Noch vier Spitäler in St. Gallen, Wil, Uznach und Grabs soll es ab dem Jahr 2028 geben. Die heutigen Spitäler in Flawil, Wattwil, Walenstadt, Altstätten und Rorschach sollen zu Notfallstationen «zurückgefahren» werden. Nachdem sich die Standortgemeinde Wattwil schon am Tag des Bekanntwerdens dieser Pläne mehr als nur kritisch geäussert hatte, setzt sich nun auch der Flawiler Gemeinderat ein weiteres Mal zur wehr. Das neue Modell, welches die Regierung unter dem Titel «4 plus 5» laufen lässt, kommt aus Flawiler Sicht einer Schliessung des «eigenen» Spitals gleich. Das Modell wird von der Flawiler Behörde darum mit «4 plus 0» umschreiben.

«Die Regierung macht es sich viel zu einfach», so der Gemeinderat. Die Bevölkerung des Kantons St. Gallen sei medizinisch unterschiedlich versorgt. Deshalb braucht es individuelle Lösungen. Wattwil habe als Zentrum des Toggenburgs ganz andere Bedürfnisse als Rorschach. Oder in Walenstadt seien die Versorgungsstrukturen nahe am Kanton Graubünden wiederum ganz anders als in Altstätten. «Auch für Flawil muss eine passende Lösung gefunden werden. Es ist bezeichnend, dass die untaugliche Standardlösung der Regierung weder mit den Hausärzten der Region noch mit den Verantwortlichen des Wohn- und Pflegeheims abgesprochen ist», schreibt der Gemeinderat.

«Fataler Irrtum»

Die Regierung argumentiert, mit der Umstrukturierung in Flawil solle das Spital Wil gestärkt werden. Für den Gemeinderat Flawil ist das «ein fataler Irrtum». Er erinnert sich an die Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Flawil vor 15 Jahren. Auch damals habe man damit gerechnet, dass die Geburten in Wil entsprechend zunehmen werden. Dem sei aber nicht so gewesen. Das wird bei einer Schliessung des Spitals Flawil nicht anders sein. «Die Patientinnen der Region Uzwil-Flawil-Gossau werden sich nach St.Gallen oder in Privatspitäler orientieren, aber kaum nach Wil», schreibt der Gemeinderat.

Zusammenarbeit mit Privatklinik nicht vom Tisch

In den vergangenen Monaten hat die Flawiler Behörde zusammen mit der Privatklinikgruppe Swiss Medical Network (SMN) eine Lösung für das Spital Flawil entwickelt. In die Erarbeitung des Konzepts waren auch Hausärzte der ganzen Region sowie die Verantwortlichen des Wohn- und Pflegeheims eingebunden. Doch die Regierung des Kantons St.Gallen hat das Angebot ausgeschlagen. Sie befürchtet, dass dem Spital Wil die Patienten fehlen. «Dabei könnte die Flawiler Spitalliegenschaft gewinnbringend an SMN verkauft werden und würde nicht jahrelang leer stehen. Ausserdem könnte in Wil wohl mindestens auf einen Teil der dort geplanten Investitionen verzichtet werden», so der Gemeinderat.

Swiss Medical Network, das zweitgrösste Netzwerk von Privatspitälern in der Schweiz, will laut der Flawiler Behörde in Flawil ein Angebot vor allem für ältere allgemein versicherte Patienten schaffen. In Zusammenarbeit mit den Hausärzten sowie dem Wohn- und Pflegeheim soll rund die Hälfte der heute knapp 80 Spitalbetten für die Akutpflege beibehalten werden. Weitere rund 20 Betten würden als Reha- beziehungsweise Geriatriebetten genutzt. Und ein Teil der Zimmer würde spezialisierten Ärzten zur Verfügung stehen – alles ergänzt mit einer Notfallstation. «Das Angebot von Swiss Medical Network ist überzeugend», so der Gemeinderat. Für ihn ist ein Verkauf noch nicht vom Tisch. (rkf/red)