Wer kommt für die Kosten von Internet und Telefon auf, die für die Arbeit zu Hause anfallen? Wer bezahlt Druckerzubehör, Hard- und Software, die für die Erwerbstätigkeit oft unerlässlich sind? Und wer sorgt dafür, dass der heimische Bürostuhl auf Dauer nicht zur Tortur wird? Das SRF-Konsumentenmagazin Espresso beleuchtete in seinem Beitrag vom 24. Dezember diese Fragen zur Verantwortung von Arbeitgebern während der erneuten Homeoffice-Pflicht.

«Geeignete Massnahmen»

Noch vor einem Jahr hätte der Bund klar festgehalten, dass Arbeitgeber nicht verpflichtet seien, die Kosten für das Arbeiten von zu Hause zu übernehmen. In der seit dem 20. Dezember geltenden Covid-19-Verordnung ist diese Klausel aber nicht mehr zu finden. So heisst es nun in Artikel 25, Abs. 5 «Präventionsmassnahmen»: «Die Arbeitgeber sind verpflichtet sicherzustellen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Arbeitsverpflichtungen von zu Hause aus erfüllen, wo dies aufgrund der Art der Aktivität möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar ist. Sie treffen die geeigneten organisatorischen und technischen Massnahmen.»

Nur, was bedeutet es konkret, dass Arbeitgeber «geeignete organisatorische und technische Massnahmen» ergreifen müssen? Die Kollegen von Espresso haben nachgefragt, und zwar beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) und beim Arbeitgeberverband (AGV).

Das Seco sagt:

Beim Seco bestätige man zwar, dass die Ausschlussklausel aus besagtem Artikel entfernt worden sei, aber das bedeute trotzdem nicht, dass «diese Kosten automatisch vom Arbeitgeber zu tragen sind.»

Der SGB sagt:

Beim SGB hingegen interpretiere man die geltende Verordnung anders, und zwar zugunsten der von zu Hause aus Arbeitenden. So könnten diese grundsätzlich alle Auslagen sowie die Spesen vom Arbeitgeber zurückverlangen. Mit dem Wegfall der Ausschlussklausel gelte denn auch automatisch das Arbeitsrecht. So gibt sich SGB-Zentralsekretär und Spezialist für Arbeitsrecht Luca Cirigliano gegenüber Espresso zuversichtlich, dass «die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in Zeiten der Homeoffice-Pflicht grundsätzlich für die Kosten aufkommen müssen, sofern nötig und verhältnismässig. Auch verlange das Arbeitsrecht etwa den Gesundheitsschutz. Es sei zwingend, «auch ausserhalb der Homeoffice-Plicht».

Der AGV sagt:

Beim AGV klingt es nochmal etwas anders, denn die Arbeitgeber hätten die Homeoffice-Pflicht nicht angeordnet und seien deshalb «nicht dazu verpflichtet, diese Kosten zu übernehmen». Die bisherigen Erfahrungen hätten aber gezeigt, dass man mit den Angestellten gute, individuelle Lösungen für die Heimarbeit finde, erklärte denn auch Daniella Lützelschwab, verantwortlich für Arbeitsrecht und Arbeitsmarkt beim AGV.

Einig seien sich SGB und AGV aber in dem einen Punkt: «Bevor man einfach Rechnungen für Auslagen im Homeoffice verschickt, lohnt es sich in jedem Fall, zuerst mit den Vorgesetzten zu reden. Denn es liegt ja schliesslich im beidseitigen Interesse, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch zuhause ein optimales Arbeitsumfeld haben.»

Lesetipp: Ratgeber «Homeoffice: So wird der Rücken weniger überlastet» von hallowil.ch.

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