Aus stabil wird labil, aus genormt wird verformt: Die Künstlerin Annina Thomann verwendet gerne standardisiertes Baumaterial als Ausgangsstoff für materielle, formale und räumliche Experimente. Im Zentrum steht die Zweckentfremdung des ursprünglichen Materials. Als Folge des künstlerischen Prozesses wird die reine Form sichtbar gemacht. Für die Ausstellung «wieder…» entstanden zwei neue Werkserien.

Badkeramik anders betrachtet

Bei der ersten Werkserie handelt es sich um Badkeramik, konkret um WC-Schüsseln. Diese werden in der Industrie in grossen Mengen und unterschiedlichen Varianten gefertigt. Sie werden in Gipsformen gegossen, getrocknet, glasiert und gebrannt. In diesen hochtechnologischen Herstellungsprozess greift Annina Thomann ein. Sie zerschneidet die noch weichen Rohlinge und lässt sich von den Binnenformen inspirieren – neue Formen entstehen. Dafür diente der Künstlerin keramisches Ausschussmaterial als Basis – WCs mit kleineren Mängeln oder Gussfehlern. Was in der Industrie als Fehler und somit als Ausschuss deklariert werden muss, sorgt in der künstlerischen Arbeit von Annina Thomann für neue Ansichten auf ein alltägliches Material.

Stahlrohre neu interpretiert

Für die Werkserie «Fitting» (abgeleitet von englisch «to fit») dienen Annina Thomann «Fittinge», die ursprünglich für den Sanitärgebrauch genutzt werden, als Grundlage. «Fitting» formuliert unterschiedliche skulpturale Möglichkeiten, die immer wieder neu transformiert werden können. Für den Kulturpavillon Wil entstand eine dreidimensionale Raum-Zeichnung, konstruiert aus Stahlrohren und Tempergussfittings.

Zwischen Kunstausstellungen und Klassenzimmer

Die gebürtige St.Gallerin studierte an der Hochschule der Künste Bern, an der Universität Bern und an der Rietveld Academy Amsterdam. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in St.Gallen, wo sie auch Jugendliche im gestalterischen Vorkurs der Schule für Gestaltung St.Gallen unterrichtet. Annina Thomann stellte in zahlreichen Ausstellungen aus, unter anderem in der «freien Republik» Bad Hemberg, an den «Chemin faisant» in Assens, im Architekturforum Ostschweiz und beim Artfestival «Neu/Now» in Glasgow.

Ausstellungsdetails

Die Eröffnung am Freitag, 18. Juni, dauert von 18 bis 19.30 Uhr. Die Künstlerin wird anwesend sein. Begleitet wird die Ausstellungseröffnung von Klang-Loops des Hackbrettmusikers Elias Menzi. Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich und findet im Kulturpavillon der Psychiatrie St.Gallen Nord (Zürcherstrasse 30, 9500 Wil) statt. Die Ausstellungswerke können ab Samstag, 19. Juni, bis Sonntag, 18. Juli, jeweils am Wochenende zwischen 14 und 17 Uhr besichtigt werden. Die Künstlerin wird auch an der Finissage vom 18. Juli, von 15 bis 17 Uhr, vor Ort sein. Es ist keine Anmeldung nötig. 

Die Eröffnung wie auch die Ausstellung werden unter Berücksichtigung der Coronarichtlinien des BAG durchgeführt.