Nach 2015 und 2019 hat die Schweizer XXL-Fahne auch dieses Jahr gehalten. Somit ist die 80 mal 80 Meter grosse und rund 750 Kilogramm schwere Fahne nun seit dem Jahr 2015 dreimal unversehrt geblieben und dreimal gerissen. Damit nicht zum vierten Mal ein Schranz dazu kommt, musste sie heuer allerdings früher heruntergenommen werden als ursprünglich geplant – nämlich schon am Nationalfeiertag ab 17 Uhr. Denn es waren für den Abend und die folgenden Tage Gewitter und eine instabile Wetterlage angesagt. Hätte man das grösste Schweizer Kreuz des Landes nicht am Samstagabend eingerollt, wäre man Gefahr gelaufen, dass sie bis am kommenden Mittwoch in der Wand hangen würde. Erst dann soll es wieder beständig schön sein – und somit Fahnenroll-Wetter.

Genau wie beim Abrollen am Tag davor lief auch beim Aufrollen am Samstagvorabend alles glatt – und in Rekordtempo. Rund zwei Stunden nach Roll-Beginn war aus der Fahne eine grosse, rote Wurst geworden – und zum Abtransport mit der Seilbahn in die Schwägalp bereit. Allerdings war es zwischenzeitlich «spannend», zogen doch dunkle Wolken und Wind auf – und auch ein kurzer Regenschauer prasselte auf die Schwägalp nieder. Der Wettergott schien aber heuer ein Wiler zu sein und liess es danach wieder heller werden.

Im Video: Ist das frühe Einrollen ein Wehrmutstropfen?

 

Noch nie so viele Leute wie am Freitag

Bei der Fahnen-Herstellerfirma Heimgartner AG aus Wil zieht man ein positives Fazit. Noch nie habe man so viele Fahnen verkauft wie dieses Jahr. «Am 1. August um 8.30 Uhr standen die Leute bei unserem Stand auf der Schwägalp Schlange», sagt Rosie Forrer, Projektbegleiterin bei der Heimgartner Fahnen AG. Ignaz Giger, der für die Firma Geo Höhenarbeit die Fäden in der Schwägalp zusammenhielt, berichtete, dass es noch nie so viele Leute auf Platz gehabt habe wie beim Ausrollen am Freitag.

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Gut 20 Mitarbeiter rollen die grösste Schweizer Fahne am Samstag-Vorabend wieder ein. (Bild: Simon Dudle)

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Des Einrollen soll früher beginnen als geplant (1.8.20)

Wann holen wir die grösste Schweizer Fahne aus der Säntis-Wand? Das ist die Hauptfrage, mit welcher sich die Verantwortlichen – darunter die Wiler Fahnen-Hersteller-Firma Heimgartner AG – am Samstagmittag zu befassen hatten. Eigentlich wollte man sie bis am Sonntagmorgen hängen lassen, damit am Nationalfeiertag auch alle die spektakuläre Szenerie bestaunen können.

Doch dazu kommt es nicht. Am Samstagmittag wurde entschieden, dass aufgrund der Wetterprognosen die Fahne schon am Nationalfeiertag wieder abgehängt werden soll. Ab etwa 17 Uhr steigen die Arbeiter in die Wand, um die Fahne Schritt für Schritt wieder einzurollen. Noch vor Einbruch der Dunkelheit soll das Schweizerkreuz wieder weg sein. Doch es gibt einen grossen Unbekannten: der Wind. Weht dieser mit mehr als 25 km/h, sind Arbeiten in der Wand nicht möglich. Und für Samstagabend sind Gewitter angesagt, welche von Sturmböen begleitet werden können. Ob und wann diese die Schwägalp treffen, ist kaum vorhersehbar.

Sollte die Fahne nicht heute eingerollt werden können, wird sie mit grosser Wahrscheinlichkeit kaputt gehen. Denn sie müsste bis am Mittwoch in der Wand hängen. Der Grund: Bis dahin ist wechselhaftes Wetter angesagt. Bei nasser Witterung können selbst die Spezialisten nicht in die Wand. Eine kurze Trockenphase genügt nicht, weil die rund 20 Arbeitskräfte nicht so kurzfristig disponiert werden können. Wegen der Gewitter dürfte die Fahne kaputt gehen und während mehreren Tagen kein schönes Bild abgeben. Die Verantwortlichen hoffen also, dass die Gewitter nicht zu früh kommen.

