Am 15. März haben die Thurgauer Stimmberechtigten den Grossen Rat neu gewählt. Am Tag nach den Wahlen ist die Grünliberale Partei (GLP) auf die Staatskanzlei zugekommen mit der Vermutung, dass die Zahl der unveränderten Wahlzettel in der Stadt Frauenfeld nicht stimme. Die Staatskanzlei hat danach bei der Stadt nachgefragt. Diese stellte fest, dass 100 Wahlzettel der GLP bei der SVP gefunden wurden. Auf die Sitzverteilung hatte der Fehler keinen Einfluss. Die GLP vermutet aber weiterhin, dass bei ihr Wahlzettel fehlen, und hat deshalb beim Grossen Rat einen Rekurs eingelegt.

Parallel dazu führte die Staatskanzlei als kantonales Wahlbüro eine Kontrolle und Nachzählung in der Stadt Frauenfeld durch. Dabei wurde festgestellt, dass die vorhandenen Wahlzettel mit Ausnahme dreier kleiner Korrekturen korrekt gezählt und zugeordnet waren. Die Abklärungen der Staatskanzlei haben aber eine Diskrepanz zu Tage gefördert: Bei der GLP und der SVP stimmt die Zahl der vorhandenen Wahlzettel nicht überein mit derjenigen, die sich aus der Auswertung der am Wahlsonntag von den Auszählteams erstellten Laufzetteln ergibt. Laufzettel sind in Frauenfeld ein internes Instrument für während des Auszählens, auf welchen eingegangene Wahlzettel aufgeschlüsselt werden. Auf ihnen werden Partei sowie Anzahl veränderter und unveränderte Wahlzettel notiert. Bei den unveränderten Wahlzetteln stimmt die Zahl bei GLP und SVP je um 100 nicht überein. Für diese Diskrepanz gibt es derzeit keine Erklärung. Es besteht der Verdacht, dass das Wahlergebnis beeinflusst worden sein könnte. Deshalb hat sich die Staatskanzlei entschieden, Strafanzeige gegen Unbekannt einzureichen. Gäbe es nun nochmals eine Verschiebung um 100 Stimmen, würde di GLP auf Kosten der SVP einen Sitz machen. (pd/sdu)

_______________________________________________________________________________

Die Verschiebungen im Hinterthurgau (15.3.20)

Gewiss: Der ganz grosse Rutsch ist ausgeblieben im Thurgau – und auch im Bezirk Münchwilen. Trotzdem brachte der Wahlsonntag im Hinterthurgau interessante Verschiebungen. Grosse Sieger waren kantonsweit die Grünen. Einen ihrer sechs zusätzlichen Sitze entfiel auf den Bezirk Münchwilen, so dass nun neben Toni Kappeler und Beni Braun auch die Balterswiler Tierärztin Isabelle Vonlanthen-Specker im Grossen Rat Einsitz nimmt. Jubel auch bei der EVP. Sie konnte kantonsweit einen Sitz dazugewinnen und kommt nun auf deren sechs. Das zusätzliche Mandat entfällt auf den Hinterthurgau, wo der Eschliker Sozialpädagoge und Diakon Mathias Dietz neu gewählt wurde – von Listenposition 3 aus.

Ein weiterer Gewinner des Wahlsonntags war der Aadorfer Vize-Gemeindepräsident Stefan Mühlemann (SVP). Dass er wählt wurde, ist keine allzu grosse Überraschung. Dass er aber das drittbeste Resultat aller SVP-Kandidaten machte und gleich sechs «Bisherige» hinter sich liess, schon. Leidtragender ist Clemens Albrecht, der nach zwölf Jahren als Grossrat seine politischen Zelte abbrechen muss. Er machte genau 9 Stimmen weniger als die neu gewählte Priska Peter, Dentalassistentin und Bäuerin aus Münchwilen. Diese schaffte den Einzug in den Kantonsrat, weil Cornel Inauen trotz Wiederwahl auf das Mandat verzichtet. Hintergrund: Er wurde im Januar vom Grossen Rat zum Oberrichter ernannt und kann nicht beide Ämter gleichzeitig ausführen.

