Wir Menschen werden alle älter. Eine Tatsache, die jedem einzelnen bewusst ist und einzelne auch verunsichert. Irgendwann stellt sich jeder Mensch folgende Fragen: «Wo werde ich eines Tages sein, wenn ich alt und pflegebedürftig bin? Will ich später von meinen Kindern gepflegt werden? Oder werde ich bereit sein, in ein Alterszentrum zu gehen? Oder doch in eine Residenz? Was werde ich mir leisten können? Und wie werde ich dann von anderen Menschen gepflegt und behandelt? Werde ich mich da wohlfühlen?» Und genau da setzt das Regionale Alterszentrum Tannzapfenland (RAT) an. «Wir stellen jeden einzelnen Bewohner, den wir betreuen und pflegen, in den Mittelpunkt», sagt Zentrumsleiterin Renate Merk. Dabei liege es den Verantwortlichen der Institution am Herzen, den Menschen mit Respekt und Würde zu begegnen.

Um dieses Ziel umsetzen zu können, achtet nicht nur die Leitung des RAT auf bedürfnis- und bedarfsorientierte Dienstleistungen, sondern auch die Mitarbeiter tun es. «Bei uns werden die Bewohner individuell betreut und gepflegt», sagt Renate Merk. Schliesslich habe jeder einzelne Bewohner eine eigene Lebensgeschichte, Bedürfnisse, Ressourcen und Gefühle. Das zu verstehen, ist für eine wertschätzende und wohlfühlende Atmosphäre sowie ein würdevolles Altern wichtig. Doch wie kann man im teilweise stressigen Berufsalltag genau diese Philosophie umsetzen? «Um darauf zu antworten, müsste ich ein ganzes Buch schreiben», sagt die Zentrumsleiterin. Es sei eine Kunst, dass die Mitarbeiter den Bewohnern aktiv zuhören. «Das sollte täglich unser Ziel sein.» Denn genau das sei das Schöne und Herausfordernde am Pflegeberuf. «Um eine optimale Betreuung und Pflege gewährleisten zu können, arbeiten wir in Teams zusammen, die für einzelne Stationen und Bewohner zuständig sind», erklärt Renate Merk weiter.

 
(Video: Mykhailo Zinchenko)

Das Ziel, älteren und pflegebedürftigen Menschen neben der individuellen Begleitung auch Aktivitäten, Lebensgestaltung, Gesundheitspflege und kulinarische Köstlichkeiten anzubieten, steht im RAT im Fokus. «Das machen wir in einer offenen und wertschätzenden Atmosphäre», sagt Zentrumsleiterin. Die Gemeinschaft solle durch das gemeinsame Leben gefördert werden. «Dabei ist unsere Pflege bedürfnisorientiert, partnerschaftlich, qualitätsorientiert und auf die Fähigkeiten unserer Bewohnerinnen und Bewohner ausgerichtet», so Renate Merk.

Das Alterszentrum im ständigen Wandel

Das Regionale Alterszentrum Tannzapfenland, das sich im Rebenacker 4 in Münchwilen befindet, weiss genau, worauf es beim zeitgemässen Wohnen im Alter ankommt. Schliesslich feiert es sein 40-Jahr-Jubiläum. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat das Thurgauer Alterszentrum unzählige Hürden übersprungen. «Einer der bedeutendsten Meilensteine in unserer Geschichte ist das Betriebskonzept 2020», ist Zentrumsleiterin Merk überzeugt. Mit diesem Konzept, dessen Vision im Frühling 2011 erarbeitet wurde, stand ein Ziel im Fokus: Das Alterszentrum sollte von der Grösse, Kapazität und vom Umfang her fertig gebaut werden. So wurde in den vergangenen Jahren in drei Etappen gebaut: Dazu gehört der Neubau der Wohngruppe mit 25 Einzelzimmern. Bei der Infrastruktur wurde die Cafeteria umgebaut, das Provisorium Bella Vista abgerissen und neue Parkplätze sind erstellt worden. Zudem wurde der Neubau mit 17 zusätzlichen Alterswohnungen realisiert. «Gerade im Gesundheitswesen und insbesondere in der Altersbetreuung bedeutet der Stillstand auch Rückschritt», sagt Renate Merk.

Um konkurrenzfähig bleiben zu können, arbeitet das RAT bereits jetzt an einem Konzept für das Jahr 2030. «Zum Erfolg gehören aber nicht nur neue Ziele und eine stetige Weiterentwicklung», sagt Zentrumsleiterin Merk, die seit 1998 im RAT arbeitet. Seit dem Jahr 2015 übt sie ihr Amt als Zentrumsleiterin aus und betont: «Die Beibehaltung der Qualität, indem man die entstandenen Veränderungen immer wieder in den Fokus rückt, ist ein bedeutender Teil unseres Erfolges.» 

Der soziale und demografische Wandel verläuft rasant. «Es gehört zum Alltag eines Alterszentrums, dass für die älteren Generationen in der Gesellschaft stets neue Wohn- und Versorgungsformen entwickelt werden müssen», sagt Renate Merk. Umso bedeutender sei es, dass sich eine Institution wie das Regionale Alterszentrum Tannzapfenland kontinuierlich weiterentwickelt und mit dem Zeitgeist mitgeht. Denn vieles ist heute anders als noch vor wenigen Jahrzehnten und wird sich in Zukunft weiter ändern. Einfluss darauf habe nicht nur der demografische Wandel, sondern auch der medizinische Fortschritt und die steigende Lebenserwartung. «Die Betreuung und die Pflege von älteren Menschen hat sich in den vergangenen Jahren bedeutend verändert», sagt die Zentrumsleiterin, die mit 18 Jahren eine Ausbildung zur «Krankenschwester» absolviert hatte. So gestalte jeder Bewohner seinen Alltag im Alterszentrum selbst. «Jeder Mensch hier hat seinen eigenen Rhythmus, und den soll er auch hier bei uns haben dürfen.» Zentrumsleiterin Renate Merk weiss aus ihrer eigenen Berufserfahrung, welche Schwerpunkte in einem Pflegeheim vor 40 Jahren gesetzt wurden und ist dankbar für den Wandel.  

Ein Blick in die Zukunft

Wohin die Reise des Regionalen Alterszentrum Tannzapfenland gehen wird, kann Merk zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. «Wie gesagt, arbeiten wir am Konzept 2030», sagt die Zentrumsleiterin, «wie dieses aussehen wird, können wir noch nicht definieren». Für das RAT sei es wichtig, regelmässig zu analysieren, wie es positioniert ist und in welche Richtung es sich in Zukunft entwickeln möchte. Aber ist es bereits jetzt absehbar, in welche Richtung sich die Alterspflege und -betreuung in den nächsten Jahren entwickeln wird? «Die ganze Betreuung, Pflege und Beratung wird immer komplexer und deshalb werden wir uns als Alterszentrum noch besser positionieren müssen», sagt Merk. Denn auch in Zukunft werden sich die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Pflegebedürftigen, die in ein Alterszentrum eintreten, bedeutend verändern.

Damit spricht Merk die nationale Verordnung an, die festlegt, dass die ambulante Betreuung und Pflege, wie beispielsweise Spitex, gefördert werden muss. «Je länger die älteren Menschen zu Hause betreut und gepflegt werden, desto später werden sie aus Sicherheitsgründen in ein Alterszentrum übertreten», denkt Merk. Und diese Entwicklung finde bereits zum aktuellen Zeitpunkt statt. Deshalb habe das RAT in den vergangenen Jahren bewusst in neue Alterswohnungen investiert. «Diese Wohnform hat eine Zukunft», weiss Renate Merk.