Am 10. November hatten sie Sirnacher an der Urne einen Zusatzkredit zur Aufwertung der Umfahrungsstrasse Spange Hofen wuchtig bachab geschickt. 61 Prozent der Stimmbürger waren dagegen, nach knapp 3,4 Millionen Franken im Jahr 2015 nun weitere knapp 1,2 Millionen Franken zu sprechen. Wichtigster Punkt dabei war die Aufwertung des kleinen Kreisels am Schnittpunkt der Winterthurerstrasse mit dem Autobahnzubringer Q20.

Gerade einmal 37 Tage später ist die Sanierung eben dieses Kreisels bereits wieder aktuell geworden. Und zwar an der Gemeindeversammlung von Sirnach von Dienstagabend. Roger Piberauer brachte im Namen der örtlichen FDP das Thema erneut aufs Tapet. Er stellte den Antrag, dass der Projektkredit für diesen Kreisel an der nächsten Gemeindeversammlung im Mai 2020 zur Abstimmung gebracht wird. Da die Planung im Vorfeld der November-Abstimmung schon Auflage-reif durchgeführt worden war, lässt sich bereits sagen, dass eine Sanierung die Gemeinde und somit deren Steuerzahler rund 600'000 Franken kosten würde. Und siehe da: mit 65:27-Stimmen wurde dieses Vorhaben für erheblich erklärt. Im Mai wird somit erneut darüber befunden, ob der Kreisel doch noch erneuert wird.

Tiefe Beteiligungen

Doch warm die Kehrtwende? Bei der Abstimmung im November war es nicht nur um den Kreisel gegangen. Auch diverse Massnahmen rund um die neue Umfahrungsstrasse Spange Hofen waren in die Abstimmungsvorlage eingeflochten. Das klare Abstimmungs-Ergebnis von Dienstagabend ist nun so zu deuten, dass viele Sirnacher die Aufwertung des Kreisels wünschen, weitere Massnahmen aber nicht. Allerdings waren nur gerade 2,6 Prozent aller Stimmbürger an der Versammlung dabei. Bei der Abstimmung im November hatten sich immerhin 25,4 Prozent beteiligt, was allerdings immer noch einem tiefen Wert entspricht.

So ist also durchaus möglich, dass die Sirnacher im kommenden Mai eine zusätzliche Ausgabe von 600'000 Franken gutheissen, obwohl die Investitionen in den kommenden Jahren den Gemeindehaushalt schon spürbar belasten. Allein zwölf Millionen Franken soll die neue Sirnacher Dreifachturnhalle Birkenweg kosten. Es ist die grösste Investition der kommenden Jahre. Da weitere dazukommen, wird das Eigenkapital laut Finanzplan von heute über elf Millionen auf etwa sechs Millionen sinken, dafür die Nettoschuld pro Einwohner bis im Jahr 2024 auf über 4000 Franken steigen. Dies sorgte an der Gemeindeversammlung für Diskussionen – und einen Antrag von Stimmbürger Heinz Hugentobler. Er schlug vor, den Steuerfuss hinsichtlich des kommenden Jahres um fünf Prozentpunkte auf 155 Prozent zu erhöhen. Er war mit dieser Meinung allerdings allein, wie die Abstimmung zeigte. Eine Steuerfusserhöhung dürfte aber trotzdem ins Haus stehen. Dann nämlich, wenn die Dreifachturnhalle auch wirklich gebaut wird. Auf welches Niveau der Steuerfuss steigt und wann die Erhöhung Tatsache wird, steht noch nicht fest.

Baumann seit 20 Jahren Sirnacher Gemeindepräsident

Kein Erfolg beschieden war dem Antrag von Hedwig Schär, die eine Einführung der Grünabfuhr während der Wintermonate forderte. Der Souverän stimmte dem Budget für das Jahr 2020 schliesslich einstimmig zu. Dieses sieht einen kleinen Verlust von rund 364'000 Franken vor. Zudem wusste Gemeindepräsident Kurt Baumann mit der erfreulichen Nachricht aufzuwarten, dass es für das Jahr 2019 keinen Verlust absetzen wird, obwohl das Budget ein Defizit von rund 833'000 Franken prognostiziert hatte. Die Steuereinnahmen fallen deutlich höher aus als erwartet.

Apropos Kurt Baumann: Dieser stand am Ende der Versammlung im Fokus. Nicht, weil er momentan als Kantonsratspräsident höchster Thurgauer ist. Sondern weil er seit mittlerweile 20 Jahren der Gemeinde Sirnach vorsteht – und somit bereits fünf Legislaturen hinter sich hat. Grund genug, nach der Gemeindeversammlung einen Apéro zu veranstalten, obwohl das Volk einen solchen vor ein paar Jahren abgeschafft hatte.

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2o Jahre Gemeindeammann und -präsident: Kurt Baumann (rechts) freut sich mit Vize-Gemeindepräsident Samuel Mäder. (Bild: Simon Dudle)