Wie der Inhaber der Mercado Swiss Destillery, Andy Bössow, in seiner Begrüssung am Mittwochnachmittag sichtlich stolz erklärte, habe man mit dem Fasslager 4.0 eine «Weltneuheit» geschaffen, auf dessen Innovationsgrad die Mitbewerber in Sachen Whisky aus Schottland, Irland, den USA oder Japan durchaus neidisch sein könnten.

Zukunftsweisenden Fasslager

Zwar hat das moderne Fasslager keine Ähnlichkeit mit dem eines romantischen Fasskeller, dessen Grundsteinlegung Jahrhunderte zurückliegt, doch der architektonisch sehr ansprechende und helle Holzbau beherbergt ein Fasslager, das nichts weniger als zukunftsweisend ist. Oder wie Bössow erklärte: «Die Premium-Qualität unserer Destillate hängt zu 40 Prozent von den Rohstoffen und dem Brennprozess ab und zu 60 Prozent vom Fass und dessen Lagerung. Die Fassreifung ist also die Königsdisziplin der Veredelung». Tatsächlich beeinflussen die Charakteristika des Fasses, das Mikroklima im Fasslager, die Temperatur, die abgestimmte Luftfeuchtigkeit, aber auch die Zeit, während der ein Destillat reift, den Geschmack enorm. Aus diesem Grund kann eine kleine, zugleich aber auch sehr anspruchsvolle Firma, wie Marcado eine ist, sich keine grossen Experimente bei der Fasslagerung leisten.

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Trotz Sommerferien und Maskenpflicht liessen es sich viele Gäste nicht nehmen, der Eröffnung des Fasslagers 4.0 beizuwohnen.
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Der Inhaber der Macardo Distillery, Andy Bössow, heisst seine Gäste zur Eröffnung des Fasslagers 4.0 willkommen.


Vernetzung schreitet zügig voran

Entworfen wurde das neue Fasslager 4.0 durch die Zusammenarbeit der beiden Ingenieure Rudolf Bossert (Marcado Swiss Distillery GmbH) und Bruno Schläpfer (Conmetec GmbH) mit den beiden Studenten Ivan Krajinovic und Lars Müggler. Letztere entwickelten an der ZHAW School of Engineering in Winterthur im Rahmen ihrer Bachelorarbeit «Fasslager 4.0: Vernetzte Qualitätsüberwachung von Fasslagern» ein sensorengestütztes Gerät, das die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und das Gewicht des Fassinhaltes misst. Die Messungen sind automatisiert und die Messintervalle einstellbar. Wie einer der beiden Studenten erklärte, könnte man das Gerät so betreiben, dass eine Batterie bis zu zehn Jahre hält. Aktuell sind zehn solcher Sensormodule bei Marcardo in Betrieb, doch bis Ende Jahr sollen es bereits 250 sein und langfristig das ganze Lager, in das 450 Fässer passen, damit ausgerüstet werden.

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Diesen beiden Studenten der ZHAW Zürich, Lars Müggler (links) und Ivan Krajinovic, ist die Entwicklung des Fasslagers 4.0 zu verdanken.
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Auch der Amtsleiter des Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kanton Thurgau, Daniel Wessner, liess es sich nicht nehmen, sowohl den Auftraggebern als auch den Entwicklern des innovativsten Fasslagers der Welt für ihren Einsatz und Pioniergeist zu danken.


Stark lobte innovative Wissenschaftler

Lobende Worte gab es auch aus Politik und Wirtschaft. Der Thurgauer Ständerat Jakob Stark erklärte, dass ihm bei so viel Erfindergeist und Innovationsbereitschaft ihm nicht bang davor sei, dass die Schweiz den Anschluss an internationale Wissenschaftsspitze mittelfristig verpassen könnte. Diese jungen Menschen seien der Beweis dafür, dass die Schweizer Wissenschaft innovativ sei, so Stark. Auch der Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau, Daniel Wessner, pflichtete bei, dass «dies alles andere als eine Schnapsidee» gewesen sei. Dass das innovative Fasslager nicht in einer grossen Stadt stehe, freue ihn dabei besonders: «Ich bin stolz, dass es im Thurgau, an einem Ort passiert, der nicht gerade auf jeder Landkarte zu finden ist. Das zeigt aber auch, wie wichtig die Digitalisierung für solche Projekte ist», so Wessner.

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Weinfeldens Stadtpräsident Max Vögeli (links) und der Thurgauer Ständerat Jakob Stark lassen sich von Macardo-Chef Andy Bössow im Fasslager fachmännisch die Gläser nachfüllen.
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Die Besichtigung des neuen Fasslagers 4.0 stiess bei den geladenen Gästen auf ein grosses Interesse.