In jedem der unterdessen acht Saisonprogramme von "Gas gibt Kultur" machte ein Theaterstück speziell für Kinder den Abschluss. Auch diesmal wollten sich viele Eltern, Grosseltern und natürlich unzählige Kinder dieses Angebot nicht entgehen lassen. Schon im Foyer spürte man, dass da etwas Besonderes anstand. Überall herumzappelnde Kinder, die ihre Begleitpersonen bestürmten, vielleicht weil sie bereits Hunger oder Durst hatten oder weil sie nicht mehr länger auf die Aufführung warten mochten.

Neid und Eifersucht

Das Märchen steht in Grimms Hausmärchen an 59. Stelle und gehört zum Geschichtenschatz der deutschsprachigen Länder Europas. Es geht um Neid, um Mitgefühl und um Gerechtigkeit. Dieses Märchen hat vielen Stiefmüttern schon Kummer bereitet, hat die Geschichte doch die Sage von der „bösen Stiefmutter“ lange Zeit zementiert. Es zeigt aber auch auf, wie Neid und Eifersucht zu Recht zu den sieben Todsünden gezählt werden. Wie schön, dass nicht alle Personen im Märchen sich exakt an die Vorgaben der bösen Königin halten. So bekommt der Jäger Mitleid mit dem jungen Mädchen und lässt es am Leben, obwohl ihm seine Herrin den Tod des Mädchens befohlen hat. Am Schluss triumphiert das Gute, ein verliebter Prinz erweckt das scheinbar bereits tote Mädchen in seinem Glassarg wieder zum Leben und es wird eine grosse Hochzeit gefeiert. 

Premiere aus Mannheim

In Uzwil gastierte die Musikbühne Mannheim zum ersten Mal. Im Ensemble spielen musikalisch bestens ausgebildete Schauspielerinnen und Schauspieler. Das Musical Schneewittchen ist denn auch eine anspruchsvolle Darbietung. Für ganz kleine Kinder ist das Stück jedoch nicht unbedingt gedacht, gibt es doch Szenen, die zum Fürchten sind – etwa die böse Königin, wenn sie sich wie eine Hexe verhält und ihre Mimik einen schaudern lässt – und eine Sprache, die verstanden werden muss. Doch Kinder wachsen ja heutzutage oft mit deutschen Sendern auf. Dazu konnte am Keyboard ein Musiker in Aktion beobachtet werden – Frank Steuerwald, welcher auch die gesamte musikalische Leitung innehatte. Er hat zudem die Musik zum Stück komponiert.

Was in einer erzählten Geschichte genüsslich ausgeweitet und vertieft werden kann, das ist in einer Theaterproduktion kaum möglich. Da muss gestrafft werden, damit die Geschichte nicht zu langfädig wird, es braucht Abstriche bei den erzählungswürdigen Szenen. Kurz: Es gibt eine etwas andere Geschichte. „Schneewittchen“ beginnt mit einer Einführung ins Märchen, gesprochen von Michael Timmermann - nebst andern Engagements während 37 Jahren Schauspieler am Nationaltheater Mannheim - ab Band. So wird bereits ein Stück des Märchens vor Beginn des eigentlichen Spiels abgehandelt. Als das ausgesetzte Schneewittchen sicher bei den Zwergen lebt, kommt die böse Stiefmutter nicht etwa drei Mal vorbei, wie im Märchen vorgegeben, sondern nur einmal. Dafür tritt der Prinz bereits früher auf und bereitet die kleinen Zuschauer so schon einmal aufs Happyend vor.

Lebendige Handlung

Gerade noch kurz bevor die ersten Kinder unruhig werden konnten, öffnete sich der Vorhang. Und schon stand die böse Stiefmutter in königlicher Kleidung da, kommandierte zwei Diener herum und konnte sich doch nicht entscheiden, welches Kleid, welche Schuhe. Sie wollte einzig wissen, wer die Schönste im Land sei. Das war ihr ganzer Lebensinhalt. Man bekam fast etwas Angst für die ganz Kleinen im Saal, als die Königin so ganz unverblümt nach einer eingehenden Spiegelbefragung ausrief: „Her mit dem Jäger. Er muss Schneewittchen töten. Ich bin die Schönste im ganzen Land.“ Doch die herzigen Uzwiler Zwerglein, die zudem mehr als einmal selbstbewusst durch die Reihen des Publikums stapften, liessen diesen grausigen Augenblick rasch vergessen. Und es war auch gut, dass der Schluss nicht gar so blutrünstig ausfiel, wie ihn das Märchen beschreibt. 


Höhepunkt Bühnenauftritt

Die Musikbühne Mannheim hat es sich schon fast zur Tradition gemacht, dass an den Auftrittsorten einheimische Kinder auf der Bühne mitmachen dürfen. Susanna Wipf Fischer hatte dieser Ansatz sehr gefallen. In Uzwil hoppelte da beispielsweise so ein kindlicher Hase herbei, ein ebensolches Reh gesellte sich dazu, noch andere Waldtiere schauten vorbei, als der unglückliche Jäger das arme Schneewittchen im Wald aussetzte. Und dann natürlich die Zwerge. So eine lustige Truppe. Als erwachsene Person staunte man natürlich schon etwas, wie hier „Demokratie“ verkauft wurde. Ein Kreis voller lärmender Zwerge, die darüber abstimmten, ob Schneewittchen bei ihnen bleiben könne oder ob der Prinz den Sarg bekomme. Mit lautem, langanhaltendem Applaus wurden Darstellerinnen und Darsteller, vor allem aber auch die mitspielenden Kinder verabschiedet. Letzteren sah man den Stolz an.

Mitgemacht haben Kinder der dritten Klasse Kirchstrasse, mit ihrer Lehrerin Jasmin Jud, welche auch nach Angaben der Bühne den Zwergensong einstudiert hat. Wer Lust hatte, konnte auf der Bühne auftreten, der Rest zuschauen. Spass hat es offensichtlich allen gemacht.