Das meint hallowil.ch: Aadorf ist Hinterthurgauer Polit-Hauptort

 
hallowil.ch-Chefredaktor Simon Dudle analysiert den Wahlsonntag mit Blick auf den Hinterthurgau.

Kurzes Gastspiel von Kilian Imhof

Katzenjammer bei der CVP. Sie verliert kantonweit zwei Sitze, einen davon im Hinterthurgau. Kilian Imhof, der im Jahr 2017 Kantonrat geworden war, muss in den sauren Apfel beissen und wurde abgewählt. Auch bei ihm war es ein äusserst knappes und darum umso bittereres Verdikt. Der Schulleiter und Sporttrainer aus Balterswil machte genau 39 Stimmen weniger als Peter Bühler-Trionfini und verpasste darum die Wiederwahl. Besonders hart für ihn und die Partei: Die CVP hat im Vergleich mit dem letzten Wahlgang vor vier Jahren um 1,8 Prozent an Parteistimmen zugelegt – und musste trotzdem den Sitzverlust hinnehmen. Das Wahlsystem will es so.

Lange Gesichter auch bei der FDP. Ihr ist es nicht gelungen, den Sitz des nicht mehr antretenden Münchwiler Gemeindepräsidenten Guido Grütter zu halten. Somit kommen nur noch zwei FDP-Kantonsräte aus dem Hinterthurgau, nämlich die beiden Aadorfer Cornelia Hasler-Roost und Bruno Lüscher. Apropos Aadorf: Die Gemeinde darf sich als Sieger dieses Wahlsonntags sehen. Sieben Kantonräte wohnen in der einwohnermässig grössten Gemeinde des Bezirks (siehe Video-Kommentar).

Gutes Ergebnis für den Wiler Kommunikations-Chef

Mit Abstand stärkste Partei bleibt – kantonsweit und im Hinterthurgau – die SVP. Im Kanton gab es zwei zusätzliche Sitze, womit nun 46 der 130 Thurgauer Kantonsräte von der Volkspartei sind. im Bezirk Münchwilen reichte es zwar nicht für einen Sitzgewinn wie im Jahr 2016, aber immerhin für einen Zuwachs bei den Parteistimmen um ein Prozent. 33,7 Prozent wählten im Südthurgau die SVP, also mehr als jeder Dritte.

Ein gutes Ergebnis konnte im Bezirk Arbon Philipp Gemperle, Kommunikations-Chef der Stadt Wil, verbuchen. Er machte für die FDP von Listenposition 14 aus am siebt-meisten Stimmen. Damit schaffte der Romanshorner Stadtrat den Einzug in den Kantonsrat aber wie erwartet nicht. Auf der gleichen Liste wurde der Romanshorner Stadtpräsident, David H. Bon, abgewählt.

Sie vertreten den Bezirk Münchwilen ab dem 1. Juni im Thurgauer Kantonsrat:
- 8x SVP (+-0): Kurt Baumann, Urs Schrepfer, Stefan Mühlemann (neu), Ruedi Bartel, David Zimmermann, Vico Zahnd, Willy Nägli, Priska Peter (neu).
- 5x CVP (-1): Alex Frei, Josef Gemperle, Sabina Peter Köstli, Gallus Müller, Peter Bühler-Trionfini.
- 3x Grüne (+1): Toni Kappeler, Beni Braun, Isabelle Vonlanthen-Specker (neu).
- 2x FDP (-1): Cornelia Hasler-Roost, Bruno Lüscher.
- 1x GLP (+-0): Robert Meyer.
- 1x EDU (+-0): Iwan Wüst-Singer.
- 1x EVP (+1): Mathias Dietz (neu).
- 1x SP (+-0): Barbara Müller.

