«Sing A New Song» ist einerseits ein Titel von Ronald Staheli, geboren in den USA. Andererseits war es der Titel des vielseitigen und hochstehenden Chorkonzerts in Niederbüren vor voller Kirche. Der geistliche Titel ist ein Gang durch die Musikgeschichte, der bei der einstimmigen Gregorianik beginnt und beim mehrstimmen Jazz endet. Den Gang durch verschiedene Zeitepochen und Stile gab es auch durch das ganze Programm hindurch. Angefangen bei Felix Mendelssohn über Pjotr Iljitsch Tschaikowsk und den zeitgenössischen John Rutter bis zu Schweizer Liebesliedern. Ein irisches Segenslied rundete das reichhaltige Konzert ab. Es gab viel anerkennenden Applaus.

Mendelssohn legte Teppich

Peter Leu, Organist in Schaffhauser, eröffnete das Konzert mit der Orgelsonate op. 65 Nr. 5 D-Dur in drei Sätzen von Felix Mendelssohn. Die beiden ersten Sätze sind einfach und gemächlich schreitend geschrieben, so, als ob die Unruhe des umtriebigen Menschen zuerst besänftigt werden müsste, um sich ganz auf den Moment und die Musik einlassen zu können. Beim dritten Satz scheint das Ziel erreicht zu sein und die Musik wird überraschend jubelnd, festlich und motivreich. Es war gleichsam der Übergang zum «Jauchzet dem Herrn, alle Welt» vom gleichen Komponisten, gesungen vom Fürstenland Chor Gossau. Das war für die Zuhörenden der Einstieg in die Faszination Stimme. Die 45 Sängerinnen und Sänger sangen a-cappella, so dass erfahrbar wurde, was einen ausgezeichneten Chor ausmacht: Ausgeglichene Stimmen, ein harmonischer Klang, eine klare Artikulation, ein schönes Deutsch.

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Peter Leu an der Orgel. Er unterrichtet Musiktheorie an der Hochschule Luzern.


Von Gesang umhüllt

Auf der Empore hatten sich die Schaffhauser aufgestellt und von dort herab sangen sie «Denn er hat seinen Engeln befohlen». Die hohen Sopranstimmen vermittelten das Engelhafte. Damit verabschiedete sich Mendelssohn. Zwei weitere Lieder sangen die Chöre je unten und oben einem Gespräch ähnlich im Wechsel, um sich dann zusammenzufinden. Die Konzertbesuchenden waren von Klang umhüllt und mit in diese stimmliche Energie hineingenommen. Feine Töne und kraftvolle waren stets sorgfältig geführt. Guido Helbling hatte das Programm in Blöcke eingeteilt und moderierte gleich selber. Der Anfang war sakral gefärbt, dann sangen die Gossauer «The Lord Bless You And Keep You» vom zeitgenössischen John Rutter, um den die heutige Kirchenmusik kaum herum kommt, und dann Jazziges mit «Laudate Nomen» von Carlyle Sharpe. Hier markierte vor allem das Klavier den modernen Stil, gespielt von Gregory Wicki, einem vielseitigen Musiker aus Schaffhausen.


In perfektem Romanisch

Im weiteren Programm sangen beide Chöre gemeinsam in unterschiedlichen Stilen und Sprachen. Darunter das russische Vater unser «Otce Nas» von Tschaikowsky. Einen weiteren Block übernahm der Konzertchor Schaffhausen, teilweise mit einer ausgezeichnete Solistin. Es gab spannende Wechsel von Rhythmen und Stilen, dynamisch ausgefeilte Vorträge, grosse zusammenhängende Bogen und alles mit grosser Innigkeit gesungen. Der beseelte Gesang war beiden Chören eigen. Im letzten Block wurde es weltlich. Fast ein Muss für die Schaffhauser war das «Munotglöggli» - ohne jegliche Begleitung gesungen. Es gab schweizerdeutsche Liebeslieder und der romanische «Hit» von Gion Balzer Casanova, «La sera sper il lag». Und alle Achtung, das Romanisch war perfekt.