Nein, viel hat sich an der Ausgangslage seit dem ersten Wahlgang nicht geändert. Sowohl beim Stadtrat wie auch beim Stadtpräsidium hat sich je jener Kandidat mit den wenigsten Stimmen zurückgezogen. Zudem erscheint Oliver Baumgartner nicht mehr in den Wahlunterlagen, da er fix auf einen Antritt im zweiten Wahlgang verzichtet. Wenn nun Andreas Breitenmoser am Mittwoch seinen Stadtrats-Wiederantritt bekannt gibt, wovon auszugehen ist, und nicht aus heiterem Himmel ein «weisser Ritter» auftaucht, wovon nicht auszugehen ist, ergibt sich folgende Ausgangslage für den zweiten Wahlgang am 29. November: Hans Mäder (CVP) und Dario Sulzer (SP) machen sich das Stadtpräsidium unter sich aus. Um eines der fünf Stadtrats-Mandate buhlen folgende acht Personen: Hans Mäder (CVP, neu), Dario Sulzer (SP, bisher), Daniel Meili (FDP, bisher), Jigme Shitsetsang (FDP, neu), Daniel Stutz (Grüne Prowil, bisher), Ursula Egli (SVP, neu), Jutta Röösli (parteilos, bisher) und Andreas Breitenmoser (parteilos, neu).

Beim Stadtpräsidium ist die Ausgangslage klar und Hans Mäder wird das Rennen machen. Er hatte im ersten Wahlgang schon rund 750 Stimmen Vorsprung auf Sulzer. Nun geht es um die Frage, wie sich die rund 2200 Stimmen verteilen, welche im ersten Wahlgang an Daniel Meili (FDP, tritt beim Stadtpräsidium nicht mehr an) und Oliver Baumgartner gingen. Die FDP-Stimmen bleiben eher in der politischen Mitte und gehen somit mehrheitlich zu Mäder. Und unter den Baumgartner-Wählern dürften viele sein, welche «frischen Wind» an der Spitze des Stadtrats möchten. Auch sie werden eher Mäder wählen. So dürfte der Vorsprung Mäders im zweiten Wahlgang gar noch wachsen und das Wiler Stadtpräsidium weiterhin fest in CVP-Hand bleiben.

Stadtrat: Zwei sind gesetzt 

Spannender wird es beim Stadtrat. Gesetzt sind Hans Mäder und Dario Sulzer. Sie haben schon im ersten Wahlgang am meisten Stimmen gemacht und das Absolute Mehr um weniger als 100 Stimmen verpasst. Zudem will niemand, dass der künftige Stadtpräsident nicht Stadtrat wird. Das gäbe die unschöne Situation, dass womöglich ein weiterer Wahlgang angesetzt werden müsste. Auch die beiden FDP-Vertreter, Daniel Meili und Jigme Shitsetsang, werden die Wahl schaffen. Vor allem Shitsetsangs Ergebnis – er machte im 1. Wahlgang als neu Kandidierender am drittmeisten Stimmen – war mehr als nur ein Ausrufezeichen. Er scheint mit einer volksnahen Art punkten zu können. Und Meilis Ergebnisse des ersten Wahlgangs kann man so deuten: Als Stadtpräsident sieht man ihn nicht, mit seiner Arbeit im Stadtrat sind Herr und Frau Wiler aber zufrieden. Würde man ihn abwählen, könnten im Extremfall bis zu drei Stadträte ausgewechselt werden: Meili, Röösli und Stutz. Etwas gar viel frischer Wind.

Sodann ist noch ein Sitz zu vergeben. Auf den Positionen fünf und sechs lagen im ersten Wahlgang die amtierende Schulratspräsidentin Jutta Röösli und SVP-Vertreterin Ursula Egli innerhalb von 100 Stimmen – mit Vorteilen für Röösli. Sie beide dürften sich diesen fünften Platzt unter sich ausmachen, womit auch weiterhin eine Frau im Stadtrat vertreten wäre. Hier dürfte die Frage sein, wie gut die SVP ihre Wähler mobilisieren kann. Oder wählt man doch Röösli, um einen gar bürgerlichen Stadtrat zu vermeiden? Der Wahlkampf der nächsten Wochen wird eine wichtige Rolle spielen. Oder ist am Ende gar Andreas Breitenmoser der lachende Dritte? Seine 2718 Stimmen im ersten Wahlgang waren ein starker Achtungserfolg und zeigten auf, dass er eine ziemlich breite Basis hat in Wil. Fallen ihm zahlreiche der über 2000 Stimmen zu, welche Oliver Baumgartner im ersten Wahlgang gemacht hat? Nicht auszuschliessen. Ob das aber reicht für den Einzug in die Exekutive, ist zu bezweifeln. Chancenlos bleibt Bauchef Daniel Stutz, der das Ruder in den wenigen Wochen nicht mehr wird herumreissen können. Aus seiner Sicht ist zudem nicht förderlich, dass die Ausgangslage fast gleich ist wie im ersten Wahlgang.