_______________________________________________________________________________

Der Liveticker zum Wahlsonntag (15.3.20):

17.34 Uhr: So, damit ist das Wichtigste gesagt aus Hinterthurgauer Sicht. Ich bedanke mich für das Interesse an diesem Liveticker - und wünsche noch einen schönen Rest-Sonntag. Bis bald auf hallowil.ch.

17.32 Uhr: Weiteres Detail am Rande: Die CVP hat um fast 2 Prozent an Parteistimmen zugelegt und kommt neu auf 24 Prozent, verliert im Hinterthurgau aber einen Sitz.

17.25 Uhr: Ein ganz bitterer Tag ist es für Clemens Albrecht (SVP) und Kilian Imhof (CVP). Sie werden beide hauchdünn abgewählt. Imhof fehlen 39 Stimmen zur Wiederwahl, Albrecht gar nur 9. Wahnsinn.

17.11 Uhr: Folgende Hinterthurgauer politisieren ab dem 1. Juni im Thurgauer Kantonsrat:
- 8x SVP (+- 0): Kurt Baumann (Sirnach, bisher), Urs Schrepfer (Busswil, bisher), Stefan Mühlemann (Aadorf, neu), Ruedi Bartel (Balterswil, bisher), David Zimmerman (Braunau, bisher), Vico Zahnd (Weingarten, bisher), Willy Nägeli (Oberwangen, bisher), Priska Peter (Münchwilen, neu)
- 5x CVP (-1): Alex Frei (Eschlikon, bisher), Josef Gemperle (Fischingen, bisher), Sabina Peter Köstli (Ettenhausen, bisher), Gallus Müller (Guntershausen, bisher), Peter Bühler-Trionfini (Ettenhausen, bisher)
- 3x Grüne (+1): Toni Kappeler (Münchwilen, bisher), Beni Braun (Eschlikon, bisher), Isabelle Vonlanthen-Specker (Balterswil, neu)
- 2x FDP (-1): Cornelia Hasler-Roost (Aadorf, bisher), Bruno Lüscher (Aadorf, bisher)
- 1x GLP (+-0): Robert Meyer (Eschlikon, bisher)
- 1x EDU (+-0): Iwan Wüst-Singer (Tuttwil, bisher)
- 1x EVP (+1): Mathias Dietz (Eschlikon, neu)
- 1x SP (+-0): Barbara Müller (Ettenhausen, bisher)

16.51 Uhr: Als erster Bezirk hat "Münchwilen" ausgezählt. Grüne und EVP gewinnen je einen Sitz dazu, die Mitte-Parteien CVP und FDP verlieren je einen. Neu mit dabei sind Tierärztin Isabelle Vonlanthen-Specker (Grüne, Balterswil) und Diakon Mathias Dietz (EVP, Eschlikon). Abgewählt wird Kilian Imhof (CVP) wegen des Sitzverlustes seiner Partei. Guido Grütter (FDP) ist nicht mehr angetreten. Bei der SVP wird zudem Clemens Albrecht abgewählt. Neu für die Volkspartei im Kantonsrat sind der Aadorfer Vize-Gemeindepräsident Stefan Mühlemann und Dentalassistentin/Bäuerin Priska Peter aus Münchwilen. Auf seine Wiederwahl verzichtet Cornel Inauen, obwohl er im Amt bestätigt wird. Er ist neu Oberrichter. Die Wahlbeteiligung liegt bei mageren 29,7 Prozent.

16.01 Uhr: Das Bild des neuen Thurgauer Regierungsrats ist da:

Post inside
Sie regieren den Kanton Thurgau ab 1. Juni (von links): Cornelia Komposch, Carmen Haag, Walter Schönholzer, Monika Knill und Urs Martin.

