Mit dem Inhaberwechsel per Anfang dieses Jahres wurde auch eine neue Führungscrew installiert, die aus dem Geschäftsführer Marko Marinkovic, dem Verkaufsleiter Beat Hälg, dem Finanzleiter Marcel Rechsteiner sowie Sandro Aepli besteht. Mit dem ab 1. Januar 2022 neu eingesetzten Geschäftsführer Marko Marinkovic beförderte der neue Inhaber einen langjährigen Mitarbeiter, der bereits die Lehre bei Aepli Stahlbau absolviert und sich dauerhaft weitergebildet hat. Markos Vater Sreten arbeitete ebenfalls bis zu seiner Pensionierung im Unternehmen als Sägemeister. «Wir haben mehrere Väter, deren Söhne später ebenfalls bei uns angefangen haben. Das zeigt die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, die uns insgeheim unheimlich freut», sagt dazu Sandro Aepli. Dass die Aepli Stahlbau AG als Arbeitgeber sehr geschätzt wird, zeigt auch ein Blick auf die Liste der Jubilare. Jedes Jahr dürfen mehrere Mitarbeitende Jubiläen von zehn bis vierzig (!) Jahren feiern. Dass in Zeiten des Umbruchs ein Interner die Geschäftsführung übernommen hat, versteht der neue Inhaber auch als Zeichen der Kontinuität und des Vertrauens an die bisherigen Mitarbeitenden. «Ausserdem kennt Marko sämtliche Abläufe im Unternehmen nur zu gut Das ist ein Riesenvorteil. Ihm macht niemand so schnell etwas vor», schmunzelt der neue Inhaber.

Aepli Stahlbau AG bleibt am gleichen Standort

Als langjähriger Mitarbeiter steht Beat Hälg als Verkaufsleiter ebenfalls neu in der Geschäftsleitung vermehrt in der Verantwortung. Er soll mithelfen, die geplante Kontinuität und Diversifikation mittels seiner Erfahrung voranzutreiben. Finanzleiter Marcel Rechsteiner ist Leiter der Firma Aepli Management AG, welches als Servicecenter sowohl gegenüber der Aepli Stahlbau AG, als auch für die Aepli Metallbau AG auftritt. Marcel Rechsteiner ist ein wichtiger Eckpfeiler für unsere firmeninterne Weiterentwicklung und Koordinationsstelle zwischen Aepli Stahlbau AG und Metallbau AG. Ruedi und Roman Aepli, die Brüder der 3. Generation des Familienunternehmens, trennten die beiden Bereiche Stahl- und Metallbau 1995, um jeweils eigenständig ihren Geschäftszweig führen zu können. Im Verlauf der Jahre 2022/23 wird die Aepli Metallbau AG in den Neubau bei der Sommerau Nord in Gossau umziehen, die Aepli Stahlbau AG wird am aktuellen Standort an der Industriestrasse 15 bleiben und mittels einer zusätzlichen Halle von 1700m2 Fläche die Produktion erweitern. Aktuell verarbeitet die Aepli Stahlbau AG bei einem Jahresumsatz von rund 17 Millionen Franken zwischen 3‘200 bis 4‘000 Tonnen Stahl. Aufgrund des Unternehmenswachstums entstand zuletzt ein Platzproblem. Der fertig bearbeitete Stahl wird aktuell teilweise auswärts gelagert. «Mit mehr Platz können wir auch mehr Tonnagen mit gleichbleibendem Personal produzieren», erklärt Aepli.

