Paul Scherrer, der Mesmer in der kath. Kirche St. Nikolaus, hat bereits im Herbst 2017 ungefähr 30 ruhende Alpensegler unter den Lamellen im Glockenturm der Stadtkirche entdeckt. Gemeinsam mit der Naturgruppe Salix aus Wil und seinem ehemaligen Vorstandsmitglied Rolf Bösch aus Jonschwil wurde festgestellt, dass die Vögel im folgenden Jahr zurückkehrten und mit Brutaktivitäten begannen.

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Mit der Ansiedlung der Alpensegler übernimmt der Turm der Stadtkirche auch eine ökologische Aufgabe. 

Der Kirchenverwaltungsrat der katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil hat in Zusammenarbeit mit der Naturgruppe Salix, der Vogelwarte Sempach sowie mit Gaby Schneeberger (Seglerberaterin der Stadt St. Gallen) die verschiedenen Möglichkeiten von einem richtigen Umgang mit den Vögeln bis hin zu einer aktiven Brutunterstützung im Kirchturm diskutiert. Die Turmsanierung war erst 2016 abgeschlossen worden, und eine Verschmutzung des neu gestrichenen Glockenturms sowie des Glockenstuhls wollte der Rat verhindern. Die Vogelspezialisten versicherten jedoch, dass durch eine aktive Ansiedelung dieser Vögel mehrere Vorteile resultieren:

  1. Andere Vögel (wie zum Beispiel Tauben) werden durch die Alpensegler auf natürliche Weise an einem Aufenthalt oder am Nisten gehindert
  2. An den Lamellen gibt es keine Verschmutzungen, da die Alpensegler hindurchfliegen und sie sich nicht daran festklammern wie andere Vögel
  3. Durch die Ansiedelung einer Alpensegler-Kolonie kann diese bedrohte Vogelart weiter erhalten und die sehr nützliche Alpensegler-Population gestärkt werden.

Die Firmen S. Müller Holzbau AG (Stefan Müller und Alwin Rütsche) aus Wil und Kuratle & Jäcker AG (Ivo Biner) aus Märstetten erklärten sich bereit, die Herstellung der Brutkästen zu übernehmen und diese der Kirchgemeinde kostenlos zur Verfügung zu stellen, um so einen aktiven Beitrag zur Ansiedlung dieser geschützten Vögel zu leisten. Von den vorhandenen 30 Nistplätzen wiesen letztes Jahr bereits sechs Nistnischen eindeutige Kotspuren von Alpenseglern auf. Auch dieses Jahr kehren die Alpensegler in diesen Tagen aus dem Süden zurück und einige werden sich sicher wieder eingenistet.

Gut zu wissen:

Der Alpensegler weist eine Körperlänge von 20 bis 23 cm sowie eine Flügelspannweite bis zu 58 cm auf. Sein Gewicht beträgt 76 bis 125 g. Die Kehle und der Vorderbauch sind weiss, das Brustband ist dunkel, der Schnabel ist schwarz. Die Oberseite des Vogels ist graubraun. Der Schwanz ist gegabelt. Er wird öfters mit einem Falken verwechselt, dem er ähnelt.

Die Tiere können maximal 26 Jahre alt werden. Die Jungen schlüpfen im Juni und Juli nach einer Brutzeit von rund 20 Tagen. Der Brutzeitpunkt ist von der Witterung abhängig. Die Alpensegler brüten in Kolonien in Felsspalten und Grotten sowie im Dachbereich von hohen Gebäuden, die die umliegenden Bauten überragen. Die Nester werden aus pflanzlichem Material, aus Federn sowie aus Papier und aus Plastik gebaut und mit Speichel zu einer Schale verklebt werden. Alpensegler ernähren sich von Kleininsekten wie Blattläuse, Köcherfliegen, Spinnen, Zikaden und weiteren mehr.

Die Tiere ziehen anfangs September, zum Teil später, in ihre Winterquartiere in Westafrika, speziell in Mali und in Sudan um. Forschungen haben ergeben, dass die Tiere in einem Nonstop-Flug innert rund einer Woche vom Sommer- ins Winterquartier wechseln. Die Art gilt als gefährdet, bei der letzten Zählung wurden rund 2300 Brutpaare registriert.