Die Idee des ehemaligen Männerchorpräsidenten Felix Grünenfelder, verschiedenen Formationen aus dem musikalischen Bereich eine Plattform zu geben, besticht weiterhin. Der Publikumsaufmarsch war – diesmal mit Zertifikatspflicht – recht gross.

Vorgabe

Für einen solchen Auftritt muss lediglich eine Person aus Oberuzwil stammen. Der Auftritt darf höchstens 20 Minuten dauern, denn die Abfolge ist genau getaktet: Auftritt, Lüftungspause verbunden mit Wechsel der Ensembles, und dies immer wieder, ohne Pause. Diesmal meldeten sich 12 völlig unterschiedliche Gruppierungen an. Oft braucht es nur ganz wenig an technischem Support, wobei eine Beobachtung heraussticht: je jünger die Darbietenden, desto grösser der Einsatz von elektronischen Mitteln. Über Alessandro Fiore kann unter dem Link «Auftritt» etwas über «pianofiore» nachgelesen werden. Leider mussten die Betti-Players mit Leiter Marco D’Incau krankheitsbedingt absagen. Das gab eine halbstündige Gelegenheit, sich auch einmal zu verpflegen oder ein Plauderstündchen einzulegen. Die Abfolge der Auftritte hat Männerchorpräsident Thomas Künzle in Absprache mit den Formationen festgelegt, immer mit einem Seitenblick auf musikalische Abwechslung.

Ganz unterschiedliche Stile

Zum Glück lässt der Männerchor den angemeldeten Gruppen freie Hand, was das Repertoire angeht. So kann, wer länger zuhören möchte, die verschiedensten musikalischen Stilrichtungen geniessen, manchmal sogar neue kennenlernen. Diesmal begannen die «Plauschörgeler Oberuzwil» mit ihrer Leiterin – und Musiklehrerin – Elfie Künzle. Sie stimmten mit getragenen, aber auch lüpfigen Tönen in den Tag ein. Dabei fielen Spielfreude sowie ein gewisser Ernst beim Spielen auf. Sogar mitsingen konnte man da, denn «Marina, Marina, Marina» von Rocco Granata kennen viele Generationen. Nur bei Polo Hofers «Alperose» haperte es mit dem Mitsingen etwas. Doch den Shanty «Wellermann» schienen wieder viele zu kennen.

Als Zweites kam die grosse «Schwester» zum Zug, das Akkordeon. Peter Stricker ist langjähriger Leiter des Akkordeon-Orchesters Uzwil. Präzise und äusserst dynamisch folgte das Ensemble seinem musikalischen Leiter. Der Erzherzog-Rudolf-Marsch – auch als Kronprinz Rudolf-Marsch bekannt – liess ein Stück Wiener Geschichte rund um die Zeit des Übergangs vom 19. ins 20. Jahrhundert aufleben. Beim Stück «Slapstick» blitzte gar spitzbübischer Humor auf, als Stricker den «Tschoopen» abzog und mit dem Akkordeon die rassige Weise auswendig akzentuierte. Den Abschluss machte ein Medley aus «Grease», was Stricker als «schmierig» bezeichnete, weil es sich bei diesem Begriff um Pomade handle. John Travolta wurde durch diesen Film allerdings weltberühmt. Stricker meinte dagegen, diese Geschichte sei derart banal, dass ein solcher Film heute keine Chance mehr hätte. Was wohl stimmt?

Jodeln zieht

Man hat dem Jodeln schon öfters den Untergang vorausgesagt. Doch in der Region Uzwil ist davon nichts zu merken. Das Publikum erschien in Scharen, der Jodlerclub Uzwil – verglichen mit den Bildern auf der Webseite des Vereins sichtlich kleiner – beglückte seine Fans mit einem Hochgesang auf Heimat, die unverfälschte Natur und natürlich die Liebe! Es war ein Genuss, die sehr schön harmonierende Stimme von Vorjodlerin und Leiterin Michaela Buob zusammen mit denen der Jodler anzuhören. Der bekannte «Steimannlijutz» erfreute ganz besonders, denn da konnte von vielen innerlich mitgesungen werden. Mit riesigem Applaus bedankten sich die Jodlerfans im Saal. Wer mehr davon hören möchte, hat am kommenden Samstag, 27. November 2021, dazu im Gemeindesaal Uzwil anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums eine nächste Möglichkeit.