15.33 Uhr: Im Regierungsratsrennen sind die Würfel gefallen. Urs Martin (SVP) schafft den Einzug in die Thurgauer Regierung. Mit 26'421 Stimmen überbietet er das Absolute Mehr von 23'202 Stimmen. Dies schafft auch Ueli Fisch (GLP), verpasst aber überzählig den Einzug. Urs Martin wird Nachfolger von Jakob Stark (SVP), womit die Volkspartei ihren zweiten Sitz halten kann. Die vier bisherigen Mitglieder des Thurgauer Regierungsrates haben die Wiederwahl locker geschafft. Carmen Haag (CVP) erhält 42'069 Stimmen, Monika Knill (SVP) 39'067 Stimmen, Cornelia Komposch (SP) 37'776 Stimmen und Walter Schönholzer (FDP) 34'016 Stimmen. Chancenlos bleibt Karin Bétrisey (Grüne), welche die Wahl mit 16'289 Stimmen verpasst. Auf Vereinzelte entfallen 10'818 Stimmen, leere Zeilen werden 35'807 gezählt. Die Wahlbeteiligung beträgt 32,35 Prozent.

15.19 Uhr: So, es zieht sich nun etwas in die Länge. Aber das Regierungsrats-Ergebnis kommt gleich. Und bei den Kantonratswahlen gibt es eine zweite Hochrechnung nach der Hälfte der ausgezählten Gemeinden. Die grüne Welle dürfte im Thurgau anhalten. Weiterhin wird den Grünen ein Plus von 5 Sitzen attestiert, womit sie 15 Sitze hätte. Die GLP kann demnach um 2 Sitze zulegen und käme auf deren 9. Bei der EVP wird plus 1 auf 6 prognostiziert. Die SVP kann laut Hochrechnung ihre 44 Sitze halten. Alle anderen verlieren: EDU und BDP minus 2, womit die BDP nicht mehr im Kantonsrat wäre. Die SP verliert gar drei Sitze. Bei FDP und CVP wäre es laut aktuellem Stand ein verlorener Sitz.

14.12 Uhr: Das Eschliker Beispiel scheint nicht so falsch zu sein. Der Kanton Thurgau präsentiert nun eine erste Hochrechnung nach rund 25 ausgezählten Gemeinden. Demnach wären die Grünen der grosse Gewinner und würden ihre Sitzzahl auf 15 steigern. GLP und SVP würden demnach je zwei Sitze gewinnen. Dies auf Kosten von FDP und CVP (je minus 2), SP und EDU (je minus 1). Die BDP dürfte ihre beiden Sitze verlieren und aus dem Kantonsrat fliegen. Auch dies gilt es noch mit Vorsicht zu geniessen, da Hochrechnung.

13.51 Uhr: Bei den Kantonsratswahlen ist es noch Kaffeesatz-Lesen. Aber einige interessante Dinge fallen schon auf. In Eschlikon zum Beispiel machen die Grünen fast gleich viele Stimmen (3374) wie die CVP (3516). Bis anhin war ja die CVP klare Nummer 2 hinter der SVP. Aber wie gesagt: Es ist zu früh, um da schon eine Tendenz herauszulesen. Denn in anderen Gemeinden ergibt sich ein anderes Bild.

13.39 Uhr: Nochmals der Blick zu den Regierungsratswahlen: Nun sind 72 von 80 Gemeinden ausgezählt (allerdings fehlen noch grosse Brocken). Die Tendenz ist unverändert: Carmen Haag (30'057 Stimmen) führt vor Monika Knill (28'161), Cornelia Komposch (26'566) und Walter Schönholzer (24'596). Von den Neuen liegt Urs Martin (19'384) weiter vor Ueli Fisch (17'789). Am Schluss ist Karin Bétrisey (11'195) rangiert.  Will heissen: Womöglich schaffen Urs Martin und Ueli Fisch das Absolute Mehr. Fisch wäre dann überzählig - wie schon vor vier Jahren. Und die SVP könnte ihren zweiten Regierungsrats-Sitz halten. Jakob Stark (SVP) ist ja nicht mehr angetreten. Noch ist die Entscheidung aber nicht gefallen.

