Lauter Hofnarren im Stadtrat. «Giger der Tiger» als Wahlkampf-Slogan. Mit langem Glockengeläut andere Wahlkampf-Veranstaltungen übertönen. Wenn man den Artikel (siehe unten) genau gelesen hat, wurde deutlich: Es ist nur ein April-Scherz. Die Idee «Roman Giger als Stadtpräsident» stiess aber bei vielen auf nahrhaften Boden. Sowohl auf der hallowil.ch-Redaktion als auch bei Roman Giger selber gab es zahlreiche positive Rückmeldungen auf den Bericht.

Und dann noch dies: Bei der Umfrage zum Artikel, ob Roman Giger Wiler Stadtpräsident werden soll, sprachen sich weit über 90 Prozent der Teilnehmer für dieses Vorhaben aus. Wie viele der Umfrage-Teilnehmer beim Abstimmen in 1.-April-Scherz-Laune waren, wird sich hingegen nie erörtern lassen.

April-Scherz: Die Auflösung

 

Dieses Jahr wohl noch kein neuer Stadtpfarrer

Fakt ist: Das Rennen um das Wiler Stadtpräsidium ist weiterhin jungfräulich, da noch niemand Interesse bekundet hat. Aber nicht nur diese Frage ist ungeklärt. Sondern auch jene, wer denn neuer Wiler Stadtpfarrer wird. Seit dem Abgang Gigers im vergangenen Herbst in Richtung St. Gallen ist man auf der Suche nach einem Nachfolger – bisher erfolglos. Und womöglich bleibt es noch geraume Zeit so. Jürg Grämiger, Verwaltungsratspräident der katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil, sagt: «Wir sind mit unserer Findungskommission im Gespräch mit dem dafür zuständigen St. Galler Bischof Markus und dessen Personalbeauftragten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Interessenten neben der Eignung auch den Wunsch nach einem Wechsel nach Wil verspüren müssen. Dieser Prozess erfordert für eine gute Besetzung entsprechend Zeit.» Grämiger rechnet damit, dass es im Jahr 2020 noch nicht zur Wahl eines Pfarrers für Wil kommen wird.

Seit dem Abgang Gigers haben der langjährige Diakon Walter Lingenhöle aus Wilen und der junge Priester und Kaplan Raphael Troxler die Leitung des Seelsorgeteams übernommen. Die eigentlichen Pfarraufgaben hat nun der Wallfahrtspriester und frühere Pfarrer Raphael Fässler inne.

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Der April-Scherz mit Roman Giger (1.4.20)

Nachdem Stadtpräsidentin Susanne Hartmann am 8. März im ersten Wahlgang den Sprung in die St. Galler Regierung geschafft hat, wird der Sitz fürs Wiler Stadtpräsidium frei. Als erster meldet nun eine in Wil bekannte Persönlichkeit aus der Kirche ihr Interesse an: Roman Giger, der während zehn Jahren ein volksnaher Stadtpfarrer gewesen war. Im Exklusiv-Interview mit hallowil.ch, das wegen der Corona-Krise schriftlich geführt wurde, begründet Giger seine Beweggründe.

hallowil.ch: Roman Giger, die Kandidatur kommt überraschend. Warum möchten Sie Stadtpräsident von Wil werden?
Das war eigentlich schon immer mein Kindheitstraum. Als ich in der Primarschule einmal einen Vortrag über Politik hielt, sagte mein Lehrer am Schluss zu mir: «Roman, du solltest einmal Gemeindepräsident werden.»

hallowil.ch: Seit diesem Jahr sind Sie in St. Gallen Pfarrer. Gefällt es Ihnen nicht, dass Sie schon wieder nach Wil zurückkehren wollen?
Doch, ich habe mich bestens in St. Gallen eingelebt und fühle mich wohl. Aber vergessen Sie nicht: Wil ist eine Äbtestadt. Über 1000 Jahre lang haben die St. Galler Fürstäbte in St. Gallen das Kloster geführt und gleichzeitig in Wil regiert und residiert. An diese Erfolgsgeschichte möchte ich anknüpfen.

