Der 25. September 2016 war ein prägender Sonntag für die Stadt Wil – vor allem aber für Marcus Zunzer (CVP). Nach acht Jahren an der Spitze der Baudepartements (BUV) wurde er vom Wiler Stimmvolk abgewählt. Und das im ersten Wahlgang. Rund 300 Stimmen fehlten ihm zum Absoluten Mehr, während Daniel Stutz (Grüne Prowil) dieses um 8 Stimmen übertraf und schliesslich Zunzer Nachfolger wurde. Vergangenen Sonntag ist es Daniel Stutz, Daniel Meili und Jutta Röösli ähnlich ergangen. Sie sind Ende Monat ihr Stadtrats-Amt los und somit vor einer ungewissen Zukunft.

Marcus Zunzer stand im Herbst 2016 plötzlich vor dem beruflichen Nichts. Denn im Jahr zuvor hatte er seine Tätigkeit als Architekt stark reduziert, um sich auf die Stadtratsarbeit konzentrieren zu können. «Das Wahlergebnis war eine grosse Enttäuschung. Es war ein nicht erwartetes Ergebnis verbunden mit der Erkenntnis, dass es nicht gelingt, die positiven Projekte rüberzubringen und dass schliesslich der Chef für schwierige Themen die Konsequenzen tragen muss», sagt Zunzer rückblickend.

Vier Monate lang arbeitslos

Schnell war für Marcus Zunzer klar, eine neue Stelle suchen zu wollen. «Ich spürte schon gewisse Bedenken im Freundeskreis, ob es gelingen wird, 57-jährig etwas zu finden.» Es zeigte sich, dass passende Stellenangebote in den Bereichen Projektmanagement, Beratung oder öffentliche Verwaltung tendenziell Richtung Zürich oder allenfalls noch in St. Gallen vorhanden waren.

Zu Jahresbeginn 2017 wurde Zunzer dann allerdings arbeitslos. Die Stellensuche lief auf Hochtouren. Im Februar und März 2017 kam es zu «drei bis vier Vorstellungsgesprächen», wie Zunzer sagt. «Es reifte die Erkenntnis, dass der Rucksack mit der Ausbildung zum Architekten, politischer Exekutiverfahrung und Kenntnisse der öffentlichen Verwaltung wertvoll und so eher selten ist. Die Vorstellungsgespräche waren ein spannender, positiver Prozess und eine neue Erfahrung», sagt Zunzer.

«Ein Kontrastprogramm zu Wil»

Die Erleichterung war beim einstigen Wiler Bauchef und in seinem Umfeld gross, als es bei der Stadt Kloten klappte und er dort als «Leiter Liegenschaften» eingestellt wurde. Im Mai 2017 nahm er die Tätigkeit auf – und führt sie bis heute aus. «Das ganze war ein Glücksfall für mich. Aber auch für die Stadt Kloten, jemand mit dieser Erfahrung gefunden zu haben», sagt Zunzer. Die Organisationseinheit ist, anders als in Wil, im Bereich Finanzen und Logistik angeordnet. «Es ist spannend, an dieser Schlüsselstelle mit den anderen Bereichen zusammenzuarbeiten sowie diese zu beraten», sagt Zunzer.

Zu tun gab und gibt es einiges. Die Stadt Kloten habe aufgrund des Nachholbedarfs aus den Zeiten des Swissair-Groundings einen grossen Nachholbedarf bei der Sanierung, Erweiterung und dem Neubau wichtiger Anlagen, vorab bei den Schulbauten. Bei der Aufnahme seiner Tätigkeit mussten zwei Schulen totalsaniert werden und die Planung einer zweiten Eishalle stand an. Das grösste Projekt war allerdings der Abbruch und der Neubau einer dritten Schulanlage mit einem Investitionsvolumen von rund 65 Millionen Franken. Also etwas mehr als der Sportpark Bergholz in Wil gekostet hat. «Es ist eine spannende, erfüllende Tätigkeit, bei welcher ich meinen Rucksack umfassend anwenden kann. Ein neues, positives Lebensgefühl und durchaus ein Kontrastprogramm zu bestimmten Erfahrungen in Wil», so Zunzer. Er schätzt ein Arbeitsumfeld «mit guten Mitarbeitenden und einem wertschätzenden Chef». Das sorge für ein positives Lebensgefühl und sei für die Gesundheit zentral.

Wiler Freundschaften werden gepflegt

Gewonnen hat Marcus Zunzer aber auch die Erkenntnis, dass der Wechsel zum richtigen Zeitpunkt kam, «da man in acht Jahren an einem neuen Ort noch etwas bewegen kann». Es sei gut gewesen, in Wil abschliessen zu können. «Dank dem so gewonnenen Abstand stellt sich die Frage der Vermischung zwischen der zurückliegenden politischen Tätigkeit und dem neuen Beruflichen nicht. Ich schätze die Freundschaften aus dem damaligen politischen Umfeld und mit ehemaligen Mitarbeitenden des BUV, die ich nach wie vor pflege», sagt Zunzer.