Ganze Wertschöpfung mit eigenem Personal

Die Aepli Stahlbau AG ist eines von nur wenigen Stahlbau-Unternehmen in der Schweiz, das die gesamte Wertschöpfungskette innerhalb der Stahlbaubranche abdeckt. Von der Planung mit Statik-Berechnungen über die Konstruktion am CAD, Herstellung in der Werkstatt inklusive Oberflächenbeschichtung bis zur Montage macht sie alles selbst: «Es wird, wenn möglich, darauf verzichtet mit Subunternehmer zusammenzuarbeiten, denn nur so haben wir die Termine und Kosten im Griff. Wir führen jeden einzelne Arbeitsschritt mit eigenen Mitarbeitern durch», umschreibt es Sandro Aepli. Dass jedes Teil einzeln – quasi als Unikat – produziert wird, hat allerdings den Nachteil, dass keine Serieneffekte genutzt werden können. Mit der Entwicklung von eigenen Produkten wird dem entgegengewirkt. Als Beispiel nennt Sandro Aepli die sogenannten Stahlpilze, deren Produktion.

Meilensteine der Firmengeschichte und der Ära Ruedi Aepli

Ruedi Aepli übernahm 1991 gemeinsam mit seinem Bruder Roman, das 1913 durch seinen Grossvater Viktor Aepli gegründete Unternehmen Aepli & Co. Stahl- und Metallbau, das dieser bis zur Übergabe an seinen Sohn Rudolf Aepli 1955 leitete. Dieser wiederum übergab 36 Jahre später an seine beiden Söhne Ruedi und Roman. Die beiden Brüder teilten 1995 das Unternehmen in die Aepli Stahlbau AG und Aepli Metallbau AG auf.

In Ruedi Aeplis Ära konnte die Firma mehrere beachtliche Bauten realisieren, so unter anderem 2001 den Bau der Halle 1 der Messe Basel, die Waldackerbrücke 2004 oder die Linthbrücke 2008. Auch am Flughafen Zürich sind Bauten der Aepli Stahlbau AG zu sehen. Von 2010 – 2011 wurde das Dock B abgebrochen und neu gebaut, von 2018 bis 2021 realisierte die Aepli Stahlbau AG die 42 Meter hohe und 900 Meter lange provisorische Autobahnschutzwand und das gesamte Aussenglasdach in den Gassen für den Prestigebau «The Circle» in Zürich. Für den Bau der Messehalle Basel wurde das Gossauer Unternehmen mit dem internationalen Stahlbaupreis ausgezeichnet. Ein Blick auf die 2001 ausgestellte Urkunde zeigt, dass die anderen beiden beteiligten Stahlbauer inzwischen nicht mehr existieren. «Mein Vater hat in einer schwierigen Branche, in der mit geringen Margen kalkuliert wird, das Überleben der Firma gesichert und diese in einer sehr guten Verfassung weitergegeben. Gemeinsam mit Stefan Häne haben sie als Führungsduo einen super Job gemacht! Darauf bin ich stolz», würdigt Sandro Aepli die Verdienste seines Vorgängers und Vaters.

Ausbildungsoffensive

Die Aepli Stahlbau AG ist auf Fachpersonal angewiesen. Statt sich darüber zu beklagen, dass Fachkräfte schwierig zu rekrutieren sind, hat sich das Unternehmen für einen anderen Weg entschieden. Man will in Zukunft mehr Lehrlinge intern ausbilden. Dazu wird eine eigene Lehrlingswerkstatt eingerichtet und zusätzliches Betreuungspersonal eingestellt, um den Ansprüchen der Lernenden gerecht zu werden. Für Aepli ist klar, dass jeder Lehrling, der dem Unternehmen langfristig erhalten bleibt, die zusätzlichen Kosten für die Ausbildung mehr als kompensiert. Und wie weit man im Familienunternehmen vom Lehrling aufsteigen kann, hat Geschäftsführer Marko Marinkovic ja gezeigt. Aepli hofft, dass auch immer mehr Frauen den Beruf Metallbau EFZ Fachrichtung Stahlbau erlernen wollen und er kann erste Zeichen in diese Richtung erkennen. «Wir sind sehr stolz, dass wir die erste Lehrtochter als Konstrukteurin und die erste Projektleiterin in der Geschichte von Aepli Stahlbau AG in diesem Jahr für uns gewinnen konnten», erklärt Aepli. Er hofft, in Zukunft noch weit mehr Frauen in der bisherigen Männerdomäne beschäftigen zu können.