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Beim Jodeln gehören die Hände in den Hosensack: Jodlerclub Uzwil


Eine Art Werbeplattform

Kaum ein Verein oder eine Musikgruppe, die nicht auch Werbung in eigener Sache macht. Manche sprechen das ganz klar aus, manche aber machen einzig durch ihre Ausstrahlung Lust auf ein Mitgehen. Immer wieder tauchen auch neue Namen auf. «the weps» – West-End-Praise-Singers – war in Oberuzwil jedenfalls noch nie zu hören. Und auch die «PANkids» hat man in dieser Formation noch nie geniessen können. Zwei junge Mädchen, die sich trauen, auf der Panflöte zur Begleitung ihres musikalischen Begleiters Hansjörg Rechsteiners anspruchsvolle solistische Vorträge darzubieten. Aus Insiderkreisen verlautete, dass sich der Musiklehrer jedes Mal auf die Stunde mit den jungen Talenten freue, ja, dass ihm das in schwierigen Momenten neue Kraft und Motivation gebe. Musik ist eben auch, richtig eingesetzt, eine Art Heilmittel.


Siloballe-Blues

Der Männerchor Frohsinn begeisterte diesmal mit schweizerdeutschen Liedern. Draussen schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel, drinnen besang der Chor den Sonnenuntergang mit «Lueget vo Bärg und Tal». Christian Schneebeli begleitete, kurzzeitig für jemanden eingesprungen, in gewohnt virtuoser Weise und setzte selber feine Akzente, ohne den Männern die Schau zu stehlen. «Meiteli, wenn du witt go Tanze» trug der Chor a capella vor – ganz ohne Begleitung also – rassig und mitreissend. Zwischendrin hörte man zur Freude von Chor und Publikum immer mal wieder ein Kind «Bravo!» rufen.

Doch dann kam der Höhepunkt: Alle Männer zogen, ja warfen ihren Kittel ab, hervor kamen über den blütenweissen Hemden ganz spezielle Hosenträger, die nun einiges zu tun bekamen. Denn der beliebte «Siloballe-Blues» des bekannten, leider 2015 verstorbenen Komponisten und Bauernmaler Dölf Mettler – unterdessen zu einem Ohrwurm geworden – verlangte nach etwas Besonderem. Wie aber Thomas Künzle nun seine Hosenträger malträtierte und dabei eine Art «Laurentia, liebe Laurentia mein» machte – und damit war er nicht allein! – das war schon zum Schmunzeln. Wohl zum ersten Mal hörte man da auch eine Strophe auf eine junge Frau... Und weil es den Leuten so gefiel, ordnete Dirigentin Heidy Gerber kurzerhand noch eine Zugabe an. Das Lied «Alls, was bruchscht of de Welt, das isch Liebe» liess die Männerstimmen darauf mit denen des Publikums verschmelzen, wurde zu einer vielstimmigen Hymne und einem beglückenden Abschluss dieses Liederblocks.

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Spezielle Hosenträger beim Siloballe-Blues. Rechts Männerchorpräsident Thomas Künzle, neben ihm Ehrenpräsident und Initiator dieses Anlasses, Felix Grünenfelder. Dirigentin Heidy Gerber strahlt mit den Männern um die Wette. 


