«So darf und kann es nicht weitergehen.» Felix Sennhauser, Verwaltungsratsratspräsident der St. Galler Spitäler, wählte deutliche Worte, als er die Ergebnisse des vergangenen Jahres präsentierte. 20,3 Millionen Franken hoch ist der Verlust aller St. Galler Spitäler. Das sind über 16 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Erstmals überhaupt haben alle vier Spitalregionen ein negatives Ergebnis erwirtschaftet. Rund zwei Drittel dieser 20,3 Millionen machen die Spitäler von Wil, Wattwil und Flawil aus, nämlich 13 Millionen.

Den grössten Fehlbetrag der drei Spitäler im Grossraum Wil musste jenes von Flawil, welches zum Kantonsspital St. Gallen gehört, mit 7,3 Millionen Franken hinnehmen. «Die Nachfrage an den Aussenstandorten Flawil und Rorschach ist sinkend», sagt Daniel Germann, CEO des Kantonsspitals St. Gallen. Da auch Rorschach einen Verlust von 6,1 Millionen Franken machte, reichte der Gewinn von 11,5 Millionen Franken am Standort St. Gallen nicht aus, um wie 2018 ein positives Ergebnis für diese Spitalregion St. Gallen zu generieren.

Mehr Personen behandelt

Ähnlich wie im Vorjahr sieht es bei der Spitalregion Fürstenland Toggenburg aus, zu der die Spitäler Wil und Wattwil gehören. Der Fehlbetrag von 5,7 Millionen Franken ist um rund 300'000 Franken tiefer als im 2018 – und um rund eine Million Franken weniger hoch als erwartet. Auch wenn die genauen Zahlen für die beiden Standorte noch nicht vorliegen, so läuft es darauf hinaus, dass der Verlust in Wattwil bei etwa 4,1 Millionen Franken geblieben ist, während er in Wil etwas weniger hoch als die letztjährigen 1,9 Millionen Franken ausfallen dürfte.

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René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg, sieht trotz des neuerlichen Verlustes nicht nur Negatives.

Positiv: Es konnten in Wil und Wattwil mehr ambulante Besuche verzeichnet werden und die 50’000-Personen-Grenze wurde dieses Mal geknackt. Dies hat positive Folgen auf den Ertrag. Die Konzentration der Operationen auf den Standort Wil ab November 2019 habe sich ebenfalls positiv ausgewirkt. Trotz unsicherer Lage konnte die Anzahl abrechenbarer Austritte zudem leicht erhöht werden – um deren 11 auf 8190.

Das Loch soll noch tiefer werden

Aber es bleibt für Wil und Wattwil halt doch ein Verlust von 5,7 Millionen Franken. René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT), sagt zu hallowil.ch: «Wir haben schwierige Rahmenbedingungen und einen tiefen Anteil an Zusatzversicherten. Zudem schlagen die Vorbehalte-Leistungen bei kleineren Spitälern überproportional zu buche.» Fiechter ergänzt, dass man im ambulanten Bereich seit Langem keine kostendeckenden Tarife mehr habe und im stationären Bereich der Schweregrad zurückgehend sei. Dies habe negative Folgen auf die Finanzen. Für das laufende Jahr wird gar mit einem Verlust von 8,3 Millionen Franken gerechnet.

Werden keine Massnahmen getroffen, erwartet der Verwaltungsrat für den ganzen Kanton künftig Jahr für Jahr einen Verlust zwischen knapp 33 Millionen und rund 60 Millionen Franken. Somit wäre voraussichtlich im Jahr 2028 das Eigenkapital aufgebraucht. Für Verwaltungsratspräident Sennhauser ist deshalb klar, dass etwas geschehen muss und es die vorgeschlagene «4 plus 5»-Reform braucht. Will heissen: Spitäler in Wil, St. Gallen, Uznach und Grabs sowie Notfallstationen in Wattwil, Flawil, Rorschach, Altstätten und Walenstadt. Somit könne der Turnaround geschafft werden.

