Ab Montag gilt in den Spitälern Wil und Wattwil eine Zertifikatspflicht für Besuchs- und Begleitpersonen, wie die «Spitalregion Fürstenland Toggenburg» (SRFT) am Freitag informiert. Diese Pflicht gelte für alle Personen ab 16 Jahren und erfolge in «Anlehnung an den Entscheid des Bundesrates», wie es in der Meldung weiter heisst. «Spital Thurgau» hatte die Zertifikatspflicht bereits ab dem 30. August eingeführt, denn die Lage sei angespannt. So war es in einer entsprechenden Medienmitteilung von Spital Thurgau zu lesen. hallowil.ch hat in den Spitälern der Region nachgefragt, wie die Lage einzuschätzen ist und welche Massnahmen gelten.

Personal am Anschlag

Weder das Personal in den SRFT-Spitälern noch an den Standorten von Spital Thurgau kann aufatmen, denn die Zahl der Covid-Patienten steigt wieder. So lässt SRFT-Kommunikationschefin Barbara Anderegg zwar verlauten, dass man derzeit mit einem «Maximum von 15 hospitalisierten Corona-Patienten» deutlich unter dem Maximum der zweiten Welle liege. So seien Ende 2020 etwa 40 Personen wegen Corona in den Spitälern behandelt worden. Aber auch wenn eine solche Spitze bisher nicht nochmal erreicht wurde, fühle sich das Personal belastet: «Nach der sehr intensiven Zeit vom Beginn der Pandemie bis im Frühjahr 2021 haben die Mitarbeiter gehofft, dass mit der Möglichkeit der Impfung weitere Wellen ausbleiben.» Das Personal wolle nicht nochmal an die Belastungsgrenze gebracht werden, so wie das in der ersten Zeit geschehen sei.

Noch deutlichere Worte findet Spitaldirektor Norbert Vetterli von «Spital Thurgau»: «Das Personal in den Akuthäusern schweizweit arbeitet seit über eineinhalb Jahren unter Höchstbelastung, sowohl physisch als auch psychisch.» Das hinterlasse Spuren in Form von Ermüdung und Frustration zum Beispiel. Seit ein paar Monaten kämen dazu nun auch noch «ungeheuerliche Anfeindungen bis hin zu verbalen Bedrohungen». Diese fortlaufende Demütigung des Gesundheitspersonals verschlage ihm schlicht die Sprache.

Nicht lebensnotwendige Operationen

In den SRFT-Spitälern habe man derzeit noch genügend Kapazitäten, auch nicht lebensnotwendige Operationen durchzuführen, teilt Anderegg mit. Anzufügen sei dabei aber, dass weder Wil noch Wattwil über eine Intensivstation verfüge und in diesen Häusern deshalb auch keine Operationen durchgeführt werden könnten, welche einen Aufenthalt auf der Intensivstation nach sich ziehen.

Letzteres ist bei der Spital Thurgau anders: So seien die Intensivstationen zu gut 4/5 mit Covid-Patienten belegt, was wiederum bedeute, dass für andere Notfälle die Betten zu knapp seien, teilt Vetterli auf Anfrage mit. Man versuche zwar, alle Behandlungen durchzuführen, aber es fänden «bereits jetzt gezielte Verschiebungen von weniger dringlichen Eingriffen» statt, «zum Leidwesen der betroffenen Patientinnen und Patienten». Denn diese hätten schliesslich auch ein Recht auf Behandlung. Vetterli fügt an, dass es politische Veränderungen brauche. Ohne diese könne auch er nicht sagen, wie lange diese Verschiebungen andauern würden.

Geltende und neue Massnahmen

In den Häusern von Spital Thurgau gilt schon seit Ende August eine Zertifikatspflicht. Zudem müssen sich Notfallpatienten und stationäre Patienten einem Test unterziehen, sofern kein Zertifikat vorhanden sei. Vetterli versichert aber, dass alle Patienten behandelt würden. Je nach individueller Situation seien aber wiederum «erhebliche zusätzliche Schutzmassnahmen» zu ergreifen, was das ohnehin schon angeschlagene Personal noch mehr belaste. Man behalte sich ausserdem das Recht vor, Personen «nicht ins Haus zu lassen, die keinerlei Schutzmassnahmen akzeptieren», sofern es sich um «absolut nicht-dringliche, insbesondere nicht-medizinische Angelegenheiten» handle. In den Häusern herrsche zudem eine Maskenpflicht.

In den SRFT-Häusern gilt ebenfalls die Maskenpflicht zudem wird eben ab Montag ein Zertifikat zwingend.