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Auch am Samstag ein Ansturm (1.8.20)

Eine Fahne als Publikumsmagnet. Ist ja klar, handelt es sich doch nicht um irgendeine Fahne. Es ist die grösste Schweizer Fahne, hergestellt von der Wiler Firma Heimgartner AG. Die Masse: 80 mal 80 Meter gross, rund 750 Kilogramm schwer. Seit Freitagmittag hängt sie in der Säntiswand und löst einen regelrechten Besucheransturm aus. Das war bereits am Freitag der Fall – und ist auch am Nationalfeiertag so. «Es ist bereits jetzt sehr viel los hier auf der Schwägalp», sagte Rosie Forrer, Projektbegleiterin der Heimgartner AG, am Samstag um 9 Uhr zu hallowil.ch. Der Stoff habe die Nacht gut überstanden.

Noch immer offen ist, wie lange die Fahne dieses Jahr hängen bleibt. Zu entscheiden ist, ob sie noch am Samstagabend abgehängt wird oder erst wie geplant am Sonntagvormittag. Die Verantwortlichen wollen die neuesten Wetterprognosen abwarten, bevor sie entschieden. Um 11 Uhr wird getagt. Die Frage ist: Wann kommen die Gewitter, welche die Fahne zerstören würden?

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So lief der Freitag auf der Schwägalp (31.7.20)

Feiertagsstimmung schon am 31. Juli auf der Schwägalp. Alphornklänge ertönen, Bratwurst wird verkauft – und vor allem hängt eine grosse Schweizer Fahne in der Säntiswand. Um 9.30 Uhr wurde mit dem Entrollen begonnen – und somit etwas früher als geplant. Man wollte der Thermik zuvorkommen, welche mit der ab Mittag vorherrschenden Sonneneinstrahlung die Wand belüftet. Zu viel Wind ist ein No Go für das Projekt. Ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h müssen die Arbeiten aus Sicherheitsgründen unter- oder abgebrochen werden.

An diesem Freitag hat aber alles reibungslos geklappt und rund 20 darauf spezialisierte Fachkräfte haben die 80 mal 80 Meter grosse Fahne der Wiler Firma Heimgartner Fahnen AG entrollt – zur einhelligen Freude auf der Schwägalp. Um die Mittagszeit waren die Arbeiten abgeschlossen. Und zwar nach zwei Stunden und 15 Minuten. Das ist ein Rekord. Noch ist aber nicht klar, wie lange die Fahne hängen bleibt. Das Problem: Ab dem Nachmittag des 1. Augusts sind Gewitter angesagt, und in den folgenden Tagen soll das Wetter wechselhaft sein. Eine kaputte Fahne wäre fast schon sicher, wenn man sie zu lange oben lässt. Nimmt man sie zu früh herunter und gibt es doch keine Gewitter, wird man den Organisatoren vorwerfen, zu früh abgebrochen zu haben.

Bereits zum siebten Mal hängt die Wiler XXL-Fahne in der Wand. Bei der ersten Durchführung 2009 war sie noch 120 mal 120 Meter gross gewesen. Zu gross. Beim nächsten Anlauf 2015 hatte sie noch die Masse 80 mal 80 Metern. Seit 2015 hängt die Fahne jedes Jahr in der Wand. Zweimal ist sie bisher unversehrt geblieben.

Im Video: Die Fahne wurde im Rekordtempo ausgerollt

 

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Was es mit der Fahne auf sich hat (30.7.20)