Als nächstes ist der Kantonsrat an der Reihe, der voraussichtlich im Rahmen seiner April-Session über die Spital-Strategie beraten wird.

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Liveticker zum Jahresabschluss 2019 der St. Galler Spitäler:

10.39 Uhr: Das soll es gewesen sein von diesem Liveticker. Vilen Dank für das Interesse und bis bald auf hallowil.ch.

10.38 Uhr: Das war ein kurzer "Chutt". Keine weiteren Fragen der Journalisten im Plenum. Felix Sennhauser schliesst somit den offiziellen Teil der Medienkonferenz.

10.36 Uhr: Nun sind die Journalisten am Zug. Erste Frage: Warum wurde die Medien-Info vorgezogen? Heute beginnt ja die Februar-Session des Kantonsrats. "Die Politik hat ein Anrecht auf aktuelle Daten", sagt Sennhauser.

10.35 Uhr: Schlusswort von Sennhauser: "Das Erkennen der Krise ist die Chance für die Zukunft. Auch ein langer Weg beginnt mit einem ersten Schritt."

10.33 Uhr: Sennhauser wiederholt: "Mit der Strukturreform 4 plus 5 kann die medizinisch-fachliche und finanzielle Gesundung der kantonalen Versorgung nachhaltig gelingen."

10.31 Uhr: "Mit einer neuen Struktur 4 plus 5 bringen wir ab 2024 ein positives Ergebnis hin und eine vernünftige Ebitda-Marge ab 2028. Es brauche nun rasch eine Veränderung. Würde bedeuten: Spitäler noch in Wil, St. Gallen, Grabs und Uznach. Aus den Spitälern Flawil, Wattwil, Walenstadt, Rorschach und Altstätten würden Notfallzentren.

10.29 Uhr: Für das nächste Jahr wird ein Gesamtverlust von 35 Millionen Franken erwartet. "Eine Riesen-Sorge", sagt Sennhauser. Und es wird nicht besser. Im Jahr 2028 soll das eigene Eigenkapital erstmals negativ sein. "So darf und kann es nicht weitergehen", sagt Sennhauser.

10.25 Uhr: Verwaltungsratspräsident Felix Sennhauser fasst nun zusammen: Das Gruppenergebnis beträgt minus 20,3 Millionen Franken. Das ist deutlich schlechter als im Vorjahr. Die Ebitda-Marge beträgt nur 3,6 Prozent. Um die eigene Vorgabe von 10 Prozent zu erreichen, fehlen 82 Millionen Franken. "In allen vier Verbunden gehen die Ergebnisse zurück. Erstmals haben alle vier Verbunde negativ abgeschlossen. Und für 2020 sind die Aussichten noch trüber", sagt Sennhauser. "Das ist für die Betriebe eine grosse Belastung. Man bemüht sich und macht, was man kann. Aber man kommt nicht auf einen grünen Zweig."

10.22 Uhr: Zu den einzelnen Standorten: Wattwil dürfte rund 4,1 Millionen Franken Verlust schreiben im Jahr 2019, Wil wohl weniger als 2 Millionen Franken. Die genauen Zahlen liegen noch nicht vor. Die stationären Frequenzen sind in etwa gleich geblieben. Es wurden sogar leicht mehr Patienten behandelt. Für das laufende Jahr wird ein Verlust von 8,3 Millionen Franken erwartet.

10.19 Uhr: Nun wird es für uns Wiler interessant. René Fiehter, spricht für die Spitalregion Fürstenland Toggenburg mit den Spitälern Wil und Wattwil. "Eine Millionen besser als budgetiert", sagt Fiechter. Der Verlust beträgt aber doch rund 5,7 Millionen Franken.

10.17 Uhr: Nun hat Peter Werder das Wort, der neue CEO des Spital Linth. Seit zwei Wochen ist er im Amt und muss als Kaltstart gerade mal einen Verlust von 8,5 Millionen Franken bekanntgeben. Budgetiert für 2020 ist ein "Loch" von knapp 7 Millionen Franken.

