Die Vernissage vom Samstagabend war in gewissem Sinn auch eine Finissage. Gemeinderätin Dora Hadorn gab als Präsidentin der Galeriekommission ihrer Freude Ausdruck, dass unter den drei Kunstschaffenden mit Ingrid Cantieni auch eine Uzwilerin sei, die zugleich Mitglied der Galeriekommission ist. Dass die aktuelle Ausstellung die letzte im alten Bankgebäude sei, erfülle aber auch mit Wehmut. Der Ort sei mit Erinnerungen an viele sehenswerte Ausstellungen, an Begegnungen mit Künstlern und ihren Werken und an freundschaftliche Gespräche verbunden. Glücklicherweise könne all dies ab 7. September dieses Jahres in den neuen Räumen der Galerie an der Bahnhofstrasse 77 in Uzwil eine Fortsetzung finden. 


Seminararbeit gab den Anstoss

Ingrid Cantieni hat mit 44 Jahren eine neue Ausbildung zur Handarbeitslehrerin in Angriff genommen. Als Abschlussarbeit im Fach Werken habe sie eine lebensgrosse Papiermaché-Figur Nana hergestellt, war in der Laudatio von ihrer Tochter Birgit Berger-Cantieni zu erfahren. Damit sei der Grundstein für ihre weitere Beschäftigung mit dem Material – alte Zeitungen und Kleister – gelegt worden. Gute Erfahrungen habe sie mit dem Einsatz dieser Technik im Johanneum in Neu St. Johann gemacht. Die Schüler hätten ihre manuellen Fähigkeiten entwickeln und Selbstvertrauen schöpfen können.


Ausdrucksstarke Papiermachéfiguren

Sie habe auch selber intensiv mit dieser Technik weitergearbeitet. Die Inspiration für ihre Figuren hole sie sich beim Besuch von Ausstellungen und in den Medien, aber vor allem gehe sie mit offenen Augen durch die Welt und setzte ihre Ideen eigenständig um. Das Gestalten habe für sie auch eine meditative Komponente. Das Material lasse sich formen und gestalten. Beim Trocknen verändere und verforme es sich aber. So brauche es immer wieder zusätzliche Arbeitsschritte. Mit der Zeit habe Ingrid Cantieni eigenständige Motive geschaffen: Tiere, Engel, Familien, Sportler oder Trachtengruppen. Alle Objekte strahlten einen gewissen Schalk aus.


Gemalte Bewunderung der Heimat

Blumen, Berge und Landschaften sind die Motive von Hanspeter Müller. Die wunderbare Einfachheit der wahren Kunst, die Picasso als verloren beklagt hat, steht ihm nach Ansicht seiner Laudatorin Yolande Zwicker aus Rapperswil-Jona noch zu Gebot. Beim Betrachten seiner Bilder habe sie das Gefühl, wirklich in der Natur zu sein. Er male auf spontane und kräftige Art. Das bedeute aber nicht, dass die Bilder beliebig oder zufällig seien. Er arbeite sehr intensiv und habe in letzter Zeit auch verschiedene Techniken ausprobiert: Acryl, Öl, Pinsel, Spachtel. Gleichzeitig habe er sich weitergebildet, im jüngsten Kurs auch im Aktmalen.

Hanspeter Müller wurde 1972 in Urnäsch geboren. Dort ist er aufgewachsen und hat eine Lehre als Zimmermann absolviert und in verschiedenen Bereichen der Holzbranche gearbeitet. Sein Talent sei ein Stück weit ererbt, führte Yolanda Zwicker aus. Sein Grossvater sei ein bekannter Holzschnitzer gewesen. Das umfangreichste Werk «Gang rüef der Bruune» bestehe aus 138 Kühen aus verschiedenen Holzarten. Als Knabe sei Hanspeter von seinem Grossvater gefördert worden. Auch sein Vater und sein Onkel seien im gleichen Bereich kunsthandwerklich tätig gewesen. Während für Hanspeter Müller das Malen ein Hobby gewesen sei, habe es heute einen viel grösseren Stellenwert.


Fantasievoll gestaltete Bilder

Monika Oettli aus Schönholzerswilen sagt von sich selber: «Malen, dekorieren und immer wieder Neues zusammenfügen ist meine Passion. Jedes Stück gestalte ich nach meiner Fantasie, die beim Machen immer wieder neue Ideen entstehen lässt. Ich male aus dem Betrachten der vielfältigen Natur, aus Intuition und Gefühl. Ich arbeite mit Acryl, Sand, Tusche, Teer, Eisen, Rost, Papier und vielem, was meine Kreativität anregt. So entstehen interessante Strukturen und Oberflächen.»

Ihr Schaffen wurde durch Heinz Berchtold gewürdigt, der ebenfalls Maler ist und aus Schönholzerswilen stammt. Er schilderte sie als intensiv und konsequent arbeitende Malerin, die in verschiedenen Stilrichtungen arbeite. Einzelne Bilder liessen dem Betrachter einen verhältnismässig grossen Interpretationsspielraum, andere zeigten konkrete Situationen aus der Natur. Je länger man die Bilder betrachte, desto intensiver faszinierten sie einen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung in der Galerie zur alten Bank ist bis am Sonntag, 26. Mai jeweils donnerstags von 18 bis 20 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.