Die FC Wil 1900 AG kämpfte auch in der Phase zwischen dem 1. Juli 2018 und dem 30. Juni 2019 mit Liquiditätsproblemen. Wie die Verantwortlichen im Aktionärsbrief ausführen, befindet man sich noch immer in – vor allem finanziell – intensiven Zeiten. Die Liquidität des Vereins ist ungenügend. «Wir sind weiterhin auf jeden Franken angewiesen. Unser grosses Ziel ist, dass wir unsere Lieferanten immer pünktlich bezahlen können. Das haben wir leider verfehlt. Wir sind weiterhin auf den Goodwill unserer Lieferanten angewiesen», führt Geschäftsführer Benjamin Fust aus. Dies lässt bei manchen die Alarmglocken schrillen. Denn gerade die Zahlungsfähigkeit, also die Liquidität, ist ein wichtiger Faktor zum Erhalt der Spielberechtigung von der Swiss Football League. Fust sagt: «Man muss sich keine Sorgen um den Erhalt der Lizenz zu machen. Der FC Wil wird diese neuerlich erhalten. Denn die vorliegenden Zahlen stammen vom 30.06.2019. Und in der Zwischenzeit wurden diverse Sponsoringgelder aktiviert.»

Strukturelles Defizit aus Türken-Ära

Die finanzielle Schieflage entstammt noch der Ära unter der Führung der türkischen Investoren, welche im Frühjahr 2017 abrupt endete. Auf der Lohnliste des Vereins befinden sich weiterhin diverse Spieler, welche schon lange nicht mehr das Wiler Vereinswappen auf der Brust tragen, aber überdurchschnittlich hohe Löhne für Challenge-League-Verhältnisse einfordern. Dazu kommt, dass die Personalkosten im Vergleich zur Vorsaison nicht gesenkt werden konnten. «Es ist ein schwieriger Spagat zwischen finanziellen und sportlichen Zielen. Wir brauchen ein erfolgreiches Team, das wenig kostet», sagt Fust.

Ein weiterer Faktor, welcher auf die Liquidität drückt, ist, dass in der vergangenen Transferperiode weniger Transfer-Einnahmen generiert werden konnten als im Vorjahr – nur noch rund 475'000 Franken statt wie in der Saison davor 812'000 Franken. Lediglich für Verteidiger Nikki Havenaar, der zum FC Thun in die Super League wechselte, konnte eine grössere Ablösesumme generiert werden. Dazu kam eine Solidaritätszahlung aus der englischen Premier League vom FC Newcastle. Durch den Verbandswechsel von Fabian Schär, der vom spanischen in den englischen Verband wechselte, wurde diese Zahlung fällig.

Im Video: Maurice Weber zu den Finanzen

 
Der Verwaltungsratspräsident der FC Wil 1900 AG erklärt, warum er trotz der Finanzspritz positiv in die Zukunft blickt.

Die Sache mit den Zuschauerzahlen

«Um diese Defizite auszugleichen haben mehrere vereinsnahe Personen einen Sanierungszuschuss in Höhe von rund einer Million Franken privat geleistet», erklärt Benjamin Fust den gemachten Schritt zur weiteren Gesundung des Vereins. Wer es war, wird nicht kommuniziert. Zudem sollen in den kommenden Monaten die Personalkosten der ersten Mannschaft sinken. Denn viele der Verträge mit Spielern, die nicht mehr zum Kader des FC Wil gehören, laufen aus – spätestens im Herbst 2020. Rémi Gomis, der dem Vernehmen nach einst 50'000 Franken pro Monat verdient haben soll, drückt gemäss hallowil.ch-Informationen am schwersten auf das Portemonnaie.

Um weitere Gelder zu generieren, möchte die Vereinsführung mehr Zuschauer an die Heimspiele locken. Mit diversen Aktionen wird versucht, das Vertrauen des Wiler Publikums wiederzuerlangen. So gibt es zum Beispiel beim letzten Heimspiel des Jahres gegen Winterthur bereits zum zweiten Mal in diesem Herbst halbierte Eintrittspreise und ein Street-Food-Festival vor dem Stadion. An der GV wurde bereits eine Steigerung der Zuschauerzahlen in den bisherigen Heimspielen vermeldet. Dieser Besucheranstieg kann jedoch zu einem guten Teil auf das Spiel gegen die Grashoppers reduziert werden. Dieser Partie wohnten fast 4000 Zuschauer bei – viele aus Zürich. Ganz grundsätzlich stagnieren aber die Zuschauerzahlen auf tiefem Niveau.