Für die Heimgartner AG, der Wiler Fahnenfabrik, ist es jedes Jahr ein besonderes Highlight und eine Herausforderung zugleich, die weltweit grösste Schweizer Fahne an der Felswand des Säntis sicher zu befestigen. Anschliessend wird die 80 mal 80 Meter grosse Fahne am 31. Juli, einen Tag vor dem Schweizer Nationalfeiertag, ausgerollt. «Sofern das Wetter mitspielt», sagt Rosie Forrer, Projektbegleiterin des Projekts Schweizer Fahne am Säntis. Nachdem letztes Jahr dem mittlerweile traditionellen Vorhaben ein dicker Nebel einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, – denn im Jahr 2019 konnte die Fahne erst am Nationalfeiertag selbst entrollt werden – verspricht das Wetter dieses Jahr eine leichtere Durchführung. «Wir gehen fest davon aus, dass die Fahne am Freitagvormittag um zehn Uhr planmässig ausgerollt werden kann», meint Forrer. Sie selbst freue sich jedes Jahr auf diesen Moment wenn die Fahne Zentimeter für Zentimeter aufgerollt werde. Obwohl es Jahr für Jahr um die gleiche Aufgabe gehe, sei es jedes Mal eine andere Erfahrung. «Die Leute, die bei diesem Vorhaben immer dabei sind, stecken mittlerweile so viel Herzblut hinein», berichtet Forrer.

Eine Herausforderung mit unzähligen Hürden

Dieses Jahr wurde die XXL-Fahne bereits am Mittwochabend um 18.30 Uhr mit der Gondel in die Höhe transportiert und schon an der Felswand befestigt. «Bis einen Tag vor dem 1. August liegt dort nun horizontal eine Fahnenwurst», erzählt Projektbegleiterin Forrer. Alleine für den Transport und die Befestigung an der Stelle, bei der die Fahne hängen soll, brauche man bis zu drei Stunden. Welche Aufgabe beim Ausrollen besonders herausfordernd ist, kann Forrer nicht sagen. Das Vorhaben als Ganzes sei eine Herausforderung. Jeder einzelne Schritt sei eine Hürde. «So muss beispielsweise vor dem Befestigen darauf geachtet werden, dass die Fahne am Schluss nicht falsch ausgerollt wird», betont Forrer. Obwohl die 750 Kilogramm schwere Fahne quadratisch ist, hat sie eine Voder- und Rückseite – aber auch eine Unter- und Oberseite. Während die Fahne von etwa 20 Arbeitern heruntergelassen wird, sollte sie auch möglichst wenig Kontakt mit den Felsen haben.

In den vergangenen Jahren stellte das Wetter beim Ausrollen meistens die grösste Herausforderung dar. Entweder war es zu windig oder neblig. Für das Ausrollen haben die Verantwortlichen der Heimgartner AG und Säntis Schwebebahn heuer wahrscheinlich keine Probleme. «Schwierig wird dieses Jahr das Abmontieren», befürchtet Forrer, «denn nach dem Nationalfeiertag soll das Wetter wieder umschlagen.»

Kleinere und grössere Schäden werden immer behoben

Bisher blieb die weltweit grösste Schweizer Fahne nur in den Jahren 2015 und 2019 unversehrt. «Sonst mussten wir sie nach dem Nationalfeiertag immer reparieren», erzählt Forrer. Kleinere Löcher würden aber immer entstehen. Die Felswand am Säntis sei ja nicht flach, sondern an einigen Stellen sehr spitzig. «Die Wand ist wie Schmirgelpapier», vergleicht Forrer. Und wenn die Fahne mit ihrem ganzen Gewicht runterhänge oder die Arbeiter nach dem Ausrollen die Wand wieder hochklettern – dann würden automatisch auch kleinere Risse entstehen.

Die XXL-Fahne aus Wil wird nach jedem Einsatz am Säntis auf dem Fussballplatz in Urnäsch im Kanton Appenzell Ausserrhoden wieder komplett ausgerollt. Ein Team kontrolliert mit Projektbegleiterin Forrer dann Meter für Meter die ganze Fahne. Angeschaut werden unter anderem auch Nähte, Gurte, Schlaufen und Ösen – diese sind auf den ersten Blick nicht sichtbar. «Nach der Kontrolle erstellen wir einen Plan mit allen Schwachstellen», sagt Forrer. Da für den Fahnenhersteller Heimgartner im Winter eher eine ruhige Phase herrscht, wird diese Zeit genutzt, um die Schäden mit einer Nähmaschine komplett zu beheben. «Die Fahne kam auch schon in sieben Teilen von der Säntis-Felswand runter», erzählt sie weiter. Diese Arbeit sei aufwendig, aber unterscheide sie von Jahr zu Jahr. Letztes Jahr habe das verantwortliche Team eineinhalb Tage für die Kontrolle und Reparatur benötigt. «Wir waren aber auch schon mehr als eine Woche dran», so Forrer.