Trotz unsicherem Wetter - es blieb schliesslich trotz grauer Wolken trocken - fanden sich am Montagabend rund 50 Kunst- und Literaturinteressierte bei der Plattform des Stadtweiers ein. Wils Stadtpräsidentin Susanne Hartmann freute sich darüber, dass mit «Zu Ohren» erstmals ein digitalisiertes Kunstprojekt von der Stadt Wil unterstützt wird. «Man trifft bei «Zu Ohren» zuerst auf etwas Wahrhaftiges und wechselt dann auf eine andere Ebene, das Gehör. Am Ende kehrt man wieder zurück», umschrieb Hartmann das eigene Empfinden.

Als eine weitere, spannende Komponente, welche die Geschichten bereichert, erachtete die Wiler Stadtpräsidentin die äusseren Einflüsse, mit denen sich die Hörenden – so lange sie keine Kopfhörer tragen – zusätzlich auseinandersetzen zu haben: «Mal singen die Vögel, dann hört man den Springbrunnen, und je nach Wetter und Laune lauscht man auch den Geschichten ganz anders.» 


Heimliches Beobachten

Die gebürtige Wilerin Bettina Scheiflinger sagte, dass sie nicht nur als Kleinkind und Jugendliche viele Erinnerungen an dern Stadtweier in sich trage, sondern dass sie in den vergangenen Monaten viele Leute rund um den Stadtweier beobachtet und ihnen auch heimlich zugehört habe. Dies vor allem aus einem Grund: «Ich wollte viele verschiedene Perspektiven und so einen Zugang zu den fiktiven Figuren der Geschichten finden.» Die fünf Geschichten, welche mal im Dialekt, mal auf Hochdeutsch gesprochen werden, erfahren durchs Verbale eine Erweiterung ihrer ursprünglich schriftlichen Form. Dies wäre ohne die vielen Leute, die nichts davon wussten, dass sie ein Teil des Projekts sind, nie in dieser Form möglich gewesen, räumte Scheiflinger ein.

Geschichten per QR-Code herunterladbar

Insgesamt sind rund um den Stadtweier an fünf Kandelabern Tafeln aufgehängt, an denen jeweils die Geschichten per Smartphone (QR-Code) heruntergeladen und danach angehört werden können. Die Geschichten, welche die Titel «Verfolgt», «S’Weiermärli», «Dä Herr Frick, dä Entäwart», «Tote Fische» und «Altstadtansichten» tragen, sind zwischen zweieinhalb und zehn Minuten lang und lassen sich den verschiedensten Literatur-Genres – wie Märchen und Krimi – zuordnen.