Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hat im März die Öffentlichkeit informiert, dass bei Agroscope Umstrukturierungen geplant sind. So soll in den nächsten zehn Jahren eine Zentralisierung der Agroscope-Aktivitäten im freiburgischen Posieux erfolgen. Der Forschungsanstalt Tänikon droht damit ein erheblicher Abbau von Arbeitsplätzen.

Innovationen in der Landwirtschaft ist wichtig
Das Vorgehen hat Irritation ausgelöst, unterzeichnete der Bund doch erst vor kurzem eine Grundsatzvereinbarung mit dem Kanton Thurgau zur langfristigen Weiterführung des Standortes Tänikon. Die Land- und Ernährungswirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in der ganzen Ostschweiz. Eine angewandte Forschung vor Ort, die sich um die aktuellen Herausforderungen kümmert, ist für Innovationen in der Landwirtschaft äusserst wichtig.

Nicht zu vergessen sind die vielfältigen Beziehungen und Netzwerke in Forschung und Bildung, die Agroscope mit Universitäten, Fachhochschulen oder Kompetenzzentren in der Region pflegt. Dieses einzigartige Netzwerk ermöglicht über die Forschung hinaus Kooperationen mit Partnern aus der Privatwirtschaft und dem grenznahen Ausland: Bei einer Verlagerung der Forschung nach Posieux würden die engen Kontakte zu Baden-Württemberg, Bayern und Vorarlberg verloren gehen.

Politische Vorstösse am Laufen 
Eine Schliessung der Forschungsanstalt Tänikon hätte für die landwirtschaftliche Beratung und Ausbildung in der Ostschweiz nicht zu unterschätzende Auswirkungen. Die Ostschweizer Regierungskonferenz wehrt sich daher gegen eine geplante Schliessung. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-N) des Nationalrates hatte im April eine Kommissionsmotion verabschiedet, in denen der Bundesrat eingeladen wird, in Zusammenarbeit mit den Kantonen und den relevanten Anspruchsgruppen eine Strategie zur Entwicklung von Forschung, Züchtung und Beratung im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft zu erarbeiten.

Bis dahin sollen keine weiteren Umstrukturierungsmassnahmen von Agroscope stattfinden. Am 24. Mai 2018 hat die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Arbeit (WBK-N) ebenfalls eine entsprechende Kommissionsmotion verabschiedet.

Sechs Kantone setzen sich für den Erhalt Tänikon ein 
Jeweils am ersten Montag vor der Session der eidgenössischen Räte trifft sich eine Delegation der Ostschweizer Regierungskonferenz mit den ostschweizerischen Mitgliedern der Bundesversammlung. Ziel des Austausches ist es, den Bundesparlamentarierinnen und Bundesparlamentariern zentrale Anliegen der Ostschweizer Kantone zu vermitteln.

Der Ostschweizer Regierungskonferenz (ORK) gehören die Kantone Glarus, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St.Gallen, Graubünden und Thurgau an. Der Kanton Zürich und das Fürstentum Lichtenstein sind assoziierte Mitglieder.