Die Regionalparteien Wil von FDP, CVP und BDP möchten der Kreditvorlage für die Sanierung des Theaters St. Gallen gemeinsam zum Erfolg verhelfen. An einem Informationsanlass im evangelischen Kirchgemeindezentrum Wil stellte Regierungsrat Marc Mächler, Vorsteher des kantonalen Baudepartementes, das Sanierungsprojekt vor und unterstrich dessen Dringlichkeit. Die nötigen 48,6 Millionen Franken seien in Anbetracht der Bedeutung des Theaters und im Vergleich zu Projekten ähnlicher Häuser gerechtfertigt.Das Stadttheater St. Gallen ist in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut worden. 2010 ist es im Rahmen der Neuregelung der kulturellen Aufgaben zwischen dem Kanton und den Regionen durch den Kanton St. Gallen übernommen worden. Der Kantonsrat hat die nun vorgesehene Erneuerung mit Um- und Ausbau als notwendig erachtet und den Kredit von 48,6 Millionen Franken mit 83 gegen 19 Stimmen gutgeheissen. Weil die SVP das Ratsreferendum ergriffen hat, kommt die Vorlage am 4. März vors Volk.

Grosser baulicher Bedarf
Es steht einiges nicht zum Besten am und im Gebäude des Hauses, das weit über die Region hinaus einen guten Ruf geniesst. Die Betonfassaden weisen Risse auf. Die Glas-Metall-Fassade ist mit Asbest belastet und entspricht nicht mehr den energetischen Vorgaben. Die Haupteingangstüren sind undicht. Die aus der Bauzeit stammenden Haustechnikanlagen sind überholt. Die Bodenheizung im Foyer, verrostete Wasserleitungen und überfüllte Kabeltrassen bedürfen einer Erneuerung. Der Brandschutz verlangt eine nicht brennbare Saaldecke. Die Personenlifte müssen modernisiert, der Warenlift ersetzt werden.

Betriebliche Verbesserungen
Neben der baulichen Erneuerung sind auch betriebliche Verbesserungen notwendig. Die Raumzuteilungen verstossen zum Teil gegen den Arbeitnehmerschutz. Es gibt Arbeitsplätze ohne Tageslicht. Garderoben und sanitäre Einrichtungen sind nicht geschlechtergetrennt. Die abgenutzte Bestuhlung muss erneuert, Raumklima und Akustik müssen verbessert werden. Künstlergarderoben und Maskenräume sind zu klein. Das Bühnenbildlager und der Ballettsaal sind zu niedrig. Die innere Verdichtung ist ausgereizt.

Neben der Sanierung der angeführten Mängel ist eine Erweiterung um 750 Quadratmeter vorgesehen. Vor allem für Künstlergarderoben und Maskenräume ergibt sich zusätzlicher Raumbedarf. Auch die Kantine muss vergrössert werden.

Zwei Jahre in Provisorium
Die Bauzeit wird zwei Jahre dauern. In dieser Zeit können weder über 500 Fest- und Teilzeitangestellte auf die Strasse gestellt, noch der Kulturbetrieb auf Eis gelegt werden. Der Betrieb soll in einem Provisorium weitergeführt werden. Das hiefür notwendige Gebäude soll für 4,5 Millionen Franken zwischen dem Kunstmuseum und dem Völkerkundemuseum gebaut werden. Es wird nach dem Bezug des erneuerten Theaters wieder abgerissen werden.

Neubau würde erheblich teurer
Ein Neubau würde nach Angabe von Regierungsrat Marc Mächler mehr als doppelt oder sogar dreimal so teuer wie die Sanierung. Ein Nein am 4. März hätte nur vordergründig eine Kosteneinsparung von fast 50 Millionen Franken zur Folge. Dringende Bau- und Sanierungsmassnahmen müssten trotzdem umgesetzt werden. Mehrjährige Teilsanierungen wären in der Summe wohl teurer als eine Gesamtsanierung. Durch die damit verbundenen Einschränkungen könnte das Theater ausserdem an Attraktivität und einen Teil der jährlichen 150'000 Besucher verlieren.

Solidarität ist gefragt
Mit rund 260 Festangestellten und zirka 300 Teilverpflichteten ist das Theater St. Gallen nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein wirtschaftliches Unternehmen von Bedeutung. Fast 50 Millionen Franken für die Erneuerung des Hauses sind viel Geld. Die grosse Mehrheit der Kantonsparlamentarier hat den Betrag aber als angemessen betrachtet. Bei einem Ja am 4. März kann 2020 mit der Sanierung begonnen und das erneuerte Theater 2022 bezogen werden.

Alle Parteien, mit Ausnahme der SVP, setzen sich für eine Annahme der Vorlage ein. Noch bleibt ein guter Monat Zeit, die Stimmberechtigten zu überzeugen. Vor allem muss ein möglicherweise vorhandener Stadt-Land-Graben überwunden werden. Dass das Theater – obwohl in der Kantonshauptstadt angesiedelt – im Ringkanton St. Gallen peripher liegt, schränkt seine Ausstrahlung nicht ein. Die Frage, warum ein Pfäferser der Theatervorlage zustimmen solle, beantwortete Marc Mächler mit der Gegenfrage: «Warum soll ein Stadtsanktgaller eine 58 Millionen Franken teure Brücke über die Taminaschlucht gutheissen?»

Es gibt Vorlagen, und die Theater-Sanierung gehört dazu, die vom Stimmbürger verlangen, dass er über den eigenen Tellerrand hinaussieht.