10.09 Uhr: Nun spricht Stefan Lichtensteiger für die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland. Dort resultierte ein Verlust von 4,2 Millionen Franken. Das Budget für 2019 war ausgeglichen gewesen. Die einzelnen Standort-Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Frequenzen sind zurückgegangen. Auch hier wird für 2020 ein Verlust von rund 10 Millionen für das laufende Jahr prognostiziert.

10.03 Uhr: Daniel Germann ist nun dran. Er erklärt das Ergebnis der Spitalregion 1, zu der neben dem Kantonsspital St. Gallen auch das Spital Flawil gehört. Gesamthaft gibt es einen Verlust von 1,9 Millionen Franken. In Flawil hat ein Verlust von 7,3 Millionen Franken resultiert. Auch Rorschach ist mit 6,1 Millionen deutlich Rot. Das Kantonsspital St. Gallen hingegen weist ein Plus von 11,5 Millionen auf. Germann sagt: "Die Nachfrage an den Aussenstandorten Flawil und Rorschach ist sinkend", sagt Germann. Für das laufende Jahr wird ein Verlust von 10 Millionen Franken prognostiziert. Hoppla.

10.00 Uhr: So, pünktlich geht der offizielle Teil los. Felix Sennhauser, Verwaltungsratspräsident der St. Galler Spitäler, eröffnet die Medienkonferenz - und erklärt die Spital-Situation im Kanton mit seinen vier Spitalregionen und neun Spitälern.

9.58 Uhr: Die Medienunterlagen liegen schon auf den Tisch. So viel mal vorweg: Der Verlust des SRFT beläuft sich auf 5,7 Millionen Franken - eine Million weniger als budgetiert. Für 2020 ist ein Verlust von 8,3 Millionen budgetiert. Mehr dazu dann gleich.

9.52 Uh: Wir richten in diesem Ticker den Fokus auf die Spitalregion Fürstenland Toggenburg und das Spital Flawil, so denn zu diesem (es gehört zur Spitalregion St. Gallen) überhaupt konkrete Zahlen genannt werden. Natürlich werden wir auch einen Blick auf das grosse Ganze haben. 

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Das Bild passt ganz gut: Die St. Galler Spitallandschaft ist aktuell eine Baustelle. (Bild: Josef Bischof)

9.50Uhr: Schwarz? Rot? Oder tiefrot? Dies wird in den nächsten Minuten beantwortet und bezieht sich auf die Frage, wie der Jahresabschluss der St. Galler Spitäler und der Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) im Speziellen aussieht. Im Vorjahr war es bei der SRFT ein Verlust von über sechs Millionen Franken. Und 2019? Herzlich willkommen zum grossen Zahlen-Wälzen. Simon Dudle tickert für sie durch die Medienkonferenz, welche im Haus 11 des Kantonsspitals St. Gallen stattfindet und um 10 Uhr beginnt.

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Vorschau:

Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg hat im  Jahr 2018 ein Minus von gut sechs Millionen Franken eingefahren. An der letztjährigen Pressekonferenz zu den Abschlüssen der St. Galler Spitäler sprach René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) mit den beiden Spitälern in Wil und Wattwil «alarmierenden Zahlen». Alarmierend darum, weil der Verlust damals mehr als viermal höher ausgefallen war als erwartet. 6,034 Millionen Franken gross war der Fehlbetrag im Jahr 2018 – statt der budgetierten 1,334 Millionen Franken. 

Doch wie sieht es mit dem Jahr 2019 aus? Wie hat die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg (SRFT) abgeschlossen? Wird es wieder ein deutlicher Verlust wie im Vorjahr? hallowil.ch wird heute ab 10 Uhr mit einem Liveticker über die Pressekonferenz zu den Jahresabschlüssen der St. Galler Spitäler berichten. (red)