Barbara Engelhard und Dr.-Ing. Walter Engelhard aus Wil haben der Redaktion von hallowil folgenden Leserbrief zugestellt:

«Die katholische Kirchengemeinde befindet bis zum 11.4.21 darüber, ob die Liegenschaft Scheibenbergstrasse 14 zum bestmöglichen Preis verkauft werden soll oder nicht.

Bei dieser Liegenschaft handelt es sich um ein stattliches mehrgeschossiges Gebäude „alter Prägung“ mit einer wunderschönen besonders fantasiereichen Architektur und einem umliegend grosszügigen Gartenbestand mit alten Bäumen.

Die katholische Kirchengemeinde möchte nun die Liegenschaft verkaufen, weil eine Restaurierung bzw. Erhaltung nicht lohnen würde. Deshalb wird den Stimmbürgern ans Herz gelegt, dem Verkauf an der Urne zuzustimmen.

Ernstzunehmende Ideen, wie man die Liegenschaft (alternativ zu einem Verkauf an einen Investor) nutzen sollte, scheinen offenkundig nicht zu existieren. Stattdessen ruft man nun zum „Verkauf des Tafelsilbers“ auf.

„Tafelsilber“ verkaufte man aber in den vergangenen Zeiten grundsätzlich nur dann als letztes Mittel, wenn man (wie heute gesprochen) vor dem „Privatkonkurs“ stand; dies scheint aber für die katholische Kirchengemeinde Wil nicht zuzutreffen.

Vielmehr ist es unseres Erachtens angezeigt, das Vermögen zu bewahren und im katholischen Sinne in fürsorgliche Vorhaben zu investieren, wie da z.B. wären:

  • Die Schaffung eines ganztägig geöffneten Kinderhortes zur Betreuung schulpflichtiger Kinder, damit die Eltern gemeinsam einer Volltagsbeschäftigung nachgehen können.
  • Oder auch die Schaffung eines „Hospizes“, welches das würdevolle Sterben im Kreise der Angehörigen in einem ruhig-schönen Umfeld ermöglichen würde (als Alternative zum einsamen Sterbezimmer im Spital oder Pflegeheim; siehe auch das bereits realisierte „Hospiz St. Gallen“ in der Villa Jacob).

Der langen Rede kurzer Sinn ist der, dass man sich nicht nur der Einfachheit halber auf den „schnöden Mammon“ konzentrieren sollte , sondern dass man sich vielmehr für die Variante der Bewahrung/Erhalt einer auffallend schönen Architektur entscheiden sollte (als Alternative zu einer heutzutage oft üblichen fantasielosen Architektur nach dem Motto: „Man nehme 4 senkrechte Wände und setze einen Deckel drauf- fertig“).

Deshalb stimmen wir für „Nein“ des Verkaufs der Liegenschaft Scheibenbergstrasse 14.»

Von Sepp Sennhauser aus Rossrüti hat die Redaktion von hallowil folgenden Leserbrief erhalten:

«Da in dieser speziellen Zeit keine Versammlungen stattfinden können, muss die Diskussion eben via Medien erfolgen. Darum erlaube ich mir den beabsichtigten Verkauf der Liegenschaft Scheibenbergstr. 14, welche vom kath. Kirchenverwaltungsrat Wil zur Annahme empfohlen wird zu hinterfragen. Ich empfinde es eine Doppelmoral, dass die Liegenschaft an den Meistbietenden verkauft werden soll, um mit dem Geld ein Projekt für günstige Wohnungen für Jugendliche zu finanzieren. Mit diesem Vorschlag heizt man die Preisspirale bei den Bodenpreisen in Wil mit an und dies ist einer Kirchgemeinde unwürdig. Meiner Meinung nach könnte man das eine tun und das andere besser machen, darum mein Vorschlag:

