In Coronazeiten ist manches anders. Statt an einer öffentlichen Information hat die Gemeinde Uzwil an einem virtuellen Anlass den aktuellen Projektstand der ARA Thurau vorgestellt. In diese Aufgabe haben sich Gemeindepräsident Lucas Keel und Michael Eugster vom kantonalen Amt für Wasser und Energie geteilt. Zur Videoübertragung konnten sich alle Interessierten zuschalten.

Der Bund verlangt von grossen Gemeinden, dass sie ihren Kläranlagen eine vierte Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen anfügen. In der Region Wil betrifft dies grundsätzlich nur die Stadt Wil. Allerdings kommen auch die kleineren Gemeinden nicht ungeschoren davon. Sie haben jedes Jahr pro Einwohner einen Solidaritätsbeitrag zu entrichten.

Grosser Sanierungsbedarf

Im Besonderen die Kläranlagen von Wil und Uzwil, aber bald auch jene von Zuzwil und Jonschwil müssen saniert werden. Es soll nun aber nicht in nicht mehr in jeder Hinsicht zeitgemässe Anlagen investiert werden. Stattdessen sollen drei Anlagen aufgelassen – die Becken allerdings weiter genutzt – und die Anlage der Gemeinde Uzwil vollständig erneuert werden. Die ARA Thurau, wie die neue Gemeinschaftsanlage heissen wird, wird nach einem neuen System funktionieren und auch Mikroverunreinigungen klären. Das gewählte Verfahren basiert auf Ozon kombiniert mit einem Aktivkohlenfilter. Gemäss Michael Eugster funktioniert dieses System beispielsweise bei der ARA Altenrhein bereits gut.

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Die ARA Thurau im Modell.


Ein 100-Millionen-Projekt

Der Planungshorizont der ARA Thurau liegt bei 2050 und ist auf 110’000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Einbezogen sind auch die Abwässer von Gewerbe- und Industriebetrieben. Bezüglich der ARA Thurau wäre 2050, falls erforderlich, noch Land für eine Erweiterung vorhanden. Der finanzielle Aufwand für die Realisierung des Projekts wird auf 100 Millionen Franken geschätzt. Eine wesentliche Veränderung seit der Information vor einem Jahr ist, dass in die Planung auch die Nachbargemeinden Wils auf Thurgauer Gebiet einbezogen worden sind. Für die Planung und den Bau, sowie für den Betrieb müssen neue Organisationen geschaffen werden.


Kompakt, erweiterbar, eingehaust

Die Planungsgemeinschaft ARA Region Wil-Uzwil hat verschiedene technische Entscheide gefällt. Der Verlauf des Zuleitungssystems, welches die Abwässer aus Wil, Jonschwil und Zuzwil nach Niederuzwil zur ARA Thurau leiten wird, die Dimensionierung der Anlage sowie die beiden Verfahren für die biologische Reinigung und die Beseitigung der Mikroverunreinigungen stehen fest. Es wird eine dreigliedrige Anlage vorgeschlagen. Die biologische Reinigungsstufe mit sechs Becken prägt das Erscheinungsbild der Gesamtanlage gegen die vorbeiführende Autobahn A1. Eine dahinter liegende, zweite Gebäudezeile umfasst die mechanischen Reinigungsstufen, die Betriebs- und Maschinenräume sowie die Stufe zur Beseitigung der Mikroverunreinigungen. Die Schlammbehandlung mit den Faultürmen ist – als drittes Element – an eine leichte Geländestufe angelehnt. Sämtliche Anlagenteile, welche Geruchsimmissionen verursachen, sind eingehaust, verfügen über Abluftfilter und liegen teilweise unterirdisch. Damit wird das Versprechen, dass die neue Anlage in Niederuzwil geringere Geruchsimmissionen verursachen wird als die heutige deutlich kleinere Anlage, eingelöst.


Modell wird ausgestellt

Modell und Pläne der ARA Thurau können vom 12. bis zum 23. April in der Gemeindeverwaltung Uzwil besichtigt werden. Die Bevölkerung der Gemeinde Uzwil wird am 28. November 2021 über das Projekt abstimmen können, jene der übrigen Gemeinden im Folgejahr. Sollte eine der Vertragsgemeinden das Projekt ablehnen, wird die Realisierung schwierig. Bei Ablehnung in Wil oder Uzwil stünde man vor dem Nichts.