Vor der Partie waren sich viele einig: wenn der FC Wil gegen den FC Thun spielt, dass ist die Favoritenrolle klar auf der Seite der Berner Oberländer. Am Ende sollte es ein Spiel werden, dass beste Werbung für den Challenge League Fussball liefert. Aber der Reihe nach. Die ersten zehn Minuten waren klar davon geprägt, dass beide Mannschaften vor allem keine Fehler machen wollten. So dauerte es bis zur zwölften Minute bis sich endlich etwas erwähnenswertes im Bergholz zutrug. Und es waren die Wiler in Person von Marcin Dickenmann, der nach Vorarbeit von Lukembila sich aus 16 Metern ein Herz fasste und direkt abzog. Sein Ball ging aber nur an den Pfosten. Die Partie war mit dieser Aktion aber lanciert.

Je länger die erste Halbzeit dauerte, desto mehr Spielanteile hatten die Thuner. Die Wiler standen sehr oft nur noch hinten drin und hatten offensiv keine Aktionen mehr. So kam es, dass die Thuner mehrmals am Führungstreffer nur knapp vorbeischrammten. Als dann die Uhr die 36. Minute zeigte, belohnten sich die Thuner für ihre Bemühungen. Roth spielte auf Schwizer. Dieser dribbelte sich durch die komplette Wiler Abwehr. Während sein erster Schuss noch von Keller abgewehrt werden konnte, war auch der Wiler Schlussmann beim Nachschuss Chancenlos und Schweizer versenkte den Ball aus kurzer Distanz im Tor. Mehrere Spieler monierte aber, dass der Ball vor der Aktion im Aus gewesen sei. Die Unparteiischen konnten davon aber nicht überzeugt werden, der Treffer zählte. Die Wiler zeigten sich wenig beeindruckt durch diesen Treffer. Mit dem direkten Wiederanspiel wurde Dickenmann auf der rechten Seite mit einem langen Ball auf die Reise geschickt. Seine Flanke zur Mitte erreichte Brahimi. Dessen Schuss konnte von Torhüter Hirzel noch geblockt werden. Lukembila schaltete aber am schnellsten und köpfte den Ball doch noch ins Tor.

Unterhaltsame zweite Halbzeit

In der zweiten Halbzeit benötigten die Mannschaften keine Abtastphase mehr, wie in der ersten Hälfte des Spiels. Die Wiler hatten in den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff ein deutliches Chancenplus. Bis zur 56. Minute, als die Thuner mit einem langen Ball in den Strafraum für Gefahr sorgten. Dort klärte Lukembila in bester Torhüter Manier den Ball mit der Hand. Schiedsrichter Schärli zeigte ohne zu zögern auf den Punkt. Josué lief an, aber Keller war in der richtigen Ecke und konnte den Penalty halten. Die Zuschauer hatten aber keine Zeit zum Verschnaufen, beim Nachfolgenden Eckball köpfte der Ex-Wiler Havenaar das Leder an die Latte. Ebendieser Havenaar stand dann auch bei der nächsten Szene im Mittelpunkt. In der 62. Minute foulte er im eigenen Strafraum Dickenmann. Auch hier zeigte der Schiedsrichter direkt auf den Punkt. Bahloul lief an und traf in die rechte Ecke. Sein Schuss war nicht präzise, aber hart genug, dass Hrizel zwar in der richtigen Ecke war, aber nicht mehr an den Ball kam.

Nach diesem Führungstreffer nahmen die Thuner das Spiel wieder in die Hand. Die Wiler hingegen verlagerten sich aufs Kontern. In der 78. Minute wöre diese Taktik für die Wiler auch beinahe aufgegangen. Bahloul traf aber wieder nur den Pfosten. So kam es, dass die Thuner acht Minuten vor Schluss doch noch zum Ausgleich kam. Nach einem Eckball verlängerte Bürki den Ball zum zweiten Pfosten, wo Dorn den Ball ohne Gegenwehr über die Linie drücken konnte. Man war schon versucht, wieder an das Spiel gegen den FC Vaduz zu denken, wo der FC Wil in den letzten Minuten ebenfalls noch den Sieg aus der Hand gaben. Diesmal aber überstanden die Wiler die Druckphase der Thuner und sicherten sich so einen wichtigen Punkt. «Die Jungs haben es heute gut gemacht, sie haben gekämpft wie Löwen» konstatierte Cheftrainer Alex Frei nach dem Spiel. Er stellte auch eine positive Tendenz fest, da die Mannschaft in den vergangenen fünf Spielen nur einmal als Verlierer vom Platz ging.

Torhüterfrage: Tendenz bis zur Winterpause

Heute stand – wie bereits vergangene Woche – Marvin Keller im Tor der Wiler. Während es letzte Woche klar war, dass De Mol aufgrund seiner Reise zur U21 Nationalmannschaft, nicht im Kader stand, rechnete man heute wieder damit, dass er wieder im Tor stehen wird. Alex Frei sagte, dass Keller im Tor stand, weil er während der ganzen Woche mit der Mannschaft trainiert habe. Dass nun Keller Stammtorhüter sein werde verneinte er. «Wir haben drei gute Torhüter in der Mannschaft und bis zur Winterpause wird sich eine Tendenz zeigen» meinte der Wiler Übungsleiter weiter.

FC Wil – FC Thun 2:2 (1:1)

Bergholz: 940 Zuschauer – Sr: Schärli

Tore: 36. Schwizer 0:1, 38. Lukembila 1:1, 63. Bahloul (Foulelfmeter) 2:1, 82. Dorn 2:2

FC Wil: Keller; Dickenmann, Izmirlioglu, Sauter (46. Talabidi), Brahimi; Kamber, Ndau; Bahloul, Zumberi (84. Reichmuth), Lukembila (80. Frei); Silvio (71. Jones).

FC Thun: Hirzel; Wetz (64. Schüpbach), Havenaar, Bürki, Dorn; Rüdlin, Roth; Dzonlagic (79. Kyeremateng), Castroman (64. Dos Santos), Schwizer (45. Josué); Chihadeh (64. Gerndt).

Bemerkungen: Wil ohne Fazliu (gesperrt), Heule, Ismaili, Malinowski und Muntwiler (alle verletzt), Abazi und Rustemoski (beide nicht im Aufgebot). Thun ohne: Karlen (gesperrt), Fatkic, Hefti und Ndongo (alle verletzt), Ahmed und Hasler (beide nicht im Aufgebot). – 12. Pfostenschuss Dickenmann, 56. Keller hält Penalty von Josué, 57. Lattenkopfball Havenaar, 78. Pfostenschuss Bahloul – Verwarnungen: 8. Izmirlioglu (Foul), 37. Alex Frei (Reklamieren), 56. Lukembila (Handspiel), 57. Chihadeh (Unsportlichkeit), 57. Kamber (Unsportlichkeit), 65 Dorn (Foul). Pascal Ibig