Bereits am Dienstaghaben hat die Tonhalle Wil bekannt gegeben, dass sie trotz der aktuellen Lage «die Künstler unterstützen und den Zuschauern ein Angebot in einer schwierigen Zeit bieten will» (siehe Artikel unten). Selbstverständlich unter den verordneten Schutzmassnahmen des Bundes. So bleiben mindestens 350 der 400 Stühle in der Tonhalle leer. Natürlich gilt auch eine Maskenpflicht – ausser am Tisch an der Theaterbar. Zwischen den einzelnen Personengruppen wird mindestens ein Sitz freigelassen. Die Pause ist gestrichen – oder wird, wenn sie für einen Bühnen-Umbau benötigt wird, auf ein zeitliches Minimum beschränkt. Die Garderobe ist nicht bedient, um Menschenansammlungen zu verhindern. Die freien Stühle im Saal dienen als improvisierte Garderobe.

Auch im Programm gibt es verschiedenen Veränderungen: Wegen der aktuellen Lage musste das Musical «Der Mann von la Mancha» auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Am Mittwochnachmittag gibt Florence Leonetti, Gesamtleiterin der Tonhalle Wil, bekannt, was nun als Alternative am 4. Dezember um 20 Uhr auf dem Programm steht: «Zapzarap – Hohenstein».

Die neuen Verordnungen setzen auch eine neue Sitzordnung voraus. «Neu sind nur noch 50 Zuschauer pro Aufführung erlaubt», heisst es in einer Medienmitteilung. Die Verantwortlichen der Wiler Tonhalle verzichten deshalb auf Platzkategorien und bieten den Zuschauern die Vorstellung zu einem Einheitspreis von 35 Franken pro Person an. «Unser Schutzkonzept, das wir seit Anfang der Saison anwenden, hat sich bewährt», heisst es in der Mitteilung weiter. Durch die geringe Anzahl an Zuschauern könne man die Abstände zwischen den Zuschauergruppen noch erhöhen.

Das ist das Alternativstück

Doch worum geht es im Alternativstück genau? In «Hohenstein» spielen acht Figuren drei Geschichten mit einem Schluss. Es geht um den Bau einer 5G-Antenne, um Korruption, Widerstand und die Sehnsucht nach Paris. Fredi’s Tankstelle läuft nicht mehr, seit die Autobahn eröffnet wurde. Tinu will nach Paris und erfindet hundert Gründe, nicht zu gehen. In Marlies’ und Georg’s Einfamilienhausquartier ist es mit der Ruhe vorbei, seit eine 5G Antenne gebaut werden soll. Ein Tankdeckel geht auf Reisen und die Ruine Hohenstein steht über dem Ganzen und fürchtet das Ende nicht.

«Seine Programme kreiert Zapzarap basierend auf aktuellen Themen», informiert die Tonhalle weiter. Die Geschichten, die Zapzarap daraus entwickelt, «zeichnen sich aus durch Fantasie, skurrile Zwischentöne und theatrale Prägnanz». Bei Zapzarap stehen Acapella Gesang und Schauspiel in all seinen Facetten im Zentrum. Die Stimme ist Geräusch, Musik und Stilmittel. Für die Produktion «Hohenstein» werden Spiel und Gesang mit Bass, Trompete und Akkordeon untermalt. (pd)

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Von wegen «alles abgesagt»: Die Wiler Tonhalle spielt weiter  (10.11.20)

Die Kulturanbieter reagieren ganz unterschiedlich auf die Vorgaben des Bundesrates mit maximal 50 Zuschauern: Das Theater St. Gallen zieht sein Programm soweit möglich durch. Das Theater Schaffhausen hat bis Weihnachten alles abgesagt. In Winterthur werden die kleineren Produktionen aufgeführt. In Wil soll, wie in St. Gallen, so viel wie möglich gespielt werden. «Wir haben den Auftrag, etwas zu machen, wenn es finanziell im Rahmen ist. Wir wollen die Künstler unterstützen aber auch den Zuschauern ein Angebot in einer schwierigen Zeit bieten», sagt Florence Leonetti, Gesamtleiterin der Tonhalle Wil.

Aber natürlich braucht es auch in Wil Flexibilität und Anpassungen. 350 der 400 Tonhallen-Stühle bleiben jeweils mindestens leer und es gilt eine durchgehende Maskenpflicht, ausser am Tisch der Theaterbar. Zwischen den einzelnen Personengruppen wird mindestens ein Sitz freigelassen. Die Pause ist gestrichen – oder wird, wenn sie für einen Bühnen-Umbau benötigt wird, auf ein zeitliches Minimum beschränkt. Die Garderobe ist nicht bedient, um Menschenansammlungen zu verhindern. Die freien Stühle im Saal dienen als improvisierte Garderobe.

Aufführungen teilweise im Doppelpack

Auch das Programm hat einige Veränderungen erfahren. Als nächstes steht der Dürrenmatt-Klassiker «Der Besuch der alten Dame» auf dem Programm. Neben der geplanten Vorstellung am 28. November findet nun eine zusätzliche am 27. November statt, damit immerhin 100 Personen dabei sein können. Am Freitag danach wäre das Musical «Der Mann von la Mancha» im Programm gestanden. Diese Veranstaltung ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Dafür wird an jenem 4. Dezember eine Alternative geboten. Was es sein wird, kommuniziert Florence Leonetti in den nächsten Tagen.

Das Neujahrs-Konzert am 2. Januar findet gemäss aktuellem Planungsstand statt – in doppelter Aufführung um 17 Uhr und um 20 Uhr. Bereits haben 200 Personen ihr Interesse angemeldet, 100 werden bei den Auftritten der südwestdeutschen Philharmonie Konstanz dabei sein können. Fragezeichen stehen hinter den Aufführungen des Kriminal-Klassikers «Die Mausefalle» am 15. Januar und des Broadway-Musicals «The Addams Family» am 11. März. Dazwischen sind mehrere Schweizer Produktionen geplant, die sollten durchgeführt werden können. Zudem hat Florence Leonetti von der Betriebskommission grünes Licht erhalten, zusätzlich drei kleinere Produktionen ins Programm aufzunehmen.

Besucher zeigen Verständnis

Die alles unter der Prämisse, dass die Corona-Situation bleibt, wie sie ist. Und genau das macht das Planen so schwierig. Vielleicht ist im Dezember schon wieder alles anders. Tickets werden jeweils erst kurz vor der Aufführung verschickt. Davor sind Reservationen möglich. Und wie reagieren die Tonhallen-Besucher? «Sie zeigen viel Verständnis, auch wenn sie halt nicht am gleichen Ort sitzen wie gewohnt. Die Leute sind froh, dass in dieser Zeit überhaupt etwas läuft», sagt die Tonhallen-Leiterin.