Man sei irritiert über das Verhalten der Festspielleitung, hiess es in einer Medienmitteilung der IG Kultur Wil. Diese sah sich schliesslich in der Pflicht, eine Stellungnahme abzugeben – vor der eigentlichen Medienorientierung. «Nach der Zustimmung zum neuen Festspiel-Konzepts durch den Verwaltungsrat im November 2022 haben die Verantwortlichen der St.Galler Festspiele die IG Kultur Wil per Postbrief orientiert und sich nochmals für deren Interesse und Bereitschaft zur Kooperation bedankt», hiess es darin. «Leider hat der Brief den Adressaten nicht erreicht, weil seit der ersten Kontaktnahme zwischen der Festspielleitung und der IG Kultur Wil deren Postadresse geändert hat, ohne dass dies gemeldet oder auf der Webseite nachgetragen worden wäre.» Hallowil hat bei Sebastian Koller, Präsident der IG Kultur Wil, nachgefragt.

Sie haben in einer Mitteilung geschrieben, dass Sie über die Kommunikation der Festspielleitung «irritiert» sind. Nun kam heraus, dass vieles einem Missverständnis verschuldet ist. Tun Ihnen die Worte nun leid?

Wir hätten unsere Kritik wohl etwas anders formuliert, wenn der Brief der Festspielleitung rechtzeitig bei uns eingetroffen wäre. Aber an unserer Irritation ändert das nichts. Es bleibt dabei, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Entgegen unserem ausdrücklichen Wunsch hat die Festspielleitung nie mit uns Kontakt aufgenommen, um die Möglichkeit der Festspiele in Wil genauer zu prüfen.

Wäre die Postadresse nicht gewechselt worden und der Brief hätte Sie erreicht: Hätten Sie sich dennoch an die Medien gewandt?

Ja, mit Sicherheit. Wir hätten in unserer Medienmitteilung wohl den gewählten Standort Flumserberg nicht genannt, da dieser auch im Schreiben der Festspielleitung nicht erwähnt wird. Dass diese Information einer Sperrfrist unterlag, wussten wir aber nicht. So oder so hätten wir den Entscheid zu Ungunsten von Wil umgehend kommuniziert und das Vorgehen der Festspielleitung kritisiert.

Welches Vorgehen wäre Ihrer Ansicht nach wünschenswert gewesen?

Wir hätten erwartet, dass es eine fundierte Evaluation verschiedener Standorte gibt. Dazu hätte die Festspielleitung mit uns ins Gespräch kommen müssen. In unserem Schreiben vom September 2021 hatten wir ausdrücklich um ein Treffen gebeten.

Worüber ärgern Sie sich mehr: dass die Festspiele nicht in Wil statt finden oder über das Vorgehen der Verantwortlichen?

Es geht um das Vorgehen. Natürlich ist der Entscheid für Wil enttäuschend. Aber es ist uns klar, dass wir kein Vorrecht gegenüber anderen Gemeinden haben. Es ist mir wichtig zu betonen, dass sich unsere Kritik ausschliesslich auf die Kommunikation und die ausgebliebene, ernsthafte Prüfung des Standortes Wil bezieht. Das Konzept der Festspiele in Flumserberg kennen wir nicht und es liegt uns deshalb fern, dieses in Frage zu stellen. Nun, da der Entscheid gefallen ist, verdienen die Festspiele in Flumserberg selbstverständlich eine Chance.

Sie schreiben weiter, dass auch andere Standorte in Wil geprüft werden können. An welche hätten Sie da gedacht?

Der designierte Direktor der Festspiele hat offenbar den Hofplatz in Augenschein genommen und als zu klein beurteilt. Es ist klar, dass die Festspiele auf dem Hofplatz in einem kleineren Format stattfinden müssten als auf dem Klosterplatz in St.Gallen. Der grosse Vorteil des Hofplatzes wäre die Akustik, die eine Opernaufführung ohne elektronische Verstärkung erlauben würde. Für Festspiele mit grosser Tribüne und Kulisse sowie elektronischer Verstärkung würde sich in Wil der Viehmarktplatz anbieten. Auch der Stadtweier wurde schon ins Spiel gebracht. Gerne hätten wir mit der Festspielleitung die Möglichkeiten sowie die Vor- und Nachteile der einzelnen Standorte diskutiert.

Weshalb wäre Wil die bessere Wahl gewesen?

Ob Wil die bessere Wahl gewesen wäre als der Flumserberg, weiss ich nicht. Grosse Pluspunkte für Wil wären sicherlich die bestehende Musiktradition und die gute Erreichbarkeit aus Richtung St.Gallen, Toggenburg, Thurgau und Zürich. Das Opernpublikum wäre hier vorhanden. Zudem gibt es einen historischen Bezug zwischen der bestehenden Spielstätte, dem St.Galler Klosterplatz, und der Äbtestadt Wil. Die geplante touristische Anbindung des Hofs zu Wil an den Stiftsbezirk St.Gallen hätte man auch für das Marketing der Festspiele nutzen können.