Eigentlich müssten die Stadt Wil und Thurvita AG ein Interesse haben, den Bau von Alterswohnungen koordinieren zu können. Mit dem Ausstieg der GAW besteht die Gefahr, dass Thurvita und die GAW sich einst bezüglich Angebot konkurrenzieren könnten. Bekanntlich ist die Stadt bei der GAW wie auch bei der Thurvita beteiligt.

Unterbaurecht kennt man kaum

Nach Bruno Gähwiler wird die Form eines Unterbaurechtes kaum angewendet. In Wil gebe es seines Wissens nach kein einziges. Das Unterbaurecht sei nicht einmal in jedem Fall ein selbständiges Grundstück. Gemäss Abklärungen der GAW gebe es zudem bezüglich Finanzierung bei Banken Vorbehalte.

Die GAW wird sich nun auf ein anderes Projekt konzentrieren. Die GAW hat heute eine grosse Warteliste, welche sie mit einem weiteren Genossenschaftsbau befriedigen könnte. Das Nein zu Bronschhofen bedeute aber nicht ein Abwenden von der Thurvita. Bekanntlich hätten die GAW beim Wohnangebot an der Haldenstrasse eine Vereinbarung mit der Thurvita über Notfall-Dienste und Nutzung der Angebote im Zentrum Sonnenhof. Zudem werden Bewohnende der Alterswohnungen durch die Spitexdienste von Thurvita versorgt.

Baurecht der Zankapfel

Das Problem bezüglich Baurecht liegt nach Gähwiler nicht bei der Thurvita, sondern bei der Stadt. Die Betonung, nur mit einem Ansprechpartner zu verhandeln könne nicht gelten. Die GAW habe gleich mehrere noch Jahrzehnte lang laufende Baurechtsverträge mit der Stadt. So könnte auch in Bronschhofen der GAW ein Baurecht zugestanden werden.

Nach Gähwiler ist nicht das Baurecht allein das Problem. Beim Studium des Baurechtsvertrages seien bezüglich detaillierter Vereinbarungen Zweifel an deren Umsetzbarkeit anzubringen, was letztlich auch für die Thurvita ungünstig ausfalle. Der Baurechtsvertrag mache z.B. finanzielle Vorgaben für Mietzinse von Wohnungen, ohne Wissen der effektiven Baukosten. Übers Ganze gesehen, seien zu viele Details geregelt, welche GAW in bisherigen Baurechtsverträgen nicht kennen. So müsse sich auch die Liegenschaftenkommission bzw. das Parlament mit dem Baurechtsvertrag auseinandersetzen, wieweit dieser sich nutzbringend zeige.

Drohendes Überangebot in Bronschhofen

Ein mögliches Überangebot an Alterswohnungen sieht der GAW-Präsident Bruno Gähwiler mindestens auf Stadtgebiet nicht. Die bestehende Warteliste zeige deutlich, dass eine zunehmende Nachfrage nach Alterswohnungen bestehe.

Wenn man von einem Überangebot reden wolle, könne dies bei den geplanten 34 Alterswohnungen im Bronschhofen eintreten. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl vom Dorf Bronschhofen sei diese Anzahl Alterswohnungen möglicherweise zu hoch. Mit Blick dahin, dass Betagte lieber im Stadtzentrum wohnen, könne sich das Überangebot noch verschärfen.

Nachdem der für die Baubewilligung notwendige Sondernutzungsplan noch immer nicht aufgelegt wurde, so Gähwiler in seiner Stellungnahme, könnten wegen Einsprachen ohnehin noch Jahre bis zu einer Realisierung der Alterswohnungen bzw. des ganzen Quartierzentrums vergehen.