hallowil.ch: Herr Lumpert, seit 15 Jahren vermarktet der Verein «Idée Wil» das Wiler Bier. Sind Sie als Präsident stolz?
Ja, klar! Als unser Stammtisch den Verein vor 15 Jahren gegründet hat, haben wir nicht darüber nachgedacht, wie viele Jahre wir durchhalten werden. Unser Bestehen in den letzten Jahren bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mittlerweile haben wir eine gewisse Produktevielfalt und bereits einen Relaunch hinter uns. Wir dürfen also auf die Wiler Bierkultur, die wir mit «Idée Wil» vermarkten und unterstützen möchten, stolz sein.

hallowil.ch: Sie haben also nicht damit gerechnet, dass ihre Vermarktung des Wiler Biers so gut ankommen wird?
Wir haben uns ehrlich gesagt, nie Gedanken darüber gemacht. Wir sind ziemlich unbedarft an das ganze Vorhaben herangegangen. In erster Linie lag es uns am Herzen, etwas für die Bierkultur der Stadt zu tun. Nach der Vereinsgründung wollten wir zuerst einfach mal probieren und sehen, wie unsere Idee ankommt. Unser grosses Glück war, dass wir von Anfang an tolle Partner hatten. Und dank ihnen lebt das Wiler Bier. Das Zusammenspiel von der Produktion sowie Vertrieb unserer Partner und unserem Vermarktungskonzept ist ideal, denn wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen. In den vergangenen Jahren haben wir nicht nur unsere Produktepalette erweitert, sondern auch unser Marketingkonzept erweitert.

hallowil.ch: Was waren die wichtigsten und grössten Meilensteine in den vergangenen 15 Jahren?
Die offizielle Übergabe im Jahr 2004 als als wir von den Verantwortlichen das Jubiläumsbier, das Thurbobräu, übernehmen durften. Mit diesem Schritt konnten wir der Region Wil ihre Bier-Geschichte zurückgeben. Damals wussten wir nicht, wie das Thurbobräu ausserhalb des Jubiläumsjahres ankommen würde. Die Resonanz war glücklicherweise sehr hoch. Ein weiterer Meilenstein war der Relaunch des ganzen Auftritts – schliesslich haben wir etwas drei Jahre darangearbeitet: Nachdem wir Schritt für Schritt unsere Produktepalette erweitert haben, war nach einem Gespräch mit der Brauerei klar, dass wir uns ein neue Bild geben müssen. Heute haben wir eine einheitliche Ettikette für das Thurbobräu und das Hofdunkel. Der Wiler Bär sorgt für einen Wiedererkennungswert.

hallowil.ch: Man darf nicht vergessen, die «Idée Wil»-Mitglieder setzen sich in ihrer Freizeit für das Wiler Bier ein. In dieser Arbeit steckt also sehr viel Leidenschaft? 
Selbstverständlich. Vor der Vereinsgründung haben einige Stammtischfreunde und ich uns früher regelmässig getroffen und sind zum folgenden Entschluss gekommen: Eine Stadt wie Wil ist ohne eigenes Bier keine Stadt. Denn im Jahr 1982 wurde im «Hof zu Wil» das letzte Mal Bier gebraut worden. Unser Stammtisch wollte einfach wieder ein Wiler Bier haben. Von der Illusion, das die Stadt eine eigene Brauerei besitzen wird, haben wir uns sehr schnell verabschiedet. Das wäre dann eine Nummer zu gross gewesen. Einerseits weil wir kein Know-How besitzen und andererseits nicht aus Branche kommen. Also gab es für uns nur ein Konzept: Für die Produktion und den Vertrieb haben wir Partner und wir acht Vorstandsmitglieder nutzen unser Netzwerk für die Vermarktung.

hallowil.ch: Wissen die Wiler das Bier aus lokaler Biergerste zu schätzen? 
Heute haben wir 750 Bier-Aktionäre, die unseren Verein und das Wiler Bier unterstützen. Die Wiler lieben ihr Bier. Unsere jährliche Generalversammlung, die immer am Tag des Schweizer Biers stattfindet, ist mittlerweile ein gesellschaftlicher Anlass.

hallowil.ch: Thurbobräu ist das Flaggschiff Ihrer Produktepalette. Wird dieses Bier auch am meisten getrunken? 
Definitiv, ja! Etwa 80 Prozent der verkauften Flaschen ist Turbobräu.

