Die Coronapandemie schüttelt die Kulturbranche gerade so richtig durch. Wie haben Sie die letzten Wochen und Monate erlebt?

Anlässlich der Hauptversammlung vom 6. März 2020 waren wir noch zuversichtlich, dass wir unser 50-Jahr Jubiläum wie geplant feiern können. Der kurz darauf ausgerufene Lockdown machte diese Hoffnung schnell zunichte. In verschiedenen Skype-Konferenzen beschloss die Arbeitsgruppe dann, alles neu zu überdenken. Wir entschieden uns dafür, ein 51-Jahr-Jubiläum zu feiern und dafür ein eigenes Stück schreiben zu lassen. Wir beauftragten die Wiler Jungschriftstellerin Bettina Scheiflinger mit dieser Aufgabe. Sie und ihr Wiener Schriftsteller-Kollege Tizian Rupp nahmen diesen Auftrag an und machten sich ab Mitte Jahr daran, ein eigenes Stück für die bühne70 zu entwickeln. Die Urfassung liegt seit zwei Tagen vor und wird nun noch überarbeitet und wo nötig verfeinert.

Wie wäre es eigentlich weitergegangen?

Es war ursprünglich angedacht, die Proben kurz nach der Hauptversammlung 2021, welche am 5. März 2021 stattfinden soll, aufzunehmen, damit wir auf das geplante Aufführungsdatum Ende August bis Mitte September fit sein sollten. Leider ist es im Moment sehr schwer abschätzbar, wie sich dieser Wunschplan realisieren lässt. Massgebend wird sein, ob wir aufgrund der COVID-19 Restriktionen überhaupt in der Lage sein werden, gemeinsam zu proben.

Hand aufs Herz: Wie gross sind die Hoffnungen, dass es überhaupt geht?

Allzu optimistisch sind wir ehrlich gesagt zur Zeit nicht. Wir werden am kommenden Montag eine nächste Skype-Konferenz abhalten, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Natürlich werden wir alles versuchen, unser geliebtes Hobby so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Auf jeden Fall stehen wir baldmöglichst wieder auf der Bühne.

Wie nehmen Sie die Unterstützungen seitens der offiziellen Behörden und der Bevölkerung wahr?

Man spürt, dass die Behörden alles versuchen, das in ihrer Macht stehende zu unternehmen und die Motivation zum Durchhalten vorzuleben. Die Bevölkerung, also in erster Linie unsere zahlenden Mitglieder und Freunde der bühne70 will, zeigten eine grosse Solidarität und unterstützten uns im Jahr 2020 wirklich erstaunlich grosszügig weiter, obwohl wir die Beiträge auf freiwillige Basis gesetzt haben. Dafür gebührt allen ein grosses Dankeschön.

Wenn Sie an die vergangenen 50 Jahre zurückdenken – was war ein grosses Highlight für die bühne70?

Die bühne70 wil darf auf eine grosse Anzahl von Highlights zurückblicken, denn im Grunde war jede Aufführung, zumindest für uns, jeweils ein solches. Sicherlich war die Aufführung von Thornton Wilders «unsere kleine Stadt» anlässlich der Wiedereröffnung nach der grossen Tonhallen-Renovation im Jahre 1978 eine ganz besondere Angelegenheit. Mit dem «schwarzen Hecht», «ein Sommernachtstraum», «Andorra», «eine etwas sonderbare Dame», «der Revisor», «die Physiker» und «Zeugin der Anklage» konnten wir grosse Erfolge an verschiedenen Aufführungsorten in Wil feiern. Ebenfalls erwähnenswert sind unsere äusserst beliebten Esstheaterinszenierungen in Zusammenarbeit mit dem Hof zu Wil.

Zukunftsprognosen sind derzeit zwar schwierig. Dennoch: Was denken Sie, wie es weitergeht?

Da es sich bei der bühne70 wil um einen Laientheaterverein handelt, der in allen Belangen gut aufgestellt ist, denke ich, dass wir – solange es noch Personen gibt, die Freude am Theaterspiel, aber auch jene, die sich gerne Theaterinszenierungen ansehen – weiterhin im Wiler Kulturleben präsent sein werden.

Gibt es ein bestimmtes Stück oder Projekt, das Sie unbedingt auf die Bühne bringen würden?

Wunschprojekte gibt es immer. Für mich persönlich wären Klassiker wie «Arsen und Spitzenhäubchen», «die Mausefalle» oder «die 12 Geschworenen» eine besondere Herausforderung. Am liebsten natürlich aufgeführt in der schönen Tonhalle.