Rund 14'500 Fahrzeuge sind jeden Tag auf der Zürcherstrasse unterwegs – Tendenz steigend. Die Verbindung vom Wiler Schwanenkreisel Richtung Münchwilen ist zu den Stosszeiten überlastet und weist Mängel auf. Es muss etwas gemacht werden, zumal auf Münchwiler Ortsgebiet im Rahmen von «Wil West» bis zu 3000 Arbeitsplätze angesiedelt werden sollen.

Ein breit abgestütztes Gremium bestehend aus Vertretern von Kanton, Stadt, einem Planungsbüro und einer Begleitgruppe haben in den vergangenen Monaten geplant, wie die Strasse künftig aussehen könnte. Dies geschah im Kontext von «Wil West». Denn die Grundidee ist, dass möglichst viel Verkehr nicht mehr das Wiler Zentrum passiert und über die noch zu erbauenden Nord- oder Ostumfahrungen um die Stadt herumgeleitet wird.


Enteignungen befürchtet

Die Pläne für die Zürcherstrasse sind keine planerische Revolution – bringen aber trotzdem markante Veränderungen mit sich. Die markanteste: Es gibt einen 2,5 Meter breiten Mittelstreifen. Dieser soll die Sicherheit beim Abbiegen erhöhen – für Autos und schwächere Verkehrsteilnehmer. Zudem wird es künftig auf beiden Strassenseiten durchgehend ein Trottoir haben. Die drei Bushaltestellen sind auf der Fahrbahn platziert. Busbuchten gibt es keine. Bei der Abzweigung «Bildfeld», wo sich die Strasse Richtung Münchwilen und Gloten gabelt, soll künftig ein Lichtsignal den Verkehr regeln. Auch Bäume gehören zum Projekt. Was das wohl alles kostet? Eine Antwort gibt es noch nicht, da es sich erst um Pläne handelt. «Über die Kosten können wir uns ab Stufe Vorprojekt äussern», sagt der zuständige Wiler Stadtrat Daniel Stutz. Stadt und Kanton dürften sich die Kosten aufteilen. Zudem sind bereits Unterstützungsgelder des Bundes zugesagt.

Und was finden die Anwohner? An der Infoveranstaltung zu diesem Betriebs- und Gestaltungskonzept setzte es am Dienstagabend im Stadtsaal durchwegs kritische Voten ab. Unverständnis gab es für den Umstand, dass das Stadtzentrum dank der Umfahrung Nord entlastet werden soll, die Zürcherstrasse aber dennoch ausgebaut wird. Ein weiterer Diskussionspunkt: Die neue Zürcherstrasse wird wegen des Mittelstreifens breiter als die bestehende Strasse. Der Kanton wird Land kaufen müssen. Enteignungen scheinen unumgänglich. Zudem wurde aus dem Publikum angeregt, dass nicht die Zürcherstrasse das Problem sei, sondern der Schwanenkreisel. Einmal mehr kam der Vorschlag, wie in Frauenfeld einen unterirdischen Kreisel zu erreichten, womit dann der Weg frei wäre für eine Fussgängerzone vom Bahnhof bis in die Altstadt. Was Sacha Bundi, Leiter Mobilität und Planung beim Kanton St. Gallen, zur Tunnel-Idee sagt, sehen Sie hier:

 
Sascha Bundi vom St. Galler Tiefbauament hat eine deutliche Meinung zum Thema "unterirdischer Wiler Kreisel".

Baubeginn im Jahr 2023 geplant

Bis die Zürcherstrasse umgebaut wird, verstreicht noch viel Zeit. Geplant ist, im Jahr 2021 eine koordinierte Planauflage zusammen mit Wil West zu machen. So dann könnte im Jahr 2023 Baubeginn sein. Gebaut wird nur, wenn auch die Nordumfahrung bis dahin ebenfalls konkret ist. Denn die Wirkungen dieser beiden Strassen hängen zusammen. Das Volk wird noch mehrfach mitreden können. Einerseits bei der Erteilung eines Kredits. Zudem können sich Anwohner später mittels Einsprache gegen das Projekt wehren.

Was bereits jetzt klar sein dürfte, brachte Pascal Hinder vom Tiefbauamt des Kantons St. Gallen auf den Punkt. «Eine Eier legende Wollmilchsau wird es nicht geben.» Dafür noch manche Diskussionsrunde bis zur neuen Zürcherstrasse.