Die Uzwiler Bibliothek feierte dieses Jahr das 20-jährige Jubiläum. Zu diesem Anlass gab es verschiedene Aktivitäten. Angefangen hatte es mit einer Bierdegustation im Februar, dies unter dem Titel „Bier und Poesie“. Im Mai gaben Weltenbummler aus der Region ihre Reise-Eindrücke weiter, dazu konnten fremdländische Spezialitäten genossen werden. Der Lesesommer 2018 war mit rund 1000 teilnehmenden Kindern aus acht Dörfern der Region ebenfalls ein grosser Erfolg. Als Abschluss genossen nun Krimifans ein spezielles Tatortdinner.

Das wahre Gesicht zeigt sich schnell

Die Türe zur Bibliothek stand an diesem Abend sperrangelweit offen. Sobald man in den Raum getreten war, stürzten drei Damen auf einen zu und überschlugen sich in zuckersüssen Komplimenten. Doch schnell kam auch ihr wahres Wesen zum Vorschein. Sie wollten dem Publikum Geld aus der Tasche ziehen, für eine Spendengala, am liebsten mit einer grossen Zahl auf einem gedeckten Check. 

Bibliotheksleiterin Jolanda Erismann ihrerseits begrüsste zusammen mit Renate Graf vom Verkehrsverein Uzwil-Oberuzwil dann wohltuend nüchterner. Die beiden Frauen hatten bereits den allerersten Tatort in der Bibliothek zusammen geplant.

COE-Venus Club Toronto

Die kanadischen Flaggen zeigen deutlich, woher dieser Club stammt. Society-Klatschreporter Andy Pipkin – dem die Frauen gerne auch Pumpkin (Kürbis) sagen – stellt die drei Damen vor. Das Publikum muss dabei helfen. Und weil Männer vermutlich nicht gerne lange stillsitzen, müssen sie jedes Mal aufstehen, wenn eine neue Lady ihren Auftritt hat. Die Frauen dagegen bekommen den Befehl, dann ganz laut „O lalalala…“ zu rufen. Das klappt schon bald recht gut. Und da ist auch Adrian Campell, Evelyn Campbells Ehemann, der nicht von seinem Smartphone zu trennen ist. 


Charity ist grossgeschrieben

Adrian kam vor fünf Jahren in die Schweiz. Er wollte schon einmal den Weltfrieden mit einem Wettessen retten. Ständig am Handy, zählt er die Gemeinsamkeiten von Kanada und der Schweiz auf. Laut ihm sind beide Völker nirgends dabei, bescheiden und sportlich. Die drei Damen – unterdessen auch aufgetreten – haben einen Feldzug gegen alle Missstände in der Welt im Kopf. Doch dies sind zu grosse Probleme, darum haben sie in Dr. Hansueli Hanselmann, einem zwielichtigen Schönheitschirurgen, ihren Schirmherrn für ein neues Projekt gefunden. Weil doch Ahornsirup und Schoggi - wichtige Produkte der beiden Länder - Menschen glücklich machen, soll dafür gespendet werden. Ein Franken ist das Mindestangebot, was aber nur ein Lesefehler war, es sollen nämlich 1000 Franken sein.

Und schon zeigen sich die unterschiedlichen Ausrichtungen. Eigentlich sollten doch die Gemeindebibliotheken von den Spendengeldern profitieren. Evelyn ihrerseits findet: „Gebt dem Aargau eine Chance!“ Kurz: Nichts ist richtig abgesprochen. Dazu gibt es verschiedene offene Baustellen.

Vorgeschichte

Olivia besass einen liebenswürdigen Hund. Weil aber Evelyn eine so miese Fahrerin ist, musste das arme Tier sterben, kam unter die Räder. Und Charlottes Mann Greg hatte eine Affäre mit Andys Frau Evelyn. Das findet wiederum Charlotte „absurd“, es stehe allerdings bereits im Internet, gibt Reporter Pipkin zu bedenken. 

Vorgesehen war, die ganze Spendengala am Fernsehen live zu bringen. Doch Evelyn gefällt der Klatsch rund um ihr Privatleben nur bedingt. Kurzerhand wirft sie den doch etwas schmierigen Moderator hinaus, die Übertragung endet abrupt. Andy überlegt, was er nun tun könnte. Vielleicht Pressesprecher von Donald Trump? Könnte möglicherweise auch nicht lange dauern.

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"Adieu, mein lieber Fernsehreporter." Evelyn Campbell kehrt die Direktorin heraus. 

Nach der Vorspeise – Kürbissuppe mit Curry, vom Seniorenzentrum Uzwil geliefert – ertönt, kaum sitzen die Leute auf den Stühlen, ein Schuss. Und schon liegt eine fallende Evelyn in den Armen ihres Ehemannes Andy, sinkt zu Boden. Der Schönheitschirurg soll helfen. Doch da ist alle ärztliche Kunst – so sie denn überhaupt je vorhanden gewesen – umsonst. Die Frau stirbt. Sofort senkt Charlotte die kanadischen Flaggen auf Halbmast. 

Wer hat ein Motiv?

Olivia hat schmutzige Hände, vom Schuhputzen, wie sie sagt. Charlotte weist die Beschuldigung zurück, sie hätte etwas damit zu tun. Klar, es gibt eine Waffe, in der Garderobe, aber die ist für alle zugänglich. Da sind denn auch alle Fingerabdrücke drauf. Charlotte kommt mit einer Pistole und einem blutverschmierten Stofftuch. Und wie hat Pipkin die Kündigung verkraftet? 

Schon darf ein recht scharfes Chili mit Reis gefasst werden. Auf den aufliegenden Zettelchen kann nun jede Person aufschreiben, wen sie verdächtigt. Ein grosses Rätselraten beginnt. Ob der laut Aussagen von Gästen recht schwere Wein die Spekulationen vielleicht noch verstärkt? Jedenfalls schiessen die Verdächtigungen richtig ins Kraut. Beim Zuhören merkt man allerdings schnell, wer detektivische Fähigkeiten hat und die richtigen Schlüsse ziehen kann. 

Der „Schönheitschirurg“ wusste bis kurz vor Beginn des Krimis noch nicht, dass er im Stück auch eine Rolle spiele. Denn ihm sei einfach ein Zettel in die Hand gedrückt worden, den er an der richtigen Stelle vorlesen solle, berichtete er im persönlichen Gespräch. So ganz entsprach der bärtige junge Mann nicht dem Idealbild, welches man von einem Arzt dieser Kategorie normalerweise hat. 

"Miss Marple"

Jetzt tritt eine richtige Kommissarin auf den Plan. Da war doch was mit einem überfahrenen Hund. Hat nicht Evelyn gerne einen über den Durst getrunken? Und sind nicht auch Seitensprünge vorgekommen? Tatsächlich erfährt diese Frau auch, mit wem Andy ständig am Telefon war. Er hatte nämlich bereits die Scheidung eingereicht. Am Schluss ist aber klar, wer Täter oder Täterin war. Eine Frau aus dem Publikum, welche schon zu Beginn des Abends als Stellvertreterin aller Damen zu einem Auftritt genötigt worden war, durfte aus zehn richtigen Tipps einen Zettel herausziehen.Dem Gewinner überreichte Jolanda Erismann ein schön verpacktes Bücherexemplar, vermutlich einen Krimi. 

Mit Dessert-Versuchungen endete der vergnügliche Abend. Mit diesem Anlass sind die Jubiläumsfeierlichkeiten der Uzwiler Bibliothek abgeschlossen. Bibliothek Uzwil