firma als Chefmonteur zu arbeiten. Und schon zwei Monate später soll er mit den krummen Geschäften angefangen haben. Er war auf verschiedenen Baustellen des Landes tätig und befugt, Installationsmaterial selbständig auf die Baustellen zu bestellen oder dieses bei den Grosshändlern abzuholen. Genau das soll er schonungslos ausgenutzt haben, wenn man der Staatsanwaltschaft Glauben schenken darf.

Dem Mann wird vorgeworfen, dass es bei 150 der 435 Bestellungen zu Abweichungen zwischen dem Soll-Betrag und dem Ist-Betrag gekommen sei. Demnach bestellte der Angeklagte vor allem Elektromaterial, welches dann gar nicht für die Baustellen seines Arbeitgebers eingesetzt werden sollte. Im genannten Zeitraum kam ein Betrag von gut 119'000 Franken zusammen. Dieses Geld bezahlte sein Arbeitgeber. Nachdem der Angeklagte das Material entweder selbst verwendet oder an Dritte weiterverkauft hatte, gab es einen schönen Betrag in den eigenen Sack.

Pfändung-Androhungen abgefangen?

Das ist aber noch alles und dem Mann wird noch etwas anderes zur Last gelegt. Das Betreibungsamt hat zu Beginn des Jahres 2017 eine Anzeige betreffend eine Lohnpfändung des Beschuldigten an dessen Wiler Firma geschickt. Doch der Chefmonteur nahm das Schreiben selbständig entgegen und leitete es intern nicht weiter. Gleiches tat er bei einem nächsten Schreiben. Die internen Stellen wussten also nichts von dieser Lohnpfändung und zahlten ihm weiterhin den vollen Lohn aus. Die Sache flog auf, als die Pfändungsgläubiger des Beschuldigten ermächtigt wurden, das ausstehende Geld bei der Firma einzutreiben.

Am kommenden Dienstag muss sich der Mann vor dem Kreisgericht Wil in Flawil verantworten. Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten. Zudem sei er zu einer Busse von 2500 Franken zu verurteilten. Bis zu einer allfälligen rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.