 
Seit ihrer Ladeneröffnung im Jahr 2013 bieten Conny und Christof Widmer das Wiler Bier in ihrem Sortiment an. Im Interview erzählen sie, warum sie den Verkauf des Thurbobräu und Hofdunkel unterstützen. (Videobeitrag: Magdalena Ceak)

Neben dem Thurbobräu und dem Hofdunkel bieten Sie auch den Single Malt Wil Baron und den Bierlikör Baronesse an. Warum wollten Sie auch Spirituosen auf den Markt bringen?
Unser Verein ist ein Marktplatz für Produkte aus der Region. Die Idee mit dem Whisky ist entstanden, weil der Grundrohstoff auch Gerste ist. Als sich die Bierprodukte auf dem Markt positioniert haben, wollten wir noch etwas im Spirituosen-Bereich machen. Wir wollten eine ähnliche Partnerschaft wie mit der Sonnenbräu AG in Rebstein aufbauen. Deshalb haben wir nach einem erfahrenen Destillateur gesucht und mit der Säntisblick Destillerie von Bruno Eschmann in Niederbüren einen erfahrenen Partner gefunden. Eschmann hat uns nicht nur als Brenner überzeugt, sondern auch als Obstbauer. Ein inneres Bauchgefühl hat uns gesagt, dass wir mit ihm zusammenarbeiten sollen.

hallowil.ch: Sie haben Ihren Partnern sehr viel Vertrauen entgegengebracht.
Ja, aber stellen Sie sich vor, welches Vertrauen die Brauerei und Destillerie uns geschenkt haben. Da sind einige junge Männer, die keine Ahnung von der Bier- und Whiskyproduktion haben, auf sie zugekommen und wollten neue Produkte auf den Markt bringen. Aber der Bier-Patron der Sonnenbräu AG hat vor 15 Jahren unsere Business-Idee kritisch beleuchtet, auseinandergenommen und hat uns schlussendlich sein vertrauen geschenkt. In diesem Sinne: Wir können auch nur Vertrauen haben, wenn man uns ebenfalls Vertrauen gibt.

hallowil.ch: Macht sich der Verein schon Gedanken über den Nachwuchs? 
Natürlich ist das ein Thema in unserem Verein. Wir müssen uns gezielt Gedanken über die Zukunft machen. Wir thematisieren eine Neuausrichtung regelmässig. Denn ein Stillstand bedeutet auch Rückschritt. Der Schritt nach vorne wird es irgendwann auch im Vorstand geben. Unser aktuelle Vorstand hat den Grundstein für alle gelegt. Die Generation, die nach uns kommt, wird es noch besser machen. Aber der nachfolgenden Generation muss klar sein, dass diese Vereinsarbeit sehr aufwendig ist. Unser Vorstand mit Willi Aurich, Silvan Bingesser, Armin Bernhardsgrütter, Cornel Eisenring, Daniel Franzen, Sandro Nussberber und Martin Rütti machen in ihrer Freizeit sehr viel für «Idee Wil». 

hallowil.ch: Wie soll die Zukunft von «Idée Wil» aussehen?
Wir werden uns auf den Lorbeeren ausruhen (lacht). Nein Spass, wir haben das Visuelle komplett neu aufgebaut. Wir haben einen Marktplatz für Produkte aus der Region geschaffen. Nun soll die bestehende Produktepalette weiterausgebaut werden.

hallowil.ch: Es werden also neue Produkte dazukommen? 
Ja, es ist aber alles noch nicht spruchreif. Das neue Produkt, das eine Idee von einem Partner war, wird dann an unserer GV am 26. April präsentiert.

hallowil.ch: Wird das Wiler Bier eines Tages wieder in Wil gebraut? 
Die Sonnenbräu AG in Rebstein hat eine langjährige Erfahrung in der Verarbeitung von Schweizer Braugerste. Die Zusammenarbeit mit der Sonnenbräu hat bisher einwandfrei funktioniert und wir begegnen uns auf Augenhöhe. Wir haben eine gute Partnerschaft und Bindung. Aus diesem Grunde sehe ich keinen Sinn darin, diese Partnerschaft zu beenden. Und keiner unserer Vorstandsmitglieder sieht sich in Zukunft als Chef einer Brauerein in der Zukunft.