IGP bleibt trotz Vertragsende noch präsent

Eine weitere wichtige Finanzierungsmassnahme ist, dass der Verein einen neuen Naming-Right-Sponsor für das Bergholz findet. Der Vertrag mit dem aktuellen Vermarktungspartner IGP läuft Ende 2019 aus. Nach sechsjähriger Zusammenarbeit hat das Unternehmen den Vertrag vorzeitig gekündigt und von einer Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht. IGP zahlte während sechs Jahren je 120'000 Franken pro Jahr für die Stadionmiete und Amortisationskosten. Dieser Betrag wurde von der IGP direkt an die Stadt Wil überwiesen, da sie die Eigentümerin des Sportpark Bergholz ist.

Der künftige Naming-Right-Partner soll laut Fust einen leicht höheren Fixbetrag an den Verein entrichten. «Dieses Geld fliesst weiterhin zur Stadt und wird dann nach einem Schlüssel an die WISPAG und den FC Wil verteilt», sagt der Geschäftsführer des FC Wil. Ein Partner wurde aber noch nicht gefunden, trotz Beizug von Agenturen. Man stecke in Verhandlungen. Festzuhalten ist jedoch, dass das Stadion auch im neuen Jahr noch IGP-Arena heissen wird. Erst im Verlauf des Jahres 2020 – oder wenn ein neue Namensgeber gefunden ist – werden die Schriftzüge angepasst.

Verwaltungsrat wird aufgestockt

Ex-Präsident Roger Bigger fragt an der Generalversammlung nach, ob bei diesen Zahlen ein Budget von rund 2,7 Millionen Franken realistisch sei. Nachfolger Weber antwortet: "Wir kämpfen seit Februar 2017 mit den Verträgen, welche die Türken gemacht haben. Wir hatten damals 46 Spieler unter Vertrag. Wir mussten 3,15 Millionen Franken an Gelder organisieren, um dies zu stemmen." Weber ergänzt: "Wenn wir das abgearbeitet haben, werden wir mit einem gesunden Budget in die Zukunft gehen."

Um diese Ziele zu erreichen, wird auch der Verwaltungsrat aufgestockt. Neu wurde Oliver Baumgartner einstimmig in das Führungsgremium gewählt. Der Wiler Unternehmer wird vor allem sein Wissen im Bereich Marketing mit der FC Wil 1900 AG teilen. Sein Fachwissen soll helfen, die gesteckten Ziele des Vereins zu erreichen – beispielsweise die Stadionauslastung zu erhöhen. Baumgartner ist in der Stadt bestens bekannt als Präsident der Wiler Fastnachtsgesellschaft FGW. Ergänzend zum neu vierköpfigen Gremium, wird nach einer weiteren starken Person für den Verwaltungsrat gesucht. Zukünftig möchte man wieder mit fünf Verwaltungsräten agieren, welche den Verein gemeinsam auf gesunde Beine stellen sollen. 

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Nach der FGW der FCW: Fastnachts-Präsident Oliver Baumgartner ist neu auch Verwaltungsrat der FC Wil 1900 AG.

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Liveticker von der GV:

19.55 Uhr: Nach nicht einmal einer Stunde - und das hat Tradition - wird die GV bereits geschlossen. Ich danke für das Interesse an diesem Ticker. Den nächsten gibt es dann am Samstag ab 17.30 Uhr aus der Innerschweiz vom letzten Auswärtsspiel des Jahres gegen den SC Kriens. Bis bald auf hallowil.ch.

19.51 Uhr: Die allgemeine Umfrage wird nicht genutzt. Scheinbar haben alle Hunger. Noch einige Daten: Trainingsstart ist am 6. Januar. Ein Trainingslager im Ausland sei nicht geplant. Man mache was in der Schweiz, sagt Weber.

