Tage 6/7: Abfall auch an der verlassensten Bucht (8.6.):

Wir ankerten in einer wunderschönen, einsamen Bucht. Das Wasser war so klar, dass man bis zu 20 Metern in die Tiefe sehen konnte. Mit dem Stand-Up-Paddle nahmen wir die Verfolgung der Fischschwärme auf. In der Ferne sahen wir auf einigen Felsen etwas Oranges. Die Fische waren nun nicht mehr so interessant. Liz und ich paddelten zu den Felsen. Wir hatten uns angewöhnt, immer einen Abfallsack dabeizuhaben. Das Orange entpuppte sich als dicke Leine. Sie lag zwischen den Felsen, sodass wir sie nicht rausziehen konnten. An diesem Ort fand man auffalend viele Abfallstücke eingeklemmt zwischen den Felsbrocken. Den Abfallsack füllten wir vorwiegend mit Styroporteilen. Wir fragten uns, welchen Weg der Styropor hinter sich hat, um nun an diesem einsamen Strand angespült zu sein. Styropor ist auf unserer Top-10-Liste der gefundenen Abfallstücke. Wenn man genau am Ufer auf den Boden blickt, findet man meist winzige weisse Stücke – zerfallene Styroporteile. Sie sind schwierig mit der blossen Hand aufzulesen.

In jener Bucht sammelten wir die grossen Styroporteile ein, um sie vom Zerfallen zu bewahren. Um die winzigen Styroporkügelchen zu entfernen, hatten wir nicht das nötige Material dabei. Ich fühlte mich etwas zerschlagen, dass sogar in einer so verlassenen Bucht Abfall lag. Angeschwemmt vom Meer – und teilweise treibt er noch im Wasser. Ich will gar nicht wissen, wie viele Abfallstücke unter Wasser sind und so auch eine grosse Gefahr für die Tierwelt darstellen.


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Tage 4/5: Langes Warten auf einen Kanister (6.6.):

In der Ferne entdeckte ich «auf 10 Uhr» etwas weisses im Meer treiben. Ob das wohl ein Tier ist? Da wir nicht vom Kurs abweichen konnten, behalfen wir uns mit Ferngläsern. Es war ein grosser Kanister, der herrenlos im Meer herumtrieb.

Auf einer Linientransekt-Fahrt wie heute fährt man mit dem Segelschiff konstant 5 Knoten in eine Richtung. Wir positionierten uns so auf dem Bug des Segelschiffes, dass wir einen Bereich von 180 Grad um das Schiff abdeckten. Ausgerüstet mit zwei Protokollen starteten wir die Fahrt. Nun begann das lange Warten. Bei jedem gesichteten Schaumkrönchen schlug das Herz schneller, in der Hoffnung, dass es sich um ein Tier handeln könnte. Wir sahen keine Tiere und nur einen Kanister. Auf einer 90min-Fahrt nur ein sichtbares Abfallstück im offenen Meer zu sehen, ist ein gutes Zeichen. Wobei hierbei zu erwähnen ist, dass 70 Prozent des Mülles auf dem Meeresgrund liegt. Dieser Kanister bestand vermutlich aus Plastik. Die geschätzte Zersetzungszeit beträgt rund 200 bis 450 Jahre. Dann ist er von blossem Auge nicht mehr sichtbar. Plastik ist jedoch biologisch nicht abbaubar und verschwindet nie vollständig. Der Kanister könnte jedoch auch von einem Fischer stammen, der dort seine Netze ausgeworfen hat. Das konnten wir nicht in Erfahrung bringen.


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Tage 2/3: Der Schock in der Bucht (4.6.):

Die Plastikstücke sind nur so durch meine Hände geflutscht. Ich war richtig schockiert. Als ich versuchte, die dünnen Plastiksäcke aus den Büschen zu entfernen, zerfielen sie in meinen Händen. Durch den Wind wurden sie zerstäubt und landeten unter anderem auf meiner Haut. Am Ende des Beach Cleaning glänzte meine Haut farbig wegen den vielen Plastikstücke. Durch die Sonne sind die Plastikteile richtig spröde geworden und zerfielen sofort, wenn man sie aufzulesen versuchte.

