Wer wird neuer Wiler Stadtpfarrer? Genau zehn Jahre, nachdem Roman Giger als vormaliger Kaplan auf Meinrad Gemperli gefolgt war, kommt es nun zur nächsten Rochade – höchstwahrscheinlich. Denn Giger dürfte es kurz vor seinem 50. Geburtstag knapp 30 Kilometer ostwärts ziehen. Bischof Markus Büchel besetzt hinsichtlich des nächstens Kirchenjahrs eine der beiden Pfarrstellen, die in St. Gallen seit Sommer 2018 frei sind, mit Roman Giger. Voraussetzung ist, dass er von den Kirchbürgern in St. Gallen Bruggen, St. Gallen Winkeln, Abtwil St.-Josefen und Engelburg Anfang April gewählt wird. Dies dürfte reine Formsache sein.

In Wil wird Giger während gesamthaft 15 Jahren tätig gewesen sein – seit 2009 als Stadtpfarrer. Dabei hat er «einiges angerissen und weiterentwickelt», um es in den Worten von Kirchenverwaltungsratspräsident Jürg Grämiger zu formulieren. Markant war zum Beispiel der Zusammenschluss mit der Kirchgemeinde Rickenbach, die dazu einen Bistumswechsel von Basel hin zu St. Gallen vollziehen musste. Die Familienseelsorge hat Giger ausgebaut, einen kirchlichen Sozialdienst errichtet und zahlreiche neue Gottesdienst- und Pfarreiangebote eingeführt. So gibt es heute zum Beispiel einen kirchlichen Sozialarbeiter und einen Gottesdienst für Ehejubilare, um nur zwei Beispiele zu nennen. Für Gesprächsstoff sorgte die neue Läutordnung. Die alte stand in der Kritik und ist angepasst worden. Auf ein Läuten morgens um 6 Uhr wird nun verzichtet. Zudem wurde der Klang angepasst. Laut Grämiger steht eine weitere Justierung des Geräuschpegels bevor, bei welcher der Schall gedämpft wird. Das dürfte vor allem die Altstadt-Bewohner freuen, die bemängeln, das Geläut der Stadtkirche St. Niklaus sei zu laut.

«Es hat sich absolut gelohnt»

Ebenfalls auf die Initiative von Roman Giger geht die Schaffung einer Marienkapelle in der Stadtkirche für eine fast 900 Jahre alte Marienstatue zurück. Nachdem diese einst fast entsorgt worden wäre, ist sie heute ein kunstgeschichtliches Denkmal.

Wenn Roman Giger auf die sich dem Ende entgegenneigende Zeit in Wil zurückblickt, sagt er: «Es hat sich absolut gelohnt. Es waren 15 sehr schöne Jahre. Ich spüre eine grosse Dankbarkeit.» Da Wil seine erste Seelsorge-Station ist, kam irgendwann der Wunsch auf, noch etwas Neues zu erleben. So meldete er bereits 2016 bei Bischof Markus Büchel sein Interesse einer persönlichen Veränderung an – und wiederholte dieses im vergangenen Jahr. Giger hofft, den nun gut gefüllten Rucksack in St. Gallen weiterschenken zu können. «Aber auch den Zauber des Neuanfangs möchte ich auf mich wirken lassen», sagt der Noch-Stadtpfarrer.

Wohl keine Lösung aus den eigenen Reihen

Nun bleibt ein halbes Jahr Zeit, um einen neuen Pfarrer zu finden. Was auf den ersten Blick eine lange Zeit zu sein erscheint, ist in Tat und Wahrheit aller Voraussicht nach ein zu kleines Zeitfenster. Denn Pfarrer sind ein rares Gut geworden. Kommt dazu, dass die Katholische Pfarr- und Kirchgemeinde Wil nicht alleine für den Nachfolger verantwortlich ist. Dieser wird vom Bischof bestimmt. Die Kirchbürger haben dann das letzte Wort und können den Vorschlag Büchels mittels Wahl bestätigen. Wann Wil wieder einen Stadtpfarrer haben wird, steht noch nicht fest. Der Abschied Gigers von Wil wird Ende August erfolgen.

Der Kirchenverwaltungsrat und das Seelsorgeteam bereiten sich aber bereits auf eine Vakanz vor und leiten erste Schritte ein. «Wir können eine Vakanz verkraften. Aber natürlich hoffen wir, möglichst schnell wieder einen Stadtpfarrer zu haben», sagt Jürg Grämiger. Nachdem vor zehn Jahren in Wil eine Lösung «aus den eigenen Reihen» gefunden worden war, dürfte eine solche dieses Mal nicht in Frage kommen.