13.26 Uhr: Es zeichnet sich übrigens eine tiefe Stimmbeteiligung ab. Rickenbach hat den Kantonsrat schon ausgezählt. Von den 1479 Stimmberechtigten haben nur 320 gewählt. Stimmbeteiligung: 21,6 Prozent. Etwa vier von fünf gingen also nicht an die Urne. Etwas besser ist es in Fischingen, wo die Stimmbeteiligung bei 34,4 Prozent liegt. Aber auch das bedeutet, das zwei Drittel der Stimmberechtigten etwas Besseres vorhatten als zu wählen.

12.58 Uhr: Bereits ist das Schlussergebnis für die Wahl zu einem Berufsrichter am Bezirksgericht Münchwilen da. Wie erwartet wurde Stefan Miori (SVP) im zweiten Wahlgang gewählt. Miori erhielt 2113 Stimmen. Auf Vereinzelte entfielen 1506 Stimmen. Es gilt das relative Mehr. Die Stimmbeteiligung liegt bei nur gerade 20,1 Prozent. Der zweite Wahlgang wurde nötig, weil Cornel Inauen (SVP) am 9. Februar im ersten Wahlgang als Berufsrichter gewählt wurde. Er verzichtete aber auf die Wahl, da er im Januar ins Obergericht gewählt worden ist.

12.45 Uhr: Steigen wir ein mit den Regierungsratswahlen. Denn erst davon gibt es Zwischenresultate. Momentan sind 50 von 80 Gemeinden ausgezählt. Die vier "Bisherigen" sind wie erwartet an der Spitze: Carmen Haag (18'269 Stimmen) führt vor Monika Knill (17'314), Cornelia Komposch (15'793) und Walter Schönholzer (15'204). Von den "Neuen" hat momentan Urs Martin am meisten Stimmen (12'051), gefolgt von Ueli Fisch (10'695). Abgeschlagen ist Karin Bétrisey (6386). Auf Vereinzelte entfallen 4515 Stimmen.

12.39 Uhr: Die detaillierte Ausgangslage bei den Kantonratswahlen mit Blick auf den Bezirk Münchwilen finden Sie untenstehend. In aller Kürze zusammengefasst: Zwei "Bisherige" sind zu ersetzen: Guido Grütter (FDP) tritt nicht mehr an und Cornel Inauen (SVP) ist neu Oberrichter. Die anderen 20 Kandidaten wollen wiedergewählt werden. Gibt es Verschiebungen bei der Sitzen? Können Grüne und GLP zulegen? Aktuell ist das Sitzverhältnis so:
8x SVP
6x CVP
3x FDP
2x Grüne
1x SP
1x GLP
1x EDU

12.35 Uhr: Selbstverständlich haben wir auch heute die "Wiler Brille" auf. Sprich: Wir konzentrieren uns auf den südlichsten Kantonsteil, also den Bezirk Münchwilen. Welche 22 Personen aus dem Hinterthurgau politisieren künftig im Thurgauer Kantonsrat? Diese Frage wird heute beantwortet. Die Regierungsratswahlen lassen wir eher am Rand mitlaufen, da weder ein "Bisheriger" noch ein "Neu-Kandidierender" Kandidat aus dem Grossraum Wil kommt.

12.32 Uhr: Und schon wieder ist Wahlsonntag. Eine Woche nach dem Kanton St. Gallen ist der Thurgau an der Reihe. Herzlich willkommen zum Polit-Liveticker zu den Thurgauer Kantonsrats- und Regierungsratswahlen. Auch den zweiten Wahlgang um einen Berufsrichter am Bezirksgericht Münchwilen nehmen wir mit. Simon Dudle tickert für Sie durch den Wahl-Nachmittag. Übrigens nicht wie am vergangenen Sonntag aus dem Wahlzentrum, sondern von der Redaktion aus. Grund: Das Wahlzentrum gibt es nicht. Abgesagt wegen dem Coronavirus.