 
Im Video: Zerbröselter Abfall, soweit das Auge reicht. (Video: pd)

Wir denken, dass der Abfall vom Meer durch grosse Wellen angespült worden ist, da er sogar in den Büschen lag. Wir fanden viele kuriose Stücke wie ein Telefon, Schuhsohlen, Stuhlbeine und ein Bobbycar. Auffalend viele Styroporzeile lagen am Strand. Im Sand fand man die kleinen Styroporkügelchen, welche von Hand kaum zu entfernen waren. Insgesamt füllten wir zu viert in drei Stunden 13 Abfallsäcke zu 110 Liter. Mit den 15 grossen Plastikteilen, welche wir aus Platzgründen nicht auf unser Schiff nehmen konnten, kamen über 100kg Abfall zusammen. Wir haben an eines der Plastikstücke einen GPS-Tracker angebracht, um dessen Weg zu verfolgen. Hoffentlich wird der gesammelte Abfall richtig entsorgt und landet nicht in der Müllhalde direkt beim Meer, welche wir gestern entdeckt haben. Mit dem Feldstecher sahen wir auf einem Hang direkt über dem Meer einen riesigen Berg aus verschiedensten Abfallarten. Wir fühlten uns hilflos und fragten uns, warum das heutzutage in Europa noch nicht verboten ist.

Es tat gut, aktiv zu werden und den Abfall gemeinsam aufzusammeln. Aber es war auch ernüchternd, wie wenig wir ausrichten konnten. Wir konnten nur so wenig Abfall aufs Schiff mitnehmen. Ich wäre gerne noch länger geblieben. Vor allem, um die grossen Plastikteile aufzusammeln, um sie vor dem Zerfallen zu bewahren.

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Tag 1: Auf dem Wasser angekommen (2.6.)

Hart am Wind, das Wasser spritzt aufs Vordeck – und grinsende Menschen am Steuer. Dieses Bild zeigte sich auf dem Segelschiff Riana im griechischen Meer. Es war faszinierend, die Kraft des Windes zu spüren. Man fühlt sich einerseits klein, andererseits glaubt man, fliegen zu können, wenn man getragen vom starken Wind über das Wasser gleitet. Ein erster Höhenflug also.

Den Abend davor hatten wir in einem typisch griechischen Restaurant bei Halumni, Feta und guten Gesprächen verbracht. Wir wuchsen schnell als Team zusammen, obwohl wir aus den unterschiedlichsten Bereichen stammen. Jeder bringt sein Wissen ein und wir lernen viel Neues.

Als wir in einer malerischen Bucht geankert hatten, sprangen wir ins kühle Nass. Es war wärmer als erwartet, aber kälter als erhofft. Zu dritt schwammen wir an Land. Leider fanden wir zwischen den Steinen auch eingeklemmte Styropor-Teile. Die Vermutung liegt nahe, dass diese von Fischern stammen. Am Strand fanden wir zudem noch mehr Abfallstücke. Wir werden im Verlauf der Woche sehen, welches Bild uns da präsentiert. Vorerst hatten wir keine Zeit, uns dies näher anzusehen, da das Ankern in der Bucht viel Zeit beanspruchte. Am Ende des Abends liessen wir beim Blick in den Sternenhimmel den ersten Tag Revue passieren – und Vorfreude auf den zweiten aufkommen.


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Vor der Abreise: Zu wenig Platz (31.5.)

Ich kann es noch kaum glauben. Aber schon in einigen Stunden werde ich in Griechenland sein. Es kribbelt. Ich werde mir gleich zwei Träume erfüllen, die bewusst und unbewusst in mir schlummerten. Einerseits das Engagement für die Umwelt. Andererseits das Erlernen des Segelns. Den Wind in den Haaren, das Segelschiff zur Seite geneigt – ein Gefühl, dass ich schon immer mal erleben wollte.

Während den Zugfahrten zum Studium habe ich jeweils meine Packliste ergänzt, welche nun eine beachtliche Länge hat. Wie soll das alles in nur ein Gepäckstück passen? Segelschiffe sind ja nicht gerade geräumig – und ich nicht bekannt für Packkünste. Da Mütter bekanntlich Profis sind, weiss ich, wo ich Rat holen kann.

Natürlich frage ich mich auch, was mich an Abfall im Meer und an den Küsten erwarten wird. Die Abfallproblematik kenne ich aus den sozialen Netzwerken, vor allem aus den Regionen in Südostasien. Ich bin neugierig, was für ein Bild sich mir in Griechenland präsentieren wird. Die Reinigungsaktion am Strand wird wohl anstrengend. Aber ich freue mich darauf, physisch etwas gegen die Verschmutzung tun zu können.


Da in dieser Woche auch ein Slackline-Profi an Bord sein wird, der dieses Band von Fels zu Fels übers Wasser spannen wird, habe ich zu Hause im Garten geübt. Einen halben Meter über dem Boden war das kein Problem. Doch die Vorstellung, mehrere Meter über dem Wasser zu balancieren, bereitet mir dann doch ein flaues Gefühl im Magen, um es mal positiv zu formulieren.

Nun denn: Es kann endlich losgehen. Hoffentlich werde ich nicht seekrank - Ingwer steht schonmal auf meiner Packliste. «Schiff ahoi» – ich bin bereit.

Chiara Knopp

Lesen Sie hier das Porträt über Chiara Knopp.