19.49 Uhr: Dann noch was Personelles: Der Verwaltungsrat wird von drei auf vier Mitgliedern erhöht. Neuer VR ist Oliver Baumgartner, den man in der Stadt bestens kennt als Präsident der Fastnachts-Gesellschaft FGW. Dieses Amt müsse er nun aufgeben, scherzt Präsident Weber. Baumgartner wird mit viel Applaus gewählt. Das Ziel sei, den Verwaltungsrat auf fünf Mitglieder aufzustocken. Man sei aber noch auf der Suche nach der fünften Person.

19.45 Uhr: Fast einstimmig wird die Jahresrechnung genehmigt - ohne weitere Wortmeldungen zuvor. Der Mini-Gewinn wird auf die nächste Rechnung vorgetragen. Wie bereits erwähnt: Das positive Eigenkapital beträgt nun gut 192'000 Franken.

19.43 Uhr: Weber führt in einem einigermassen emotionalen Statement weiter aus: "Der Buchwert der Spieler war fast bei Null, als wir begonnen haben. Heute liegt er bei rund sieben Millionen Franken. Wir müssen nun den letzten Schritt machen. Dann sieht es gut aus." Auch dafür gibt es Applaus.

19.40 Uhr: Ex-Präsident Roger Bigger fragt, ob bei diesen Zahlen ein Budget von rund 2,7 Millionen Franken realistisch sei. Nachfolger Weber antwortet: "Wir kämpfen seit Februar 2017 mit den Verträgen, welche die Türken gemacht haben. Wir hatten damals 46 Spieler unter Vertrag. Wir mussten 3,15 Millionen Franken an Gelder organisieren, um dies zu stemmen." Weber ergänzt: "Wenn wir das abgearbeitet haben, werden wir mit einem gesunden Budget in die Zukunft gehen."

19.38 Uhr: "Die Situation zu unseren Lieferanten ist unbefriedigend. Wir können unseren Verpflichtungen nicht immer pünktlich nachkommen. Das liegt uns auf dem Magen", sagt Sammer. Schon vor Jahresfrist hatte er das sagen müssen. "Wir sind weiterhin am Kämpfen. Jeder Franken wird genau angeschaut. Wir wollen unsere Situation verbessern, dass die Lieferanten schneller zu ihrem Geld kommen. Wir haben die Notfallstation des Spitals verlassen, brauchen aber noch Hilfe. Das Wichtigste ist aber, dass das Eigenkapital gedeckt ist", sagt Sammer. Dieses steht bei 192'000 Franken.

19.35 Uhr: Etwas genauer hingeblickt: Die Transfer-Einnahmen wurden beinahe halbiert - von rund 812'000 Franken auf etwa 475'000 Franken. "Wir hatten verschiedene Transfer-Anfragen. Es kam aber nicht zu Abschlüssen", sagt Sammer. Auch die Altlasten der Türken-Ära sind noch nicht vom Tisch. Noch immer sind gewisse Verträge aus jener Zeit laufend. "Am 30.6.2020 endet aber der letzte der langjährigen Verträge aus jener Zeit", so Sammer weiter. 

19.33 Uhr: Jetzt aber die Finanzen. Finanzchef Mischa Sammer präsentiert einen Mini-Gewinn von 330 Franken. Ja, tatsächlich: Dreihundert und dreissig Franken Gewinn. Dieser wurde aber nur möglich, weil eine Million Frankene eingeschossen wurde. Woher das Geld kommt, wird nicht genannt. Es dürfte sich um mehrere dem Verein nahestehende Personen handeln.

19.27 Uhr: Nur kurz geht Fust auf die Logo-Thematik ein. Bis Weihnachten werde ein FC-Wil-Emblem am Stadion angebracht sein. Da hatte es ja eine Posse gegeben, nachdem der zuständige Stadtrat, Daniel Stutz, dem FC Wil verbieten wollte, das Logo anzubringen. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann schritt ein und brachte die Streithöhne an einen Tisch. Die Sache ist mittlerweile ausdiskutiert.

