Gemeindepräsident Matthias Küng stellte im Gemeindezentrum Aadorf die anstehenden Sanierungsarbeiten am Bahnhof Aadorf vor. Einig waren sich die Teilnehmenden über das Bild, welches der heutige Bahnhof abgibt. Der Status Quo ist alles andere als eine Visitenkarte für ein modernes Aadorf.

Behindertengleichstellungsgesetz als Treiber

Am 1. Januar 2004 trat das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) in Kraft. Darin enthalten sind die Vorschriften über die Gestaltung von Bahnhöfen, Haltestellen, Fahrzeugen und Flugplätzen, um ein behindertengerechtes öffentliches Verkehrsnetz zu gewährleisten. Für Bauten und Anlagen sieht das BehiG eine Anpassungsfrist von 20 Jahren vor. Die Perrons des Aadorfer Bahnhofs haben die SBB bereits in diesem Jahr saniert. Rund sechs Millionen Franken haben sie dafür investiert. Im Jahr 2022 sollen die Umgebung des Bahnhofs und der Busbahnhof saniert werden. Nicht weniger als 180 Veloabstellplätze möglichst nahe am Bahnhof sollen gemäss den SBB erstellt werden. Auch bei der Rampe, der Treppe, beim Dach und der Beleuchtung pochen die SBB auf deren Vorgaben bezüglich eines schweizweit einheitlichen Auftritts. Die Gemeinde sieht in ihren Plänen 278 Veloabstellplätze vor. Matthias Küng sieht darin ein deutliches Zeichen für die Zukunft.

Landabtausch und Neubau

Die heutige Situation der Grundstückflächen macht eine sinnvolle Bebauung und Nutzung für keine der drei Parteien möglich. Die Gemeinde Aadorf hat daher einem Landabtausch zwischen der SBB und dem Besitzer des Restaurants Barone, Enver Jashari, zugestimmt. Die neu entstandene Parzelle ermöglicht es Enver Jashari, einen Neubau zu erstellen. Im Gegenzug gewährt er den SBB und der Gemeinde das Nutzungsrecht, eine sogenannte Dienstbarkeit, für die öffentlichen Toiletten, die Veloabstellplätze sowie die Arkaden im Wartebereich der Postautohaltestelle. Legt die Bevölkerung am 28. November ein Ja in die Urne, so wird voraussichtlich noch ein Jahr bis zum Baubeginn vergehen. Die reine Bauzeit wird mindestens ein weiteres Jahr dauern, so dass der Umbau wohl erst 2024 abgeschlossen sein wird.

Fahrverbot, Sicherheit und Verkehrsverlagerung

Das Projekt sieht im Bereich der Bushaltestellen ein generelles Fahrverbot vor. Die Zufahrt zum Kiosk und den Parkplätzen bleibt jedoch bestehen. Die Park&Ride Parkplätze werden in Zukunft nur noch über die Güterstrasse beim Migros erreichbar sein. Dies wird unbestritten eine Verlagerung des Verkehrs zur Folge haben. Allerdings erhöht sich die Sicherheit für die Fussgänger im Bereich des Bahnhofzugangs. Mehr Sicherheit wird es auch im Bereich der Parkplätze des Restaurants Barone geben. Die heutigen Parkplätze führen immer wieder zu kritischen Situationen, weil die Autofahrer rückwärts in die Bahnhofstrasse fahren und dabei auch noch das Trottoir überqueren müssen. Neu werden die Parkplätze im überdachten Erdgeschoss des neuen Gebäudes zu stehen kommen. Die Zu- und Wegfahrt erfolgt über eine Einfahrt, so dass sich die Autofahrer beim Verlassen des Parkplatzes vorwärts in den Verkehr einordnen können.

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Visualsierung: Bushof Blickrichtung Ost


Aufteilung der Kosten

Die Infrastruktur, welche zum Bahnhof gehört, wird zu Lasten der SBB saniert. Dazu gehören die Perronerhöhung, das Bahnhofsgebäude, die Treppe und Rampe, das WC-Gebäude, der Kiosk sowie die Signaletik. Der behindertengerechte Zugang zu den Anlagen sowie die Strasseninfrastruktur, der Busbahnhof, die Wendeschlaufen, Veloabstellplätze und -unterstand sowie Parkplätze gehen zu Lasten der Gemeinde Aadorf. Die Kosten für diese Arbeiten belaufen sich nach heutiger Berechnung auf 2,9 Millionen Franken. Das Bahnhofsgebäude ist im Besitz der SBB und kein Bestandteil des Projektes. Matthias Küng ist sich bewusst, dass die Gemeinde etwas mehr macht, als es der Gesetzgeber grundsätzlich verlangt. Aber er ist überzeugt, dass Aadorf und die Bevölkerung einen solchen Bahnhof verdienen. Seine Begeisterung über das Projekt brachte nicht zuletzt sein leicht illusorischer Gedanke zum Ausdruck, dass vielleicht in Zukunft auch einmal ein Intercity in Aadorf hält. Die nächste Informationsveranstaltung der Gemeinde Aadorf findet am Donnerstag, 7. Oktober, 19.30 Uhr im Grossen Saal statt. Dann wird es um die Revision Ortsplanung gehen, über die ebenfalls am 28. November abgestimmt wird.
Andreas Marti

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