Vorweg genommen sei, dass die ARA Niederbüren nicht zu den gesamtschweizerisch rund 100 Kläranlagen gehört, welche mit einer 4. Reinigungsstufe für mikrobiologische Verunreinigungen ausgestattet werden müssen. Dies beispielsweise im Gegensatz zur ARA Wil. Die vier Gemeinden Wil, Zuzwil, Jonschwil und Uzwil haben die Absicht, ihre Abwässer künftig der durch die 4. Reinigungsstufe erweiterten Kläranlage in Uzwil zuzuleiten.

Wieso nicht Niederbüren statt Uzwil?

Niederbüren liegt an der Thur und an der Kantonsgrenze zum Thurgau. Es stellte sich deshalb die Frage, ob eine durch die 4. Reinigungsstufe ergänzte ARA nicht in der untersten st. gallischen Gemeinde am Thurlauf, also in Niederbüren statt in Uzwil, platziert werden sollte.

Dagegen sprach der Standort der ARA Niederbüren im Grundwassergebiet. Nicht nur Niederbüren und Oberbüren, sondern rund 30'000 Einwohner in einem Einzugsgebiet, das auch Flawil und die Thurgauer Gemeinde Bischofszell umfasst, beziehen von hier ihr Trinkwasser.

Weiter kann ins Feld geführt werden, dass die fehlende Zuleitung von gereinigtem Wasser auf einer langen Strecke – von Wil bis Niederbüren – für den Wasserstand der Thur und die Gesundheit der Fische problematisch werden könnte. Man denke an den Niedrigstand in diesem heissen Sommer.

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In ihrer Verantwortung liegt die Abwasserklärung in Niederbüren: Niklaus Hollenstein, Präsident des Abwasserverbandes und Gemeindepräsident von Niederbüren, Klärmeister Andreas Meile und der technische Betriebsleiter Erich Zobrist.


Auf 25'630 Einwohner ausgerichtet

Die Ausbaugrösse der ARA Niederbüren wird 25'360 Einwohnern gerecht. Das genüge auch in Zukunft, ist Niklaus Hollenstein, Gemeindepräsident von Niederbüren und Präsident des Abwasserverbandes, überzeugt. Das Einzugsgebiet mit Niederbüren, Andwil, Arnegg, Niederwil, Niederhelfenschwil, Waldkirch, Bernhardzell und Hauptwil ist ländlich geprägt und lasse keinen sprunghaften Bevölkerungszuwachs erwarten.

Ausbau wegen Anschluss Oberbüren

2009 haben sich die Dörfer Oberbüren und Sonnental angeschlossen. Es mussten eine Pumpstation in Oberbüren und eine 4,4 Kilometer lange Druckleitung nach Niederbüren gebaut werden. Die ARA in Niederbüren ist um eine neue Biologiestrasse sowie um ein neues Regenbecken und einen Gasometer für die Klärgasspeicherung erweitert worden.


Schlammanfall bereitete Probleme

Die Ausrichtung auf 25'630 Einwohnergleichwerte genügt nach wie vor. Dagegen kamen aus einem milchverarbeitenden Industriebetrieb in Oberbüren unerwartet grosse Mengen an Schlamm. Deshalb musste die Schlammbehandlung leistungsfähiger gemacht werden. In diesem Bereich kann die Anlage heute 35'000 Einwohnergleichwerte bewältigen. Erreicht wurde das nicht durch eine Erweiterung der Anlage. Der Schlamm wird in den drei bisherigen Faulräumen gelagert. Aber vor der Lagerung wird er entwässert, so dass er weniger Raum einnimmt. Diskutiert werden weiter Vorkläreinrichtungen beim fraglichen Betrieb.

Umweltfreundliches Verfahren

Das bei der Ausfaulzeit anfallende Methangas wird einem Gasometer zugeführt. In zwei Blockheizkraftwerken wird das Klärgas verwertet. Mit der Wärmeenergie werden die Faulräume auf 38 Grad aufgeheizt. Die gewonnene elektrische Energie deckt gut 70 Prozent des Strombedarfs der ARA.

Der ausgefaulte Schlamm wird in die Verbrennungsanlage nach Bazenheid gebracht. Jährlich fallen 300 Tonnen an. In Bazenheid werden sie in einem separaten Ofen verbrannt. Aus der Asche wird das darin enthaltene Phosphor zurückgewonnen.


Kurze Geschichte, rasante Entwicklung

Es ist erstaunlich: Die Kläranlage Niederbüren gibt es noch nicht einmal 40 Jahre! 1981 ist sie in Betrieb gesetzt worden, damals für die Dörfer Niederbüren, Niederwil, Niederhelfenschwil, Hauptwil und den Weiler Sorntal. Die ARA war auf 6'500 Einwohnergleichwerte ausgelegt. 1997 sind Andwil, Arnegg, Waldkirch und Bernhardzell angeschlossen worden. Die ARA Niederbüren ist erweitert und nachgerüstet worden. Sie war jetzt auf 14'400 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Und wie bereits erwähnt, ist der letzte räumliche Ausbau mit dem Anschluss Oberbürens 2009 erfolgt. Technische Erneuerungen und Verbesserungen sind indes laufend erfolgt.

Drei traditionelle Reinigungsstufen

In Niederbüren wird das Abwasser mechanisch, biologisch und chemisch gereinigt. Das hört sich einfach an. Jeder Vorgang ist aber aufwändig und erfordert raffinierte technische Einrichtungen und ausgeklügelte Verfahren. Notwendig ist auch eine kontinuierliche Überwachung der Abläufe und der Wasserqualität. In einer Art Betriebsgemeinschaft sind für die Anlagen Niederbüren und Uzwil fünf Fachpersonen im Einsatz, aufgeteilt auf 230 und 270 Stellenprozente.

Um für den Einbau der mikrobiologischen Reinigungsstufe verpflichtet zu sein, ist die ARA Niederbüren zu klein. Allerdings müssen die Verbundgemeinden pro Einwohner und Jahr einen Solidaritätsbeitrag von 9 Franken leisten.