hallowil.ch: Also ist Roman Giger künftig nicht mehr Pfarrer?
Das ist nicht richtig. Ich würde weiter zu 50 Prozent Pfarrer in St. Gallen bleiben und mich daneben zu 50 Prozent als Stadtpräsident in Wil engagieren. Als zölibatärer Priester ohne Familie kann ich mich ganz auf meine beruflichen Tätigkeiten konzentrieren, weshalb 50 Prozent für das Stadtpräsidium gut ausreichen sollten. Dadurch geht der Stadtpräsident mit gutem Beispiel voran und spart bei seinem Lohn, nicht aber bei seiner Leistung.

hallowil.ch: Politik und Glauben: Wie gut passt das zusammen?
Die Zusammengehörigkeit liegt auf der Hand: Unsere Schweizerische Bundesverfassung fängt mit den Worten an: Im Namen Gottes des Allmächtigen. Dass es in unserem Land eine starke, christliche Kultur der Solidarität gibt, zeigt sich gerade während der aktuellen Corona-Krise.

hallowil.ch: Was würden Sie in Wil als erstes anpacken als Stadtpräsident?
In gut fürstäbtlicher Tradition würde ich zuerst den oberen Weier in Wil wieder füllen. Jahrhundertelang befand sich dort, wo jetzt der Reitplatz ist, ein Weier, welcher der Fischzucht diente. So gäbe es in Wil künftig nicht nur den Mandelfisch, sondern auch wieder genügend Speisefische, um am Freitag auf Fleisch zu verzichten und einheimischen Fisch zu essen.

hallowil.ch: Die vier bisherigen Stadträte – Jutta Röösli, Dario Sulzer, Daniel Meili und Daniel Stutz – haben angekündigt, dass sie wieder kandidieren wollen. Eine gute Sache oder wäre eine Blutauffrischung im Stadtrat wünschenswert?
Wenn die Bürger mich wählen, würde ich mein eigenes Team vorschlagen. Die Wiler sollen die Katze nicht im Sack kaufen. Monica Quinter wäre zuständig für Schule, Sport und Kultur, Felix Aepli für Finanzen und Soziales, Bruno Jäger für die Technischen Betriebe Wil und Mobilität und Erwin Scherrer für Bau und Recht. Als künftiger Stadtschreiber würde Mike Holenstein amten. Sie sehen, es sind alles ehemalige Wiler Hofnarren der FGW plus der aktuelle Hofnarr. Das ist eine gute Truppe, für die ich die Hand ins Feuer lege. Wir würden Wil voranbringen.

hallowil.ch: Wie lautet Ihr Wahlkampf-Slogan?
Fürstäbtlich «ora et labora». Das ist übrigens auch ein Grundsatz unserer Wiler Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Oder: Alles für Wil – Giger der Tiger.

hallowil.ch: Wie wollen Sie den Wahlkampf bestreiten?
Mit modernen und alten Kommunikationsmitteln zugleich: Zu Corona-Zeiten gehen eigentlich nur E-Mail, Handy, WhatsApp, Skype, Twitter und dergleichen. Vergessen wir aber die altbewährten Medien nicht: Kirchenglocken und Rauchzeichen. Ich habe 2018 in Wil eine neue Läutordnung eingeführt. Längeres Betläuten während des Wahlkampfs wird mich unterstützen und Wahlkampfveranstaltungen anderer übertönen, sollte es denn überhaupt Gegenkandidaten geben. Zudem könnten die Wahlresultate durch schwarze und weisse Rauchzeichen kommuniziert werden.

hallowil.ch: Wie gut schätzen Sie Ihre Wahlchancen ein?
Bisher wurde ich stets gewählt, wenn ich irgendwo angetreten bin. Das gibt mir Selbstvertrauen.

Im Video: Das sagt Roman Giger zu seiner Kandidatur

 

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Zur Person Roman Giger

Der 50-jährige Roman Giger ist seit Dezember Pfarrer in St. Gallen West-Gaiserwald. Zuvor wirkte er 15 Jahre als Seelsorger in der Äbtestadt Wil – 5 Jahre als Kaplan, 10 Jahre als Stadtpfarrer. Giger ist seit 2012 Präsident des Priesterrats und seit 2018 Domherr des Bistums St. Gallen.