Wie geht es im Dorfzentrum von Bronschhofen weiter? Diese Frage ist berechtigter denn je. Im Mühle-Quartier, das zwischen der Maugwilerstrasse und der Hauptstrasse gelegen ist, sind 40 Wohneinheiten geplant. Nur schon die Erschliessung – also der Bau einer Strasse – soll 170'000 Franken kosten. Doch es gibt Widerstand. An der Budget-Debatte im Stadtparlament meldete sich der Bronschhofer CVP-Stadtparlamentarier Hans Moser zu Wort und befand, die Erschliessung sei nicht gelungen. Ganz anders sieht es der zuständige Wiler Stadtrat Daniel Stutz. Die Stadt sei verpflichtet, das entsprechende Gebiet zu erschliessen, sagte er im Parlament. Und weiter: «Es wäre ein fatales Signal, wenn bewilligte Bauvorhaben wegen fehlender Erschliessung nicht erstellt werden könnten.» Dem entgegnete wiederum Moser, das Projekt sei noch nicht rechtskräftig bewilligt. Tatsächlich ist auf dem Bauvorhaben noch ein Rekurs hängig – bis heute.

Eine deutliche Mehrheit der Parlamentarier stellte sich hinter Moser. Mit 31:3-Stimmen wurde der Erschliessungs-Betrag von 200'000 Franken aus dem Budget für dieses Jahr gekippt.

Betrag gesprochen, aber das Geld fehlt

Es schien so, als wäre die Sache damit vom Tisch. Doch dem ist nicht so. Am Mittwoch hat die Stadt Wil kommuniziert, dass der Stadtrat die Erschliessung des Mühle-Quartiers genehmigt hat. Erfolgt ist dies bereits an der Stadtratssitzung wenige Stunden vor der Budget-Debatte im Stadtparlament. Konkret geht es um den Bau der Mühlestrasse, an welcher sich die Stadt Wil zu einem Viertel beteiligen muss und darum 42'500 Franken gesprochen hat.

Setzt sich da die Exekutive mit diesem Entscheid über das Parlament hinweg? Der Kommunikations-Chef der Stadt Wil, Philipp Gemperle, verneint: «Das Stadtparlament hat ja nicht gesagt, wir sollen nicht projektieren. Es hat uns aber den Auftrag gegeben, nicht zu bauen.» Die Situation ist nun so, dass der Stadtrat einen Betrag von 42'500 Franken für den Bau dieser Strasse genehmigt hat. Dieses Geld steht in diesem Jahr aber nicht zur Verfügung, da es aus dem Budget gestrichen wurde. «Im Prinzip wurde einfach mal der Kostenteiler genehmigt», sagt Gemperle.

Kommt der Betrag erneut ins Budget?

Es steht nun der Wiler Exekutive frei, diese 42'500 Franken im Budget für das Jahr 2020 erneut aufzuführen. Gut möglich, dass das Geld dann wieder herausgestrichen würde. Ob der Betrag erneut aufgeführt wird, ist laut Gemperle hoffen und hängt wohl auch damit zusammen, ob das Bauvorhaben rechtskräftig wird oder nicht. Die geäusserten Bedenken betreffend Schulwegsicherheit würden aufgenommen, lässt Stutz verlauten.

Bestimmt ist dafür bereits, dass das Erschliessungsprojekt demnächst öffentlich aufgelegt wird. Danach ist die Zukunft offen. Es steht derzeit also einzig fest, dass trotz der 31 Gegenstimmen im Stadtparlament das letzte Wort betreffend Mühle-Quartier noch längst nicht gesprochen ist.