Verkaufen ja, aber nur im Baurecht, denn dieses Land ist langfristig ein grosser Wert und dies entspricht auch eher dem Stiftungssinn. Ausserdem sollte die Kirchbürgerschaft schon früh über neue Projekte informiert werden und nicht erst wie es angetönt wurde, mit einer Bauvorlage, wo schon viel investiert worden ist und man fast nur noch zustimmen kann. Mit transparenter Information schafft man Vertrauen und überzeugt so die Kirchbürger-Innen. Die Überlegungen des Verwaltungsrats zum Projekt sind interessant und ehrenwert, sollten aber im Grundsatz von der Kirchbürgerschaft diskutiert werden können, ob dies die Aufgabe der Kirchgemeinde ist. Ich anerkenne die sehr gute Arbeit des Gremiums und hoffe es gibt eine gute, breit abgestützte Lösung in diesem Geschäft. Darum stimme ich Nein zu Antrag 5 der Urnenabstimmung vom 11. April.»

Jürg Grämiger, Präsident des Katholischen Kirchverwaltungsrates Wil, nimmt zur Kritik am angestrebten Landverkauf Stellung. 

Herr Grämiger, was meinen Sie zur Kritik, die Kirchgemeinde heize mit dem Grundstückverkauf an den Meistbietenden die Preisspirale in Wil an, dies sei laut Sepp Sennhauser einer Kirchgemeinde unwürdig?

Die dem gestifteten Zweck Jugendfürsorge gewidmete Liegenschaft Scheibenberg kann nicht selber in angemessenem Aufwand genutzt werden kann, davon geht der Kirchenverwaltungsrat nach eingehenden Abklärungen aus. Somit entspricht es diesem Zweck am ehesten, wenn diese bestmöglich verkauft wird und der Stiftungszweck mit einem anderen Jugendhilfeprojekt erfüllt wird. Das ist nicht unwürdig, sondern konsequent. Dasselbe müsste die Kirchgemeinde auch bei Abgabe der Liegenschaft im Baurecht tun, damit der Zweck der Stifterin bestmöglich umgesetzt würde.

Das Land an der Scheibenbergstrasse 14 sei sehr wertvoll, die Nutzung im Baurecht diene eher dem Stiftungszweck, schreibt Sepp Sennhauser, trifft dies aus Sicht des Kirchverwaltungsrates zu?

Das wäre nur dann der Fall, wenn der Nettoerlös beim vorgesehenen Verkauf einfach verpuffen würde, anstatt stetig und nachhaltig im Sinne der Jugendhilfe genutzt und verwendet zu werden. Gerade diese nachhaltige Nutzung wird aber erreicht mit dem Jugendhilfereglement, sowie mit einer möglichen und vorgesehenen Kapitalinvestition in ein solches Projekt. Ein Baurecht (Verkauf ist dann nicht möglich) erreicht dies mit steten Zinseinnahmen, ohne dass Kapital einsetzbar wird. Der Verkauf mit Nutzung des Nettoverkaufserlöses als Ertrag oder als Projektinvestition in die Jugendhilfe ermöglicht beides. Deshalb schlägt der Kirchenverwaltungsrat diesen vor und beantragt ein Ja zur entsprechenden Verkaufsermächtigung.

Über das geplante Jungendfürsorgeprojekt der Kirchgemeinde sollte frühzeitig informiert werden, nicht erst dann, wenn nach bereits getätigten Investitionen die Kirchbürgerinnen und –bürger nur noch die Zustimmung bleibt. Weshalb wird nicht transparenter informiert, wie dies Sepp Sennhauser fordert?

Über das geplante Jugendhilfeprojekt wird rechtzeitig und transparent informiert und dieses der Bürgerschaft zum Entscheid wieder vorgelegt werden. Transparent informieren kann der Kirchenverwaltungsrat dann, wenn das Projekt abschliessend geprüft und entscheidungsreif ist. Dies sollte wie dargelegt im Spätherbst dieses Jahres der Fall sein, und die Botschaft dazu anlässlich einer ausserordentlichen Bürgerversammlung zum Entscheid vorgelegt werden. 

Post inside
Jürg Gräminger.

In einem früheren Beitrag auf hallowil wurde die Kontroverse um den Grundstücksverkauf bereits thematisiert.