Im Rahmen der interreligiösen Dialog- und Aktionswoche (IDA) wurde im Kath. Pfarreizentrum Wil am 7.9.2017 ein Film über Armut und Sozialhilfe gezeigt. Referenten von Sozialen Diensten, Pro Senectute und der Regisseur sprachen im Anschluss darüber.
Mit der interreligiösen Dialog- und Aktionswoche ida besteht im Kanton St.Gallen eine Plattform für Begegnung und Austausch. Alle zwei Jahre zahlreiche ida Veranstaltungen statt.Franz Schibli, Leiter Soziales der Kath. Kirchgemeinde Wil begrüsste rund zwanzig Personen im kath. Pfarreizentrum in Wil zum Themenabend.

«nichts ist drinnen - nichts ist draussen»
Eine Veranstaltungsreihe zu gesellschaftlichen Ein- und Ausschliessungsprozessen.
«Wir erleben eine Zeit, in der in unseren Gesellschaften die Polarisierung und die Ausschliessung als vermeintlich einzige Möglichkeit zur Lösung von Konflikten seuchenartig wieder aufleben», betonte Papst Franziskus anlässlich der Schliessung der Heiligen Pforte des Petersdoms im Heiligen Jahr.
Als Auftakt und Hinweis zur Ausstellung in der Stadtbibliothek werden in der Wiler Innenstadt vom 22. August bis 9. September vier von Patientinnen und Patienten der Kantonalen Psychiatrischen Klinik Wil gestaltete Türen aufgestellt. 

Armut gibt es auch in der „reichen“ Schweiz
Über Armut spricht man nicht gerne, und wenn, dann nur hinter vorgehaltenem Mund.
Es ist aber eine Tatsache, dass die Sozialkosten von 2005 bis 2014 um rund 800 Mio Franken gestiegen sind. Nicht der Bund ist zuständig für die Sozialhilfe, das wurde delegiert an die Kantone und Gemeinden. Robin Bannwart, Soziale Dienste Wil, meint dass es jeden treffen könne. Vermehrt aber sind Junge unter 20 Jahren und Personen ab 50 Jahren gefährdet um in die Armutsfalle zu geraten. Arbeitgeber wollen die „Eier legende Wollmilchsau“, das heisst, Leute von Mitte 30 mit mind. 10 Jahre Arbeitserfahrung sind begehrt. Die Jungen und die Älteren fallen aus diesem Raster, werden unter Umständen Arbeitslos und geraten so in die Mühle von Hoffnungslosigkeit, RAV und schlussendlich den schweren Gang zum Sozialamt.

Sozialhilfe-Bezüger können nicht River-Raften
So lautet der Titel eines Kurzfilmes von Fabian Kaiser und Luca Ribler. Die beiden haben den Film im Auftrag der FHS (Fachhochschule für soziale Arbeit, St.Gallen) gedreht. Im Film wird nebst Zahlen auch Eindrücke von Betroffenen gezeigt. In den kurzen Interviews bemerkt man, dass Sozialhilfebezüger nicht nur ein finanzielles Problem haben sondern auch unter Ausgrenzung, Mobilitätseinschränkung und fehlendem Selbstwertgefühl leiden. Einer der Protagonisten meint, er habe keine Freunde mehr oder man werde zur Passivität gezwungen und eine Frau sagt (mit Galgenhumor) , dass man halt als Sozialhilfe-Bezüger keine Malediven-Ferien oder abenteuerliche River-Rafting-Ausflüge machen kann. Dieses Zitat nahmen die jungen Filmleute denn auch als Titel für ihre Dokumentation.

Wer reich ist, der hat es geschafft – wer arm ist, ist selber schuld
M. , ein Zuhörer und selbst lange Zeit arbeitslos hat viele Erfahrungen gemacht und auch den Spruch (Titel) oben hat er immer wieder zu hören bekommen.
Im Anschluss an den Film sprachen die Referenten teils von ihrer eigenen erlebten Armut oder als Berufsleute, die täglich mit Betroffenen zu tun haben. Albert Baumgartner von der Pro Senectute St.Gallen sieht sich als eine Art Erweiterung für das Sozialamt und er berichtet von Fällen, denen er aktiv helfen konnte, wieder Fuss im Leben zu fassen. Auch ist die Pro Senectute mit rund 450 freiwilligen Helfern in der Stadt St.Gallen sehr gut aufgestellt.
Robin Bannwart berichtet, dass er schon Clienten der dritten Generation in seinem Büro empfing. Das heisst, er habe die Grossmutter, mit der Mutter und schlussendlich auch die Tochter beraten. Solche Situationen geben ihm zu denken und er hofft, dass das Volk, der Bund, Kanton und auch die Gemeinde den Solidaritätsgedanken stärken mögen und dass sich die Schere zwischen Armut und Reichtum nicht noch mehr öffnet.