Das MUSIKTHEATER WIL spielt ab Januar 2018 Donizettis „Die Regimentstochter“. Musikalischer Leiter Kurt Koller befreit in seiner Herangehensweise die Musik von überladenem Zubehör.Namhafte Sopranistinnen und Tenöre brillieren landauf landab in den Partien von Marie und Tonio. Schaut man in einschlägigen Lexika nach, wird diesen beiden Belcanto-Partien jedoch ein „extrem schwieriges“ Niveau attestiert. Eine Einschätzung, die Kurt Koller, musikalischer Leiter des MUSIKTHEATER WIL nicht teilt, er hält diese Aussage für eine Legende.

Überladene Koloraturen
„Es kommt immer darauf an, ob eine Stimme im richtigen Fach singt“, erklärt er. So werde eine „schwere“ Stimme die Partie der Marie als schwierig empfinden. Andererseits sei es für eine zu leichte Stimme noch viel schwieriger, eine grosse Verdi-Partie zu singen. „Rein musikalisch kann diese Behauptung also nicht aufrecht gehalten werden.“

Zudem können man sich eine an sich gängige Partie zusätzlich schwer machen, wenn man diese mit nicht enden wollenden Kadenzen und Koloraturen überlädt, wie es die grossen Primadonnen der Vergangenheit getan haben. Was vom Komponisten so aber nicht vorgesehen sei. „Bisweilen war die originale Komposition nicht mehr zu erkennen“, erzählt Koller. Die Musik im Dienste der Interpreten?

Herausforderung
Die Schwierigkeiten der „Regimentstochter“ liegen im normalen Rahmen einer Belcanto-Oper. Lediglich die Anforderungen an den Tenor sind hoch: Er muss über eine sehr gute und leichte Höhe verfügen.

Ausserdem sind die Chorpartien zum Teil sehr schwierig auswendig zu lernen. Demzufolge gestaltet sich die Probenarbeit schwierig: „Mit einer so lebendigen, quirligen Regie, wie sie Regina Heer macht, ist es sehr schwierig, auswendig zu singen“, meint Koller. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, der sich die Sängerinnen und Sänger des MUSIKTHEATER WIL in diesen Wochen stellen.

Zusammenhänge
Die koloraturüberlasteten Einspielungen erfordern eine neue Herangehensweise an die „Regimentstochter“: „Diese Aufnahmen überzeugen mich nicht mehr, weil sie interpretatorisch oft völlig an der Handlung und den Charakteren vorbei musiziert sind“. Früher habe man wohl noch relativ unbekümmert drauflos musiziert.

Heute dagegen nimmt man Stücke ernster und sieht v.a. auch den Zusammenhang zwischen Musik und Handlung. Dass die Wiler „Regimentstochter“ in diesem Geist stehen wird, beweist eine kleine Diskussion während einer Probe zwischen Nicole Bosshard und Kurt Koller: Ihr individuelles Verständnis der Worte „Es muss sein“ schlägt sich in der gesanglichen Interpretation nieder.

Strukturen belassen
Kurt Koller geht es darum, die musikalischen Strukturen deutlich zu belassen. „Die Form der Musik darf nicht durch haufenweise Einschübe, Fermaten oder ausschmückende Läufe verdeckt werden.“ Die Tempi dauernd zu variieren, um den Sängern die Möglichkeit zu geben, ihre blendenden Höhen zur Schau zu stellen, hält Koller für unverantwortlich dem Werk gegenüber. „Genau das wurde in der Vergangenheit von den „grossen Stimmen“ bis zum Geht nicht mehr gemacht“, klagt Koller. Für Koller ist das vom Komponisten gesetzte Werk Basis. „Kleine Zutaten und Verzierungen sind an manchen Stellen Pflicht“, gesteht Koller zu. Diese dürften aber nicht überladen sein.

So darf am 6. Januar eine leichtfüssige, entschlackte Belcanto-Arie in Wil Einzug halten, die „Amüsement auf hohem Niveau bietet“, wie Koller verspricht.
Die Premiere ist am Samstag, 6. Januar 2018, der Vorverkauf läuft über die Tonhalle.
www.musiktheaterwil.ch