Eine win-win-Situation sei es, nicht nur für die unmittelbar Beteiligten, sondern vorallem auch für die Gemeinde und deren Bewohner, so Aadorfs Gemeindepräsident Matthias Küng anlässlich der Medienkonferenz vom 1. Juni im Gemeindehaus. Seine Aussage untermauerte er gewohnt fachkompetent, knackig, leicht verständlich und souverän mit schlagkräftigen und überzeugenden Argumenten und stellte damit auch gleich klar, warum die Stimmbürger im November keinen Grund haben sollten, den benötigten Kredit abzulehnen. Die rein gesetzlich vorgeschriebenen baulichen Massnahmen an den Perrons wurden von der SBB bereits vorschriftsmässig für rund fünf Millionen Franken umgesetzt, einzig die Überdachung der Rampe sowie der Ersatz beziehungsweise die Erneuerung dreier Hochleuchten fehlt noch. Ein wesentlich grösseres und ambitionierteres Vorhaben stellen die Anforderungen an die Gemeinde dar. 180 Veloabstellplätze sind da gefordert, ebenso, dass die bis anhin zu steile und mit einem unpraktischen U-Turn versehene Rampe begradigt und verflacht werde.

Die Visitenkarte einer Gemeinde

Die grösste Herausforderung in planerischer Hinsicht stellten die 180 geforderten Fahrrad-Parkplätze dar. Mit den bisherigen Land-Besitz-Verhältnissen waren diese für die Gemeinde, auch in Kooperation mit der SBB, kaum realisierbar. Gleichzeitig verfügt Barone-Besitzer Enver Jashari über Restaurant-Parkplätze, deren Ein- und Ausfahrt-Situation zur Bahnhofstrasse hin, insbesondere im stark frequentierten Berufsverkehr, beinahe als prekär bezeichnet werden kann. In diversen konspirativen Gesprächen zwischen Gemeinde, SBB und Jashari kristallisierte sich deutlich heraus, dass ein Landabtausch die einzig sinnvolle und weiterführende Lösung ist. So treten SBB und die Gemeinde Aadorf einen Teil ihrer Parzellen unterhalb des Barone Parkplatzes an Enver Jashari ab, im Gegenzug plant dieser einen Neubau, der sowohl deutlich mehr als die benötigten Velo-Abstellplätze, nämlich 278 an der Zahl, als auch einen begehbaren Bahnhofkiosk und sicherere Restaurant Parkplätze beinhaltet. Dazu kommen zehn Mietwohnungen, sechs 3.5 Zimmer und vier 2.5 Zimmer, in den oberen Geschossen der Überbauung, ein Raumangebot, das der beliebten und begehrten Wohngemeinde Aadorf noch mehr Attraktivität verleihen wird. Ein von beiden Seiten teilüberdachter Busbahnhof rundet das äusserst gelungene Projekt ab, wobei die Stationsstrasse nur noch für den ÖV durchgängig befahrbar sein wird. Sicherheitsaspekte gaben letztendlich den Ausschlag für dieses Fahrverbot, der Zubringerdienst von der Bahnhofstrasse wird jedoch weiterhin gewährleistet sein. Das in die Jahre gekommene Konzept des «Fensterkiosk» wird durch einen modernen und ansprechenden Kioskladen im Erdgeschoss des Neubaus ersetzt, auf dessen Dach eine kleine Grünoase mit Bänkli zum Entspannen und Verweilen einlädt. Der etwas angestaubt wirkende Bahnhof Aadorf erhält durch das visionäre Projekt eine deutliche Aufwertung und einen urbanen Touch, der der Grösse und Vielfältigkeit der aufstrebenden Gemeinde angemessen sei, schliesslich sei ein Bahnhof die Visitenkarte einer Gemeinde, so Gemeindepräsident Küng.

Das «Ja» vom Volk

Sämtliche anwesenden Vertreter der beteiligten Parteien lobten sowohl das innovative Projekt als auch das grosse Engagement jedes Einzelnen sowie die fruchtbare Zusammenarbeit. Eine zügige Baueingabe sowie das ambitionierte Ziel der Fertigstellung bis 2024, dafür plädierten alle Beteiligten. Architekt Matthis Heider fügte an, die Baustelle sei gut vorgeplant, einer erfolgreichen Umsetzung stünde aus dieser Hinsicht nichts im Wege, auch wenn es kein einfaches Bauvorhaben werde. Vorgängig braucht es aber noch die Kreditsprache des Volkes, die Höhe der beanspruchten Summe stünde noch nicht fest, werde aber an der Gemeindeversammlung von kommendem November zur Abstimmung gebracht, so Küng. Sofern die Begeisterung über diese starke Lösung des Gremiums SBB, Gemeinde, Jashari auf die Bevölkerung überzuschwappen vermag, dürfte einem positiven Ausgang nichts im Wege stehen. Profitieren werden von der gelungenen Vision beziehungsweise der Aufwertung des Bahnhofs Aadorf letztendlich mit Sicherheit alle Beteiligten, sogar das geschützte ehemalige Stationsgebäude, das stehen bleiben wird. Anno dazumal gebaut für den hohen Besuch des Kaisers, der letztendlich in Aadorf nicht einmal ausstieg.

Karin Pompeo