_______________________________________________________________________________

Die Ausgangslage am Wahlsonntag:

Analog zu den St. Galler Kantonsratswahl dürfte heute auch im Hinterthurgau der grosse Umsturz ausbleiben. 22 der 130 Sitze stellt der Bezirk Münchwilen. 21 Bisherige treten wieder an. Einer von ihnen die Cornel Inauen (SVP). Da er im Januar zum Oberrichter ernannt worden ist, wird er eine allfällige Wiederwahl in den Kantonsrat ablehnen. Nicht weitermachen wird Guido Grütter (FDP), noch Gemeindepräsident von Münchwilen. Nach seiner Rücktrittsankündigung im vergangenen Oktober als Gemeindeoberhaupt das Bezirkshauptortes wird er im Juni von Nadja Stricker abgelöst. Im Kantonsrat ist Grütter seit 2017.

Im Hinterthurgau stellen SVP und CVP aktuell rund zwei Drittel aller Kantonsräte: 8x SVP, 6x CVP. Die FDP machte vor vier Jahren 3 Sitze, die Grünen deren 2. Je einen Sitz halten SP, GLP und EDU. Aus Wiler Optik ist vor allem auffällig, dass die sieben Hinterthurgauer Nachbargemeinden der Stadt Wil untervertreten sind. Da Inauen und Grütter, beides Münchwiler, nicht mehr antreten, ist gut vorstellbar, dass in den nächsten vier Jahren nur vier Kantonsräte aus diesen Gemeinden kommen. Es wären dies Toni Kappeler (Münchwilen), David Zimmermann (Braunau), Kurt Baumann (Sirnach) und Urs Schrepfer (Sirnach). Die Gemeinden Rickenbach, Wilen, Bettwiesen und Tobel-Tägerschen stellen derzeit keinen Kantonsrat.

Weiter auffällig: Nur gerade 3 der 22 Sitze werden aktuell von Frauen gehalten, namentlich Sabina Peter Köstli (CVP), Cornelia Hasler-Roost (FDP) und Barbara Müller (SP). Zudem ist das Alter der Bisherigen doch schon gehoben: Vier Kandidaten, die wieder antreten, haben bereits jetzt das Pensionsalter erreicht, nämlich Willy Nägeli (66-jährig), Bruno Lüscher (68), Robert Meyer (69) und Toni Kappler (74). Nur vier «Bisherige» sind unter 50.

Regierungsratswahl fernab des Hinterthurgaus

Zum ersten Mal finden im Thurgau Kantons- und Regierungsratswahlen am gleichen Tag statt. Die Regierungsratswahlen versprechen aus Hinterthurgauer Sicht wenig Spannung. Weder ein Bisheriger noch ein Neu-Antretender stammen aus dem Bezirk Münchwilen. Um die fünf Sitze buhlen sieben Personen, darunter die vier Bisherigen Carmen Haag (CVP), Monika Knill (SVP), Cornelia Komposch (SP) und Walter Schönholzer (FDP). Jakob Stark (SVP) tritt nicht mehr an, da er im vergangenen Oktober in den Ständerat gewählt wurde. Die Neu-Kandidierenden sind Karin Bétrisey (Grüne), Ueli Fisch (GLP) und Urs Martin (SVP). Kommt es zu einem zweiten Wahlgang? Und sind künftig vier von fünf Thurgauer Regierungsräte weiblich?

Apropos zweiter Wahlgang: Ebenfalls heute Sonntag findet ein solcher im Bezirk Münchwilen statt, und zwar um einen Sitz als Berufsrichter am Bezirksgericht. Beim ersten Wahlgang wurde Cornel Inauen (SVP) zwar im Amt bestätigt, jedoch hatte er wegen der Berufung ins Obergericht die Wahl abgelehnt. Sein Nachfolger dürfte Stefan Miori (SVP) sein. Der Frauenfelder ist einziger Kandidat.