19.24 Uhr: Dann äussert sich Fust zum aktuellen Stand betreffend Naming-Right-Partner. Bis heute habe man noch keinen Partner gefunden, trotz diverser Gespräche. Hintergrund: IGP - seit sechs Jahren Namensgeber des gesamten Sportparks Bergholz - hat den Vertrag per Jahresende 2019 gekündet. Die Firma nutzt eine Ausstiegsklausel, um schon nach sechs statt zehn Jahren das Namensrecht wieder abzugeben.

19.20 Uhr: Weiter geht es mit dem Geschäftsbericht. Zu diesem äussert sich Geschäftsführer Benjamin Fust. Finanziell seien die Zeiten weiterhin "intensiv". Sportlich spiele man einen erfrischenden Offensiv-Fussball. Die Baustellen der Türken-Ära seien noch nicht vollständig abgebaut, aber minimiert worden. Fust spricht auch den unbefriedigenden Zuschauerschnitt an. Dieser lag in der vergangenen Saison bei nicht einmal 1200 Fans. 

19.14 Uhr: "Wir wollen der Ausbildungsverein schlechthin der Schweiz sein und vorbehaltslos auf die Jungen setzen", sagt Weber. Dafür gibt es ein erstes Mal Applaus aus der Runde. Und weiter: "Wir spielen in dieser Saison mit einer verstärkten Junioren-Mannschaft in der Challenge League. Was ihr abruft, ist top", sagt Weber in Richtung versammelte erste Mannschaft.

19.10 Uhr: Nach einem einleitenden Video mit einigen Highlights sowie der Wahl der Stimmenzähler geht es nun wirklich los. Als erstes äussert sich Weber zum sportlichen Bereich. Behandelt wird heute ja die Saison 2018/2019. Im Oktober 2018 sei man Leader gewesen nach 11 Runden. Dann fiel man aber zurück. Im April habe es den Trainerwechsel von Konrad Fünfstück zu Ciriaco Sforza gegeben, um dem neuen Trainer-Staff Vorlaufzeit für die nächste Saison zu geben.

19.03 Uhr: Los geht es mit einer Trauerminute für Beni Burtscher (war einst Verwaltungsrat) und Albert Frieder (war Beirat). Die beiden treuen Seelen sind diesen Herbst überraschend verstorben. Auch wir schweigen.

19.02 Uhr: So, Verwaltungsratspräsident Maurice Weber eröffnet die Generalversammlung. "Fast pünktlich", wie er sagt. Wie wahr.

18.59 Uhr: Noch werden einige Stühle in den Raum gestellt, während vorne auf der "Bühne" gescherzt wird. Bleibt es bei der guten Stimmung? Gleich geht es los.

18.55 Uhr: Wie immer im Dezember legt der FC Wil Rechenschaft über die vergangenen Saison ab. Dabei werden einmal mehr Zahlen publik. Wir sind gespannt. In diesem Sinne: Herzlich willkommen aus dem VIP-Raum der IGP-Arena zur Generalversammlung der FC Wil 1900 AG. Simon Dudle tickert für Sie durch den Abend.

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Vorschau auf die GV:

«Wir müssen jeden Franken zweimal umdrehen.» Das ist eine häufig gehörte und leicht ausweichende Aussage von FC-Wil-Präsident Maurice Weber, wenn man ihn auf die finanzielle Situation anspricht. Doch einmal im Jahr kommt der Moment, an welchem die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres im Rahmen der Generalversammlung offengelegt werden. Heute Mittwochabend ist es wieder soweit. Es geht dabei um das Geschäftsjahr 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019, also um die vergangene Challenge-League-Saison.

Wie immer stehen dabei die Zahlen im Fokus. Gibt es einen Gewinn oder einen Verlust? Bleibt die FC Wil 1900 AG schuldenfrei? Bereits klar ist, dass das Ergebnis des Vorjahres nicht übertroffen wird. Der buchhalterische Gewinn betrug damals rund 18,5 Millionen Franken. Dies war möglich, weil die ehemaligen türkischen Investoren zugesichert hatten, auf das in den FC Wil investierte Geld definitiv zu verzichten.