Vor 111 Jahren wurde die Musikgesellschaft Bichwil gegründet. Damals war so ein Verein noch eine reine Männersache. So waren auch mindestens die ersten drei Präsidenten des Vereins immer die Bichwiler Pfarrherren. Schliesslich sollte auch in diesem Verein „Zucht und Ordnung“ herrschen. Zudem waren Pfarrer meist die gebildetsten Leute in einem Dorf, wenn es etwa galt, einen Jahresbericht zu schreiben. Üblicherweise übernahm dazu etwa ein Lehrer den Dirigentenstab oder dann bestimmt im Vorstand das Aktuariat. Damals galten noch strenge Regeln für die Art der Musik, die eine „Musig“ spielen durfte. Märsche und Polkas beherrschten das Feld.

Quer durch alle Musikstile

Heute haben ganz verschiedene Stilrichtungen Einzug in das Repertoire eines Musikcorps gehalten. Begann das diesjährige Programm noch mit einer rassigen Fanfare namens „Fanfare Exuberante“, gefolgt von einem zünftigen Marsch, erklangen danach unterschiedliche Rhythmen und Tonfolgen. Wie immer durfte auch ein Konzertstück nicht fehlen. Diesmal war dies „Towards to Western Horizon“. 

Dieses Stück erinnert an die Leistung der Firma „Morse Street“, welche quer durch den Atlantik durch Techniker eine Leitung legen liess, damit Nachrichten in Morseschrift über den Ozean geschickt werden konnten. In der Komposition sind sowohl Bezüge zur grenzenlosen Weite des Atlantiks als auch solche zur irischen Heimat vieler dieser Ausgewanderten zu hören. Hier konnte Dirigent Dominik Eugster alle Register seiner musikalischen Gestaltungskraft ziehen. Wie immer zeigte er ruhig und klar an, wie er eine Passage gespielt haben wollte, was gerade in diesem Stück bei den teilweise doch recht lange gleichförmig zu spielenden Sequenzen ganz wichtig war, damit das Ganze nicht zerfaserte. 

Jugendensemble BEJEBO

Auf den ersten Blick schien das Ensemble der jungen Musizierenden seit vergangenen Jahr stark geschrumpft zu sein. Zudem stand eine reine Buben- und Jünglingsgruppe in der Halle hinten auf dem Bühnenaufbau. Die Flötenstimmen musste man sich allerdings vorstellen, hiess es. Doch sowohl Präsident Leo Neuländner als auch Jugend-Ensemble-Leiter Marco D’Incau machten Hoffnung, dass sich das wieder ändere. Die Musikschule Jonschwil-Oberuzwil werde vermehrt mit den jungen Musikbegeisterten des Jugendensembles Bichwil-Oberuzwil zusammenspielen. Darum auch der noch etwas steif wirkende Name JEBOJO (Jugend-Ensemble Bichwil-Oberuzwil-Jonschwil). Ausserdem habe man in Bichwil eine Bläserklasse eröffnen können. 

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Die Flötenstimme fehlte, doch die jungen Burschen zeigten unter der Leitung von Marco D'Incau eine tolle Leistung. 

Die Gruppe spielte drei unterschiedliche Stücke, als Erstes Java, ein rassiges Stück mit einem schon ganz professionellen Abschluss. Dazu zwei weitere asiatisch angehauchte Stücke. Man hörte gut, dass hier tüchtig geübt worden war. Natürlich wurde danach heftig für eine Zugabe geklatscht.

Worte des Dirigenten

Dominik Eugster ergriff erst ganz am Schluss selber das Wort. Nun dirigiere er bereits seit zehn Jahren die MGBO und noch immer gebe es Leute in der Gegend, die fänden: „Was, so ein junger Dirigent.“ So ganz unrecht haben diese jedoch gar nicht. Denn tatsächlich wirkt der Mann auch jetzt ganz jugendlich. Wenn er allerdings den Taktstock in die Hand nimmt, dann spielt das Alter keine Rolle mehr. Eugster wies auf das gute Verhältnis im Verein hin, welches darauf beruhe, dass man sich „gegenseitig Sorge trägt“. Das ist auch bei allen Auftritten der MGBO gut zu spüren. Harmonie untereinander erzeugt auch solche Klänge, wenn auch hie und da ein schräger Ton für eine Laienmusik durchaus dazu gehört. Zum guten Klima tragen aber alle bei, im Besonderen auch Präsident Leo Neuländner. 

Humorvolle Rahmenhandlung

Vor Jahren wurde damit angefangen, rund um die Musikvorträge eine zusätzliche Ebene einzubauen und in kurzen humorvollen Einschüben zwischen den Musikvorträgen die Lachmuskeln zu strapazieren. Diesmal durchstöberten Milena Sutter und Dominik Staubli das Archiv der MGBO und brachten manche Kuriosität ans Tageslicht. Dabei erfuhr das Publikum allerlei aus der langen Geschichte des Traditionsvereins, ohne dass dies zu einer verstaubten Geschichtslektion verkommen wäre. 

So hatte Dominik plötzlich eine steinalte Uniform an, allerdings noch nicht so richtig figurbetont geschneidert wie die heutige. Als sich die beiden Forscher in den Sechzigerjahren aufhielten, stand plötzlich ein Hippie vor ihnen, mitten in einer riesigen „Hanfwolke“, die auch entsprechend stank. Auch sonst kam allerlei ans Tageslicht. Dabei durften auch kleine Sticheleien zwischen den beiden nicht fehlen. Doch es gab auch Seitenhiebe gegen den engagierten Präsidenten. Milena meinte zu Dominik – im Hinblick auf dessen Rednertalent - einmal etwas süffisant: „Leo kann das besser als du. Der hört sich eben gern selber reden.“ Worauf Eugsters kleiner Sohn unverzüglich laut herauslacht - wenn auch vermutlich über etwas ganz Anderes... Dieses Lachen steckte auch das Publikum an.

Saalwette

  • Vor der Pause kündigte Präsident Leo Neuländner die Saalwette an. Anlässlich des 111-Jahr-Jubiläums hatten die Programmverantwortlichen alle ehemaligen Mitglieder des Vereins zum Mitspielen der Slavonicka-Polka eingeladen. Nun sollte auf ein Zettelchen das Gesamtalter aller auf der Bühne stehenden Mitwirkenden geschätzt werden. Eine knifflige Aufgabe, die manche mit ernstem Gesicht und viel rechnerischem Aufwand zu lösen versuchten. Andere schrieben einfach eine Zahl hin. Ganz knapp vor Mitternacht kam die Auflösung: Alle auf der Bühne stehenden Personen zählten gemeinsam exakt 3279 Jahre. 

Hinter den Kulissen

Ohne eine passende Beleuchtung ist so ein Unterhaltungsabend undenkbar. Aber auch der Service muss bei so einem Anlass klappen. Ohne all diese Helfer und Helferinnen im Hintergrund undenkbar, nicht durchzuführen. All dies sprach der Vereinspräsident in seinen Dankesworten auch an. Nach dem offiziellen Teil spielte die junge Kapelle Alpstein zum Tanz auf. Nach der auch diesmal mit Spannung erwarteten Mitternachtsüberraschung – ein humorvolles Versprechen, „immer und ewig zu proben“ zu den mächtigen Klängen des HALLELUJA aus Händels „Messias“ - lichteten sich die Reihen dann allerdings rasch.