In Oberuzwil und Jonschwil werden seit dem Sommer 2017 Deutschkurse für Migrantinnen und Migranten im Asylverfahren angeboten. Die Erfahrungen mit der Quartierschule sind sowohl aus Sicht des Sozialamtes Oberuzwil-Jonschwil, als auch aus Sicht der Teilnehmenden positiv. Jetzt wird das Angebot erweitert.Die deutsche Sprache ist für das Leben und Arbeiten zentral. Gute Deutschkenntnisse sind für alle Migranten, auch wenn sie schon länger in der Schweiz leben, wichtig. Für den Schuleintritt ist es beispielsweise unerlässlich, dass alle Eltern und ihre Kinder Deutsch verstehen und sprechen können. Die Verantwortlichen der beiden Gemeinden haben deshalb entschieden, die Deutschkurse für alle zu öffnen, die ihre Kenntnisse in «Deutsch als Zweitsprache» verbessern wollen.

Deutsch als Fremdsprache
Dank dem grossen Einsatz von rund einem Dutzend Freiwilligen in Oberuzwil und Jonschwil ist es möglich, das bisher auf die Integration von Asylbewerbenden, Flüchtlingen und Migrantenfamilien ausgerichtete kostenlose Angebot auch bereits länger in der Schweiz Lebenden zugänglich zu machen.

Damit soll Familien mit Migrationshintergrund die Integration in den Gemeinden und ihren Kindern der Einstieg in den Kindergarten erleichtert werden. Betroffene sollen ihre Bedürfnisse ausdrücken können, Aufträge der Lehrperson verstehen und sich nicht ganz verloren fühlen in der ersten Zeit. Die Erfahrungen mit dem Kursangebot werden im Herbst 2018 ausgewertet.

Sprache als Basis für Integration
Seit Sommer 2017 werden schulische Angebote für Asylsuchende unter dem Begriff «Quartierschule» angeboten. Die Erfahrungen sind durchwegs positiv. Der Besuch der Quartierschule ist für die Asylsuchenden obligatorisch. Das A und O für die Integration ist die Sprache.

Für die Teilnehmenden, oft junge Männer, hat der Einstieg ins Berufsleben erste Priorität. Es hat sich gezeigt, dass sie dank der frühen Sprachförderung in der Quartierschule bereits bei Beginn der Integrationsmassnahmen in den Arbeitsmarkt das Sprachniveau A2 oder gar B1 (Grundlage für eine Berufslehre) erreichen können.

Kostenloses Angebot
Die bestehenden Deutschkurse im Oberstufenzentrum Oberuzwil werden in den Niveaus A1, A2 und B1 angeboten und beinhalten die Grundlagen für die elementare Sprachverwendung. Als Kursleiterinnen und Kursleiter sind Freiwillige im Einsatz, die seit mehreren Jahren «Deutsch als Zweitsprache» unterrichten. Sie verfügen zum Teil über eine pädagogische Qualifikation oder haben sich das nötige Rüstzeug anderweitig beigebracht. Alle sind gerne bereit, in den Kursen für Asylbewerbende auch andere fremdsprachige Frauen und Männer aus Oberuzwil und Jonschwil willkommen zu heissen.

Die Kurse sind kostenlos und finden tagsüber statt. Es ist geplant, bei Bedarf eine Kinderbetreuung durch Freiwillige anzubieten. Der Einstieg ist ab 14. Mai 2018 möglich und Interessierte sollten regelmässig am Kurs teilnehmen. Während den Schulferien findet kein Unterricht statt.

Anmeldung
Interessierte aus Oberuzwil können sich bei Rita Gisler (ri.gisler@bluewin.ch oder 071 950 18 10) anmelden. Bei Fragen erteilen sie oder der Leiter Volksschule (071 950 48 80) gerne Auskunft.

Erfolgsgeschichten aus der Quartierschule Oberuzwil
Ein junger Teilnehmer kann den Lehrgang «Betriebshelfer Bäckerei» in einer Bäckerei in der Region absolvieren.

Ein weiterer junger Mann hat die Quartierschule sowie die Integra (Deutschkursanbieter in St.Gallen) besucht und mit viel Engagement und Durchhaltevermögen das Sprachniveau B1 erreicht. Er wird ab Sommer 2018 bei der GBS die Vorlehre beginnen und sucht eine Arbeitsstelle als Pfleger, da ihm der Umgang mit Menschen und insbesondere mit älteren Personen gefällt.

Ein Asylsuchender, der in seinem Heimatland Chemie studiert hat, lernte mit grossem Fleiss und Eigendisziplin Deutsch und unterrichtet jetzt Mathematik in der Quartierschule. Parallel sucht er eine Stelle als Chemiker.

Ein anderer junger Mann hat ebenfalls sehr fleissig und motiviert in der Quartierschule Deutsch gelernt und wird ab Sommer 2018 die Vorlehre besuchen. Er hat sich in diversen Betrieben um einen Schnuppereinsatz bemüht und war unter anderem in einem Transportunternehmen, einer Bäckerei sowie als Pflegehelfer schnuppern. Anhand der Schnuppereinsätze wird er entscheiden, in welchem Bereich er das Praktikum absolvieren möchte.

Die Praktikas werden lohnmässig nicht entschädigt. Die Asylsuchenden erhalten eine Integrationszulage von monatlich 150 Franken bei einem Pensum von 100%. Durch den Praktikumsplatz erhalten sie die Möglichkeit, praktische Erfahrung in einem Arbeitsbereich zu sammeln. Auch für Arbeitgeber ist ein unentgeltlicher Praktikumseinsatz ein Gewinn; es fallen keine Lohnkosten an. Ziel ist es, nach diesen Praktikas eine Lehrstelle oder eine Arbeitsstelle zu erhalten.


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Engagierte Kursleiter/innen. v.l: Therese Hugentobler, Corinne Ménard, Barbara Biolley, Rita Gisler, Hubert Häller. Es fehlt Daniela Bühler.