Gospel

Christian Schneebeli hatte nach dem Mittag gleich noch einmal einen Auftritt als Pianist, diesmal mit dem Gospelchor Oberbüren, geleitet von Brigitte Witzig, weil die vereinseigene Dirigentin des Chors, Anja Gähwiler, Mutterschaftsurlaub, hat. Ihre innig gesungenen Songs, von kleinem Körpereinsatz begleitet, liessen die  tiefsinnigen  Liedtexte noch zusätzlich auf die Zuhörerschaft einwirken. «Every Time I Feel the Spirit» oder «Down by the Riverside» sind auch hierzulande bekannt. Raphael Brühwiler rief zwischen den Liedern zum Brückenbauen in dieser herausfordernden Zeit auf. Und der Pianist streute musikalische Soloperlen zwischen einzelne Strophen ein.

Musikalischer Nachwuchs

An der Schule Oberuzwil wird qualifizierter Musikunterricht auf ganz unterschiedlichen Instrumenten angeboten. Die Oberstufe nützt diesen Umstand mit einer Jugendband. Enid Münger versteht es, die Jugendlichen in ihrer musikalischen Entwicklung zu unterstützen. Da es zu lange gedauert hätte, all die verschiedenen Instrumente für den kurzen Auftritt auf die Bühne zu hieven, sass fast die ganze Band leicht versteckt an der Aussenwand. Zwei Solistinnen sangen ohne sichtbares Lampenfieber englische Songs. Verschiedene stolze Eltern schienen mit Fotografieren fast nicht nachzukommen...

Als krönenden Abschluss des von Musik erfüllten Tages stürmten die «Chupa Chups» die Bühne, verstärkt durch einige Stimmen aus dem Oberstufenchor. Wobei «stürmen» nicht so ganz stimmt, denn die Kinder sassen doch eine rechte Weile ganz brav und ruhig vorne auf dem untersten Bühnenpodest. Von Enid Münger mit ausladenden Gesten richtig befeuert, gaben die Kinder dann aber alles. Mädchenstimmen überwogen bei Weitem, denn trotz intensiver Suche konnten nur zwei Buben ausgemacht werden. Doch das tat dem toll choreografierten Programm keinerlei Abbruch. Dass dies ausgerechnet die Söhne des Männerchorpräsidenten sind, passt da perfekt. Ob es da väterliche «Nachhilfe» gab? Vielleicht schon eine provisorische Aufnahme in die Vereinsliste des Männerchors?


Arbeit im Hintergrund

Der Aufwand für die Organisation und Durchführung eines solchen Anlasses ist nicht zu unterschätzen. «Tonfenster-Erfinder» Felix Grünenfelder baut jeweils mit toller Mithilfe von Schülerinnen und Schülern die Bühne auf, die etwas höher und treppenartig sein muss, um allen Sängerinnen und Sängern einen unverstellten Blick auf die musikalische Leitung zu ermöglichen. Umgekehrt ist es auch nicht schlecht, wenn diese alle Singenden gut sehen kann.

Im Laufe dieses ganz besonderen Tages kommen jeweils viele Leute ins Oberstufenzentrum, Fans von Formationen oder einem bestimmten musikalischem Stil, aber auch Eltern und Verwandte von beteiligten Kindern und Jugendlichen. Besucherinnen und Besucher haben im Laufe des Tages vielleicht auch einmal Hunger. Dem wirken die Gourmet-Häfis mit einem kleinen, schmackhaften Angebot an Köstlichkeiten vom Grill entgegen. Und nicht wenige dem Männerchor zugetane Menschen tragen mit ihren Backkünsten zu einem feinen Kaffeekränzchen im Foyer des Schulhauses bei. Das hilft einerseits gegen den Hunger, andrerseits aber auch der Männerchorkasse.

Die Männerchormitglieder betätigten sich nebst dem Singen auch als Service-Personal, Abräumer – natürlich nur an den Tischen! – oder Lüfter, denn in Zeiten von Corona muss auch diesem Aspekt Beachtung geschenkt werden. Dies passierte sehr ruhig, störte den Stimmungsrahmen zu keiner Sekunde, trug aber viel zu einem erneut gelungenen Anlass bei. Ohne den Einsatz von vielen Helferinnen und Helfern könnte so ein Programm gar nicht durchgeführt werden.