Wie die Stadt Wil mitteilt, hat der Stadtrat die Abrechnungen von 40 Investitionskrediten aus dem Departement Bau, Umwelt und Verkehr genehmigt oder zur Kenntnis genommen. Weitere sieben Kredite seien bereits vorher abgerechnet worden. Damit reagiert das Baudepartement auch auf die Kritik, die Stadtparlamentarier und Präsident der Geschäftsprüfungskommission Luc Kauf im Frühling in einem Postulat geübt hat. (siehe Artikel unten) 

Bei den Krediten, die nun ad acta gelegt werden können, handelt es sich in erster Linie um abgeschlossene Projekte. Doch auch einige bewilligte Kredite die «aufgrund geänderter Rahmenbedingungen nicht wie beabsichtigt beansprucht wurden» konnten geschlossen werden, wie eine Nachfrage von hallowil.ch ergab.

Der älteste Kredit wird noch beansprucht

Nicht unter den abgerechneten Krediten ist demnach der älteste offene Kredit, nämlich der für den Bau des Grundwegs im Neualtwil aus dem Jahr 1995. Dieser werde noch beansprucht, wobei die Umsetzung abhängig von Dritten sei. Abgerechnet wurden hingegen zum Beispiel die Kredite für den Unterstand beim Kindergarten Matt, die Sanierung des Aussensportplatzes der Primarschule Bommeten in Bronschhofen und die Dachsanierung der Schiessanlage Thurau. Letztere beide waren 2018 abgeschlossen worden. 

Auch wenn der Abrechnungsstau nun reduziert werden konnte, anerkennt der Stadtrat weiterhin, dass die Anzahl der offenen Investitionskredite hoch sei und entsprechender Handlungsbedarf bei den Kreditabrechnungen bestehe. Dem Stadtparlament soll in nächster Zeit umfassend über die Thematik Bericht erstattet werden, heisst es abschliessend in der Mitteilung der Stadt. (sk/rop)

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Bis zurück ins Jahr 1995: In Wil sind viele Kredite nicht abgerechnet (19.5.2020)

Aktuell werden in der Stadt Wil 205 offene Investitionskredite geführt. Etwa 60 dieser Projekte sind abgeschlossen, aber noch nicht abgerechnet – oder stehen kurz vor dem Abschluss. Zahlreiche kleinere Projekte sind ohne Abrechnung abgeschlossen worden. Das hat Stadtparlamentarier Luc Kauf, Präsident der Geschäftsprüfungskommission, festgestellt. Und dies ist in Wil kein neues Phänomen. Aktuell sind laut Kauf noch 28 Kredite nicht abgerechnet, die noch vor der Fusion von Wil und Bronschhofen genehmigt wurden, also bis Ende des Jahres 2012. Bestes Beispiel dafür ist der Sportpark Bergholz, der rund 60 Millionen Franken gekostet hat. «Der älteste offene Kredit datiert aus dem Jahr 1995», weiss Kauf. Es geht um den Bau des Grundwegs im Neualtwil. Ein Viertel-Jahrhundert ist das also her.

Die Geschäftsprüfungskommission sei seitens der externen Revisionsstelle auf die «problematischen Zustände» aufmerksam gemacht worden. «Offenbar hatte das Controlling über die noch nicht abgerechneten Investitionskredite in den vergangenen Jahren keine Priorität und die Projektbetreuung seitens der zuständigen Abteilungsleitenden wurde nicht genügend wahrgenommen. Die aufgeschobenen Pendenzen gilt es nun unverzüglich abzubauen und den Abrechnungsstau zu beheben», so Kauf.

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GPK-Präsident Luc Kauf will den Abrechnungsstau bei Investitionskrediten auflösen. (Archivbild: Magdalena Ceak)


«Abrechnungen unverzüglich einverlangen»

Um in dieser Thematik Klarheit zu schaffen, hat die Geschäftsprüfungskommission einen politischen Vorstoss lanciert. Im Rahmen eines «dringlichen Postulats» soll der Stadtrat beauftragt werden, im Herbst dem Stadtparlament mitzuteilen, welche Investitionskredite abgerechnet und welche noch offen sind. Die Abrechnungen für abgeschlossene Kredite seinen unverzüglich einzuverlangen und zu genehmigen. Ferner sei aufzuzeigen, in welcher Frist Projekte abgerechnet werden müssen beziehungsweise wie und wann bewilligte Kredite gestrichen werden können, falls diese unberührt sind oder seit mindestens einem Jahr nicht mehr verwendet werden.

Als nächstes wird sich der Stadtrat äussern, ob er das Postulat als erheblich ansieht. Danach entscheidet das Stadtparlament, ob die Fragen an die Exekutive überwiesen werden.