Auch wenn in letzter Zeit noch ältere Zeitzeugen aufgetaucht sind, so wird doch der 16. Juni 819 als wichtiges Datum für die Gemeinde angesehen und nun auch gefeiert. Unter dem Titel „Alt ist nicht kalt“ hat Andreas Giger, Doktor der Sozialwissenschaften und Philosoph aus Wald im Kanton Appenzell Ausserrhoden, einen sorgfältig recherchierten Dorfkrimi geschaffen. Er ist mit den hier aufgewachsenen René Baer und Heini Weber-Weber im vergangenen Sommer durch die Gemeinde flaniert, hat bei einer einheimischen Person übernachtet und sich so in das Dorfgefühl so richtig eingelebt. Später hat er auf eigene Faust, nur von einer Fotografin begleitet, einen Rundgang um den Bettenauer Weiher gemacht und sich dort nach einem geeigneten Sujet für seinen Krimi umgesehen.

Aussergewöhnliche Erscheinung

Giger erfuhr von einem seiner Gesprächspartner, dass er gleich zu Beginn seines kurzen Aufenthaltes in Oberuzwil argwöhnisch beobachtet worden sei. Seiner Frau sei nämlich ein doch ziemlich „schräger Vogel“ aufgefallen, der so komisch um die Katharinen-Kapelle im Dorfzentrum herumgeschlichen sei und dabei dauern geknipst habe. Was der wohl gewollt habe? Giger schmunzelte, als er das erzählte.

Ja, der Mann trug auf seiner Erkundungstour halt auch keinen normalen „Tschopen“, sondern einen langen Mantel mit rotem Schottenkaro. Das sieht man eben in Oberuzwil nicht jeden Tag. Und einen, der die Nase überall hineinstreckt, den schaut man sich sowieso besser genauer an.


Mehr als ein Werbegeschenk

Angefangen hat das Ganze mit den Krimis im Jahr 2011, als er zu seinem 60. Geburtstag auch gleich 60 Gäste einlud. Als Gastgeschenk bekamen diese einen Appenzellerkäse-Krimi. Das war als einmalige Sache gedacht. Doch auf verschlungenen Wegen kam das Werk irgendwann auf den Tisch des Direktors der Sortenorganisation Appenzeller Käse. Am 11.11. des Jahres 2011 bestellte dieser darauf ein paar Tausend Exemplare und verschenkte das Büchlein an gute Kunden als eine Art Werbegeschenk. Damit begann die Ära der Appenzeller Krimis von Andreas Giger.

In Herisau wünschte sich beispielsweise eine Lampenfirma so einen Krimi. Das Büchlein heisst "Heller im Keller" und verbindet die Firmengeschichte mit einer erfundenen Handlung. Unterdessen hat Giger seine Fühler auch über die Kantonsgrenzen hinaus ausgestreckt. Und nun also, nach 23 kriminellen Geschichten, eine solche in Oberuzwil verfasst.

Giger versteht sich auch als Zukunftsforscher, macht sich viele Gedanken zu Werten, die die Gesellschaft zusammenhalten, und bietet dazu Seminare und Vorträge an. Unter den Stichworten „Appenzellerkrimi“ und „Gigerheimat“ findet man dazu auf seiner Homepage allerlei Wissenswertes.

Lesestunde am Donnerstag

Von Anfang an war klar, dass der Krimi auch für die Oberstufe als Lektüre taugen sollte. Es war deshalb von vornherein klar, dass die Geschichte erstens nicht zu gewalttätig und zweitens sprachlich ausgefeilt sein müsse. Dabei spannte die Donnerstags-Gesellschaft eng mit dem Organisationskomitee des Jubiläums zusammen.

Am Donnerstag, 14. Februar, um 19.30 Uhr wird Andreas Giger aus seinem Buch vorlesen. Wie gerüchteweise zu hören ist, soll es im Umfeld der Donnerstags-Gesellschaft zu undurchsichtigen Machenschaften gekommen sein. Man darf gespannt sein, was sich in Gigers Fantasie wohl Unsauberes im Dorf Oberuzwil zugetragen hat.


Buch auf der Gemeindekanzlei erhältlich

Andreas Giger merkt zu seiner Zeit im Dorf an: „In Oberuzwil habe ich während meiner Recherche-Phase alles gefunden, was ich für einen guten Lokal-Krimi brauche. Nämlich interessante und hilfsbereite Gesprächspartner jeden Alters, spannende Geschichten, anregende Schauplätze und nicht zuletzt die Gastfreundschaft bei einer privaten Person im Dorf." Danach habe er die Herausforderung angenommen, eine Geschichte zu entwickeln, die einerseits dem Dorfjubiläum Rechnung trägt, andererseits aber auch ganz speziell die junge Generation ansprechen soll. "Die Story ergab sich weitgehend von selbst. Sie niederzuschreiben katapultierte mich oft in einen Flow-Zustand. Einige kleinere sachliche Fehler, die Lokalexperten aufgefallen sind, musste ich noch ändern. Ansonsten ist der Text bei en Auftraggebern gut angekommen“, sagt Giger. 

Davon kann man sich am 14. Februar nun persönlich überzeugen. Ab dem 15. Februar kann das Buch auf dem Büro der Gemeindekanzlei sowie an den Jubiläumsanlässen gekauft werden.