Wenn du auf dem Nollen wohnst, brauchst du sowieso ein Auto. Würde man meinen. Doch weit gefehlt. 180 der rund 450 Bewohner des Nollen-Dorfes Hosenruck sind unzufrieden mit der Busverbindung nach Wil und haben Unterschriften als Unmutsbekundungen gesammelt. Der Fahrplan ist so konzipiert, dass am Bahnknoten Wil genau vier Minuten Zeit fürs Umsteigen auf den Schnellzug Richtung Zürich bleiben. Im besten Fall erreicht man diesen schnellen Schrittes. Im schlechteren Fall verpasst man ihn, da der Bus im Stau rund um den Schwanen-Kreisel stecken bleibt.

Selbst die offizielle SBB-App gibt bei einer Fahrplanabfrage neben jener Verbindung mit vier Minuten Umsteigezeit eine Alternativ-Variante an, mit welcher man alles in allem über 20 Minuten mehr Zeit braucht bis nach Zürich. Kommt hinzu, dass es in Fahrtrichtung St. Gallen nicht besser aussieht. Der Bus aus Hosenruck und Wuppenau erreicht den Bahnhof Wil genau vier Minuten nach der Abfahrt des Schnellzuges Richtung Kantonshauptstadt. Die Wartezeit in Wil beträgt beinahe 20 Minuten, die Reisezeit von Hosenruck nach St. Gallen über eine Stunde. Da braucht es schon einen ziemlich grünen Daumen, um nicht das Auto zu nehmen.

Seit diesem Jahr wieder in der Regio Wil

Die Hosenrucker fordern nun mit ihren Unterschriften, dass beim kommenden Fahrplanwechsel im Dezember Anpassungen vorgenommen werden. Dem Wuppenauer Gemeinderat ist das Problem nicht neu. Er schreibt im aktuellen Mitteilungsblatt: «Es ist in Fachkreisen übereinstimmend bekannt, dass ideale Umsteigezeiten Bus-Zug in Wil sieben Minuten sind. Dies, damit kleinere Verspätungen, verursacht durch die angespannte Verkehrssituation in Wil, aufgefangen werden.»

Ein Problem: Wuppenau war seit dem Bezirkswechsel von «Münchwilen» zu «Weinfelden» im Jahr 2011 nicht mehr Teil des Vereins Regio Wil, welche das Thema Regionalverkehr politisch eng begleitet. Seit diesem Jahr hat sich dies geändert und der Wuppenauer Gemeinderat ist als Gast wieder in der entsprechenden Arbeitsgruppe vertreten. «Mit vereinten Kräften ringt man nach Lösungen, um die zugespitzte und anspruchsvolle Situation des ÖV der Region Wil stetig zu optimieren», schreibt der Gemeinderat. Bis Ende August werden erste Resultate für den Fahrplan 2020 erwartet.