Die Gemeinden Flawil, Degersheim und Gossau betreiben gemeinsam die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Oberglatt in Flawil. Zum Auftakt des Spatenstichs blickte Verbandspräsident und Flawiler Gemeindepräsident Elmar Metzger auf die Entstehungsgeschichte des Projektes zurück. Er fühle ein Kribbeln wie ein Schüler vor dem ersten Schultag. «Nach einer ellenlangen Vorbereitungszeit, in der grössere und kleinere Hürden zu überwinden waren, kann nun endlich mit dem Ausbau der ARA Oberglatt begonnen werden», sagte Elmar Metzger.

Projektkosten von 20 Millionen

Die Kläranlage Oberglatt wird bis Herbst 2021 für knapp 20 Millionen Franken erweitert. Der letzte Ausbau der ARA Oberglatt erfolgte zwischen 1999 und 2003. Nun hat sie ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Der Ausbau beinhaltet einerseits die Erweiterung der biologischen Reinigungsstufe (Biofiltration), und anderseits den Neubau einer Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen (EMV).

Bevor der Spatenstich durch Betriebsleiter Walter Hörler mit dem Bagger ausgeführt wurde, gab Projektingenieur Fritz Wüthrich (Kuster+Hager Ingenieurbüro) Informationen zum geplanten Bauverlauf. Verläuft alles nach Plan ist der Ausbau im Herbst 2021 abgeschlossen.

Gesetzliche Vorgaben

Die gesetzlichen Anforderungen an die Reinigungsleistung und an den Gewässerschutz sind seit dem letzten Ausbau gestiegen. Mit modernen Messmethoden können sogenannte Mikroverunreinigungen nachgewiesen werden, welche die Gewässerökologie beeinflussen und sich auch im Grundwasser wiederfinden. Viele dieser Stoffe gelangen über das häusliche und industrielle Abwasser zu Abwasserreinigungsanlagen und anschliessend in die Gewässer.

Die heutige ARA kann diese Stoffe nur schlecht entfernen. Seit dem Jahr 2016 ist in der Gewässerschutzgesetzgebung verankert, dass grössere Abwasserreinigungsanlagen wie die ARA Oberglatt Massnahmen zur Entfernung von Mikroverunreinigungen treffen müssen. Das ist der Grund für den Einbau einer zusätzlichen Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen (EMV) Der Bund fordert die Realisierung bis zum Jahr 2022.

Bundessubventionen

Das vorliegende Projekt beinhaltet einerseits die Erweiterung der biologischen Reinigungsstufe und anderseits den Neubau einer Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen. Die Investitionskosten für die EMV-Stufe werden vom Bund zu 75 Prozent subventioniert. Die gesamten Investitionskosten werden mit rund 20 Millionen Franken veranschlagt.

Nach Abzug der Bundessubventionen belaufen sich die Nettoinvestitionen auf 10,61 Millionen Franken zulasten der drei Verbandsgemeinden. Der Anteil der Gemeinde Flawil beträgt brutto 6,57 Millionen Franken respektive netto 3,5 Millionen Franken.

Höhere Betriebskosten

Die neue EMV-Stufe benötigt wesentliche Mengen an Pulveraktivkohle, Hilfsmitteln und Energie. Ebenfalls steigt der Betriebsaufwand für die erforderliche Wartung der Anlagen. Die zusätzlichen Betriebskosten der ARA Oberglatt werden brutto auf rund 700‘000 Franken pro Jahr geschätzt und durch die drei Verbandsgemeinden getragen. Durch den Ausbau ergeben sich aber auch Synergien wie die Reduzierung des Chemikalienverbrauchs, wodurch Betriebskosten eingespart werden können.